Analyse: Deshalb ist das Formel-1-Rennen in Mexiko ein so großer Erfolg

In der Formel 1 gibt es kaum etwas Schwierigeres als nach einem erfolgreichen Debütrennen als Veranstalter noch einmal eins draufzusetzen.

Die Geschichte hat gezeigt, dass das 2. Rennen auf einer Formel-1-Strecke meist nicht so gut besucht wird wie im Debütjahr. Beispiele dafür liefern die Läufe in Indianapolis, Indien, Südkorea und Texas.

Mexiko hat es jedoch geschafft, diesen Trend zu widerlegen. An allen drei Tagen pilgerten mehr Fans zur Rennstrecke als im Vorjahr.

Die Details:

 20152016
Freitag 89.365 91.243
Samstag 111.964 113.698
Sonntag 134.845 135.026
Gesamt 336.174 339.967

Wenige tausend Fans mehr, scheint kein großer Schritt zu sein. Aber wenn diese Entwicklung mit denen aus der Vergangenheit verglichen wird, ist es ein großer Erfolg. Mexiko kann zudem als Vorreiter für andere Rennstrecken dienen, die ihr 2. Formel-1-Rennen veranstalten. 

Masked fan
Ein maskierter Fan

Foto von: XPB Images

Investitionen für die Fans

Den Erfolg von Mexiko sollte die Formel 1 genauer untersuchen, denn immerhin hat die Serie das Problem, Zuschauer zum Besuch an der Rennstrecke zu bewegen.

Natürlich sorgen besondere Faktoren für den Erfolg in Mexiko. Mit Sergio Perez (und Esteban Gutierrez) haben die Zuschauer einen Lokalmatador im Feld. Zudem haben die Sponsoren des Mexikaners viel Geld in die Hand genommen, um das Rennen zu promoten. Zusätzlich ist die Begeisterung für den Sport in Mexiko besonders groß. Ein weiterer Grund ist die stadtnahe Lage der Rennstrecke, auf der schon immer das Rennen ausgetragen wurde.

Diese Faktoren erklären aber nicht, warum der Veranstalter CIE, ein großer Musik-Promoter, es geschafft hat, ein noch größeres Event als im vergangenen Jahr zu veranstalten.

Die Antwort auf diese Frage ist besonders einfach: Es wurde in die Fans investiert.

Für den CIE-Präsidenten Alejandro Soberon beruht der Erfolg auf der Veranstaltung im Jahr 2015. Damals sei darauf geachtet worden, dass die Zuschauer einen unvergesslichen Tag erleben würden. Man hat den Fans nicht nur die Tickets verkauft, sie für das Rennen auf die Tribünen gesetzt und dann wieder nach Hause geschickt.

Für die Fans gab es Musik und Unterhaltungsprogramme. Die Gäste, die ein Ticket für einen Platz im Stadion hatten, erlebten zudem eine Atmosphäre, die in der Formel 1 bereits jetzt schon legendär ist.

Gegenüber Motorsport.com sagte Soberon: "Es hat sich ausgezahlt. Die Fans sind in diesem Jahr wiedergekommen. Zudem kamen viele Zuschauer von außerhalb hierher. Es war eine große Anzahl an Touristen vor Ort, und es ist schön, Leute aus Finnland, Spanien oder Estland willkommen zu heißen."

"Sie sagten: 'Wir haben gehört, dass es ein wundervolles Rennen ist, und deshalb sind wir hier.' Wir versuchen, den Lauf zu einem der besten im Kalender zu machen. Das wird wiederum weitere Fans anlocken. Man muss in die Zuschauer investieren, dann kommen sie wieder."

Es ist mittlerweile gebräuchlich, Konzerte und besondere Attraktionen neben dem Rennen zu bieten. Der Erfolg des USA-Rennens basiert zum Beispiel auf dem Auftritt von Taylor Swift am Samstagabend.

Es wird sicher kritische Stimmen geben, die sagen, dass man Zuschauer nur mit Hilfe von großen Musikern an die Strecke locken kann. Die Welt hat sich aber nun einmal verändert. Die Fans benötigen mehr Gründe als nur das Rennen, um sich ein teures Formel-1-Ticket zu kaufen.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff sagte einmal: "Wenn Taylor Swift die Lösung ist, dann holt sie her! Wenn die Formel 1 in manchen Ländern keine Attraktion mehr ist, müssen wir eben weitere Attraktionen bieten."

"Das Event in Mexiko ist gut organisiert, wird gut beworben, es gibt einheimische Fahrer und deren Story wird gut erzählt. Wenn man verantwortlich ist, muss man die richtige Entscheidung in Sachen Werbung treffen. Das ist gar nicht so einfach."

Soberon stimmt dem zu. Er meint: "Es dreht sich alles um Erfahrung. Die Formel-1-Show ist eine ganz besondere. Aber wie schafft man es, die restlichen 5 Stunden an der Strecke unvergesslich zu machen? Es geht darum, die Fans zufriedenzustellen."

Felipe Massa, Williams FW38, Valtteri Bottas, Williams FW38
Felipe Massa, Williams FW38, Valtteri Bottas, Williams FW38

Foto von: Williams F1

Besondere Atmosphäre im Stadion

Das Stadion von Mexiko hat der Formel 1 bereits im vergangenen Jahr die Sprache verschlagen. Nun hat Mexiko diesen Teil der Strecke als "den Platz, an dem man sein muss" beworben.

Das Schlagwort in diesem Jahr war "F1ESTA". Den Organisatoren wurde sogar erlaubt, einen Wrestling-Ring in das Fahrerlager zu stellen.

Der Ort für die Fans ist das Stadion. Die magische Atmosphäre in diesem Bereich war das Ziel, als die Strecke an den Tribünen vorbeigezogen wurde. Es gab jedoch das Risiko, dass die Ränge aufgrund der geschlängelten Streckenführung in diesem Abschnitt leer bleiben. Das wäre für die Veranstalter sehr peinlich gewesen.

"Wir haben gezockt, aber es hat sich gelohnt", sagte Soberon. "Das Podium dort hinzustellen und zu etwas Besonderem in der Formel 1 zu machen, hat sehr gut funktioniert."

"Jeder, der an die Formel 1 denkt, hat das Podium und die Feier im Kopf. Ich habe am Wochenende mit Nico Rosberg gesprochen, der sagte: 'Alex, ich habe mich vergangenes Jahr wie ein Rockstar gefühlt'. Die Piloten sind Rockstars, also müssen sie auch so behandelt werden."

Ein weiterer wichtiger Schritt war, die Ticketpreise im Jahr 2016 nicht zu erhöhen. Die Preise für die Eintrittskarten lagen auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.

"Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, obwohl es unsere Einnahmen verringert hat. Wir wollten das Vertrauen der Fans nicht verspielen."

"Es ist ein Premium-Event. Wir haben eine Spannweite an Tickets von 87 US-Dollar (rund 78 Euro) für 3 Tage bis hin zu 1.500 US-Dollar (rund 1.350 Euro) für Plätze auf der Haupttribüne oder im Fahrerlager-Klub. Die Tickets waren ausverkauft. Es ist toll zu sehen, dass man verschiedene Erlebnisse bekommt, je nachdem, was man zahlt. Jeder verlässt die Strecke glücklich."

A Sergio Perez, Sahara Force India F1 fan
Ein Fan von Sergio Perez

Foto von: XPB Images

Lehrstunde für die Formel 1

Für Rennen wie den Großen Preis von Deutschland sollte das Event in Mexiko eine Lehrstunde sein, denn immerhin besteht die Gefahr, aus dem Kalender zu fliegen.

Wolff kommentiert das Versagen in Deutschland und den Erfolg von Mexiko: "Es gab einige erfolgreiche Veranstaltungen. Die Zuschauer in Austin waren klasse. Was drumherum organisiert wurde, war sehr spektakulär. So war es auch in Mexiko."

"Wir müssen schauen, wie wir die Fans, die wir verloren haben, wieder an die Strecke locken können. Warum kommen sie nicht mehr? Würde es eine einfache Antwort geben, hätte Bernie Ecclestone bereits etwas getan."

"Liegt es in Deutschland daran, dass 10 Jahre lang deutsche Weltmeister zu sehen waren? Sind die Fans zu anderen Sportarten abgewandert? Ich weiß es nicht."

"Hockenheim verdient volle Ränge. Man muss schauen, was Mexiko und Austin gemacht haben, und innovativ sein."

"Im vergangenen Jahr hat ein nostalgischer Aspekt dazu geführt, dass die Ränge in Mexiko innerhalb von 2 Wochen ausverkauft waren. Es war unglaublich! In diesem Jahr gab es diesen Effekt nicht, aber die Leute kamen trotzdem."

Mehr als 300.000 Mexikaner können sich nicht irren!

Jolyon Palmer, Renault Sport F1 Team RS16
Das Stadion in Mexiko

Foto von: XPB Images

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Rennserien Formel 1
Veranstaltung GP Mexiko
Rennstrecke Autodromo Hermanos Rodriguez
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