Analyse: Die Auswirkungen des Funkverbots in der Formel 1 2016

Knapp 18 Monate, nachdem de FIA zum ersten Mal ein Funkverbot ins Auge gefasst hatte, wird es beim Grand Prix von Australien in Kraft treten.

Als Teil der Bemühungen, aus Fahrern wieder „Helden“ zu machen, versuchte man im September 2014 zum ersten Mal, die Kommunikation zwischen Fahrer und Team zu begrenzen. Nach Beschwerden, dass das technisch einen Schritt zu weit ginge, das Funkverbot so schnell einzuführen, wurde die Idee aber wieder beiseite gelegt.

Zu diesem Zeitpunkt waren die neuen Turbo-Hybrid-Regeln nämlich noch in den Kinderschuhen und Teams und Fahrer mussten noch viel lernen, um den Benzinverbrauch, die Energienutzung und Renntaktik in den Griff zu bekommen.

Stattdessen wurde eine Einführung auf Raten beschlossen. Die erste Phase – die bis jetzt in Kraft war – war ausschließlich auf das Fahrer-Coaching konzentriert.

Fotostrecke: Fahrer und Teams der Formel-1-Saison 2016

Das heißt, Informationen wie Rennlinien, Gangwahl, Bremspunkte und Geschwindigkeitsvergleiche waren verboten.

Ein Vorstoß, das 2015 auszuweiten, wurde im vergangenen Jahr aufgegeben. Vor dieser Saison ging man aber davon aus, dass Teams und Fahrer genug darüber wüssten, wie ihre Autos funktionieren, dass man die Kommunikation zwischen Boxenmauer und Cockpit stark einschränken kann.

 

Von nun an setzt die FIA Artikel 20.1 des Sportlichen Reglements also streng durch. Da heißt es: „Der Fahrer muss das Auto allein und ohne fremde Hilfe fahren.“

Was bedeutet das?

In einem Schriftstück, das Formel-1-Renndirektor Charlie Whiting den Teams im vergangenen Dezember geschickt hat, machte er deutlich, wie weit das Verbot gehen würde.

Anstatt eine Liste von dem zu machen, was Teams nicht über Funk mitteilen dürfen, legte er fest, dass nur bestimmte Nachrichten zugelassen sein würde - entweder über Funk oder auf den Boxentafeln.

Whiting schrieb: „Jegliche andere Nachricht wird wahrscheinlich als Verstoß gegen Artikel 20.1 des Sportlichen Reglements betrachtet.“

Foto-Vergleich: Die Formel-1-Autos 2016

Angeblich gibt es aber immer noch Diskussionen über Dinge, die auf die Liste gesetzt, oder von ihr entfernt werden sollen – etwas, das vielleicht bis zum Vorabend des Grand Prix von Australien in Melbourne nicht endgültig feststeht.

 

Die ursprünglichen Einschränkungen geben allerdings einen Einblick, wie sehr sich die Dinge im Jahr 2016 ändern werden:

Die Originalliste dessen, was erlaubt ist

* Anzeichen eines kritischen Problems am Auto, z.B. eine Warnung über einen Reifenschaden oder Schäden am Auto +

* Anzeichen eines Problems am Auto eines Konkurrenten +

* Anweisung an die Box zu kommen, um etwas am Auto zu reparieren oder es abzustellen +

* Nasse Strecke, Öl oder Trümmerteile an bestimmten Stellen +

* Informationen der Rennleitung (rote Flagge, gelbe Flagge, Startabbruch oder ähnliche Anweisungen oder Informationen von der Rennleitung) +

* Anweisung, die Position mit einem anderen Fahrer zu tauschen +

* Bestätigung, dass ein Fahrer die Nachricht gehört hat

* Runden- oder Sektorzeit

* Rundenzeit eines Konkurrenten

* Abstände zu einem Konkurrenten während des Trainings oder Rennen

* 'Volle Attacke', 'Greif jetzt an', 'Du fährst gegen XY', oder ähnliches

* Warnung vor viel Verkehr im Training oder Rennen

* Informationen über die Abstände zwischen den Autos im Qualifying, um das Auto für eine freie Runde besser zu positionieren

* Die Reifenwahl beim nächsten Boxenstopp

* Anzahl der Runden, die ein Konkurrent auf einem Satz Reifen während eines Rennens gefahren ist

* Reifenspezifikation eines Konkurrenten

* Informationen über die wahrscheinliche Rennstrategie eines Konkurrenten

* Safety-Car-Fenster

* Regelverletzungen durch Teamkollegen oder Konkurrenten, z.B. Auslassen von Schikanen, Auto neben der Strecke, Zeitstrafen usw.

* Benachrichtigung, dass DRS aktiviert oder deaktiviert ist

* Umgang mit einem DRS-Systemausfall

* Wechsel der Frontflügel-Position beim nächsten Boxenstopp

* Ölverlust

* Zeitpunkt zum Boxenstopp

* Erinnerungen, bei der Ein- und Ausfahrt der Boxengasse auf weiße Linien, Poller, Ampelzeichen zum Wiegen zu achten

* Erinnerungen an Streckenbegrenzungen

* Informationen über Schäden am Auto

* Weitergabe von Nachrichten von der Rennleitung

* Anzahl der verbleibenden Runden

* Testsequenzinformationen während der Trainings, z.B. Aero-Mapping

* Wetterinformationen

* Anleitungen, Standardeinstellungen des Fahrers zum alleinigen Zweck auszuwählen, den Verlust der Funktion eines Sensors, Steuerknopfes oder Reglers abzumildern, deren Verschleiß oder Versagen durch die On-Board-Software nicht erkannt und behandelt wurde. Gemäß Artikel 8.2.4, darf jede neue Einstellung, die auf diese Weise gemacht wurde, die Leistung des Autos nicht darüber hinaus verbessern, wie sie vor dem Verlust der Funktion war +

(+) Das sind die einzigen Nachrichten, die an den Fahrer weitergegeben werden dürfen, während er im Auto und auf der Strecke ist – von dem Zeitpunkt an einem Renntag, an dem er die Garage zum ersten Mal verlässt, nachdem die Boxengasse geöffnet ist, bis zum Start des Rennens.

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