40 Jahre nach Fuji – Wieso James Hunts Fahrt zum WM-Titel das Ende einer Ära in der Formel 1 war

Heute vor 40 Jahren trug sich der Brite James Hunt beim Grand Prix von Japan mit einer draufgängerischen Fahrt auf Platz 3 in die Geschichtsbücher der Formel 1 ein.

Während sein Titelrivale Niki Lauda aufgrund des sintflutartigen Regens aufgab, reichte Hunts Aufholjagd nach einem Reifenschaden, um sich den WM-Titel zu sichern.

Die Legende der Verdienste von Hunt und der unvergessenen Saison 1976 sind im Laufe der Jahre gewachsen – wozu auch der Film "Rush" beigetragen hat, der die Geschichte einem größeren Publikum nahegebracht hat.

Was Hunts Leistungen auch nach 40 Jahren noch so außergewöhnlich macht, ist weniger, wie er seinen Titel errungen hat, sondern vielmehr, wie sein Erfolg in diesem Jahr repräsentativ für eine völlig andere Ära steht – sowohl für Männer wie Hunt als auch für Teams wie McLaren.

Zur Feier der neuen Biographie von Hunt versammelte McLaren drei Schlüsselfiguren der Saison 1976 – Ray Grant, den damaligen Produktionsingenieur bei McLaren, Roy Reader, den damaligen Truckie und Dave Ryan, den aktuellen Manor-Renndirektor, der in Fuji Teil der Boxencrew war.

Alle drei Männer betonen den Unterschied zwischen damals und jetzt. Sie betrachten die Zeit von Hunt als Ende eines Kapitels in der Formel 1.

"Für mich war er der Letzte einer Ära", sagt Ryan. "Er war in diesem Jahr brillant in unserem Auto. Er hatte viel Spaß und tat, was man tun will – das kann man jetzt nicht mehr tun. Für mich war das eine Art Schlussstrich."

Hunts Lebenswandel zeigte sich nicht nur bei McLaren, sondern auch in der Formel 1.

"Was die Leute über Hesketh sagen, diese Playboy-Sache, einen Teil davon hat er mit zu uns zu McLaren gebracht – und ich denke, das hatte sich in der Boxengasse herumgesprochen", erklärt Reader.

"Viele Teams waren ziemlich neidisch auf uns, weil wir James hatten – da war dieser Typ, der auf der einen Seite sehr beliebt war und auf der anderen umögliche Dinge tat."

"Man hatte später, mit anderen Fahrern, nie mehr das gleiche Gefühl wie mit James. Es ist ein trauriger Verlust. Er hatte aber ein erfülltes Leben – sicher mehr als die Meisten. Moderne Fahrer würden nie die Dinge tun, die er tat … abgesehen vielleicht von Kimi [Räikkönen]."

Auf die Frage, was Hunt in der aktuellen, kommerziellen Formel 1 machen würde, sagte Ryan: "Er wäre nicht wirklich ein Teil davon. Ich denke, er würde sich überhaupt nicht damit abgeben."

"Er wurde zu einem sehr guten Kommentator und hatte seine eigene Meinung – so, wie sich die Formel 1 entwickelt hat, ist sie nicht mehr annähernd so, wie sie damals war. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht."

Von einer Acme-Pfeife gerettet

Was bei dem Rennen in Fuji passiert ist, wurde im Laufe der Jahre sehr gut dokumentiert – es gibt aber zwei Anekdoten, die fest im Gedächtnis derer verwurzelt sind, die an diesem Tag dabei waren.

Die erste geschah vor dem Rennen – als es durch die Verschiebungen des Starts aufgrund des Regens ein echtes Risiko gab, dass das Rennen überhaupt nicht stattfinden würde. Ein derartiges Szenario wäre für Ferrari ideal gewesen. Da Lauda die Meisterschaft anführte, wäre er dann nämlich Weltmeister gewesen.

"Es wurde dunkel und wir hatten das Gefühl, dass es gar nicht mehr gestartet würde, wenn das nicht bald passierte", erinnert sich Reader. "Es waren dicke Wolken am Himmel, es regnete und dadurch, dass es immer später wurde, wurde es immer schlimmer..."

Ryan erinnert sich aber an einen Moment, als ein Teammitglied aufstand, um die Zuschauer etwas anzustacheln – und sie so sehr zu begeistern, dass die Organisatoren das Rennen einfach nicht absagen konnten.

"Ferrari wollte nicht, dass das Rennen stattfand", sagte er. "Es war ziemlich grauenhaft. Wir wollten natürlich, dass das Rennen stattfindet, also versuchten wir, die Zuschauer aufzustacheln. Die Tribünen waren voll, aber sie saßen einfach nur da, wie Japaner das so tun."

"Also ging einer unserer Mechaniker, Lance Gibbs, an die Boxenmauer. Er hatte eine Acme Thunder Pfeife. Und er stachelte sie auf. Und es dauerte nicht lange und die Fans wurden laut."

"Meiner Meinung nach half das, dass das Rennen statfand, denn es bestand wirklich die Gefahr, dass es abgesagt wurde. Es wurde gestartet und Ferrari war darüber gar nicht glücklich. Der Rest ist Geschichte."

Boxenstopp-Drama

Lauda fand, dass die Bedingungen zu gefährlich waren und gab kurz nach dem Start in der Box auf, während Hunt weiterfuhr, als die Strecke begann, aufzutrocknen. Dann musste er an die Box, weil er einen Reifenschaden hatte.

Eigentlich hätte es ganz einfach sein sollen, Hunt wieder auf den Weg zu schicken, aber bei McLaren gab es Probleme – an der Ecke des Autos, für die Ryan verantwortlich war.

Es gab eine Diskussion, weil keiner dafür verantwortlich sein wollte, James reinzuholen. Sie wollten, dass er selbst entschied, also fur er weiter und weiter, auf einer Strecke, die immer trockener wurde und er fiel zurück."

"Er kam schließlich herein und hatte vorne links einen Reifenschaden. Das war leider meine Ecke. Zu dieser Zeit machte man Boxenstopps, aber man erwartete eigentlich nie, dass man einen machen müsste, daher hatten wir nur kleine Wagenheber."

"Der Wagenheber sollte unter die Spurstange geschoben werden und das Rad soweit anheben, dass man es wechseln konnte. Wir haben das oft geübt, aber nie mit einem platten Reifen. Das war etwas dämlich!"

"Irgendwann hoben aber einige von der Crew die gesamte Front des Autos an und das Rad war gewechselt. James schaffte noch den 3. Platz, den er brauchte, um Champion zu werden."

Wilde Partys

Die Feier an diesem Abend war natürlich riesig – als McLaren-Meachaniker am Ende ihre Werkzeuge und anderen Krimskrams aus der Saison gegen Alkohol an der Strecke tauschten.

Wenn man aber ein echtes Beispiel dafür will, wie anders die Zeiten waren, muss man zwei Wochen zurückgehen, nach Watkins Glen, wo Geschichten aus der berühmt-berüchtigten Seneca Lodge längst zur Legende geworden sind.

"Das war ein magischer Ort. Es war wie der Mittelpunkt des nordamerikanischen Motorsports", erklärt Ryan. "Die meisten der Teams stiegen da ab und die Betreiber des Hotels waren mega. Da war jeden Abend Party und es wurden Filme gezeigt. Das war ein toller Ort."

Reader ergänzte: "Wir waren immer im Motel direkt unter dem Hauptgebäude. Das war eines jener Hotels, bei denen du beim Aufräumen mithalfst und den Frühstückstisch decktest, wenn es nötig war. Dann eine schnelle Dusche und ab an die Strecke."

"Wer auch immer das Rennen gewonnen hatte, stellte eine bestimme Menge Bier hinter den Tresen, das danach getrunken wurde."

Grant erinnert sich aber den Abend nach dem Rennen 1976, als alles etwas außer Kontrolle geriet.

"Der Alkohol floss nicht schnell genug, also ging ich an die Bar und fragte, ob sie ein größeres Glas hätten. Ich meinte, ein Krug wäre das Richtige. Also bat ich um einen mit Gin und Tonic und um einen mit Bacardi und Cola."

Hunt, der in einer Ecke saß, mit einem Mädchen in jedem Arm und einem Hut mit einem blinkenden orangen Licht obendrauf auf dem Kopf, hätte das sicher gefallen.

James Hunt Biography
James Hunt Biographie

Photo by: McLaren


McLaren hat an einer nagelneuen, großformatigen 352 Seiten starken Hunt-Biographie mitgearbeitet, die bisher unveröffentlichte Fotos enthält und vom bekannten Formel-1-Journalisten Maurice Hamilton geschrieben ist. Weitere Details: http://www.blinkpublishing.co.uk/index.php/james-hunt-2/

Heute Abend wird im RAC Club Pall Mall in London eine Feier zu Ehren von James Hunt stattfinden, die von Havoline unterstützt wird. Familie und Freunde von James treffen sich im Anschluss zu einem Abendessen und einer Fragestunde.

Mehr aufregende Neuigkeiten bezüglich James Hunt und Motorsport Network wird es bald geben.

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