Analyse: Techniktrends des ersten Tages der zweiten Formel-1-Testwoche

Die Formel-1-Teams testen in Barcelona seit Dienstag, dem ersten Tag der letzten Testwoche vor dem Saisonauftakt in Melbourne, zahlreiche Neuerungen.

Die erste Testwoche liegt gerade mal ein paar Tage zurück, doch die Teams haben schon in dieser Woche reihenweise Updates und Neuentwicklungen dabei, um die Performance zu steigern und Probleme, die während der vergangenen Woche aufgetreten sind, zu lösen.

Giorgio Piola und Matt Somerfield zeigen Ihnen die Neuentwicklungen vom ersten Tag der zweiten Testwoche.

Toro Rosso

Der STR11 verließ die Boxengasse am Dienstag nicht nur in neuen Farben, sondern auch mit einer Vielzahl neuer Teile. Direkt vor den Hinterrädern weist der Unterboden nun auf jeder Seite 15 kleine Schlitze auf. Hinzu kommt auf jeder Seite eine große Aussparung ganz hinten. In der Saison 2015 waren es noch jeweils zwei große Aussparungen gewesen (siehe Zeichnung).

 

Scuderia Toro Rosso STR11, Heckdetail
Scuderia Toro Rosso STR11, Heckdetail

Photo by: Giorgio Piola

Die Schlitze und Aussparungen dienen dem Zweck, Blasenbildung auf den Reifen in den Griff zu kriegen, indem der von der Verformung der Hinterreifen erzeugte seitliche Luftstrom in Richtung Diffusor kanalisiert wird. Durch Veränderung des Luftstroms vor den Reifen verändert sich auch die Gestalt des Luftwirbels.

Angesichts des Wechsels des Motorenpartners von Renault zu Ferrari stand Toro Rosso vor einem riesigen Berg Arbeit, um bis Melbourne – geschweige denn bis Barcelona – alles fertig zu haben.

Da das Team die 2015er Spezifikation der Ferrari-Motoren einsetzt, ist es unerlässlich, von Beginn an aussortiert zu sein und möglichst viele WM-Punkte einzufahren. Schließlich werden die Teams, die 2016er Antriebseinheiten einsetzen, im Saisonverlauf auf Motorenupdates zurückgreifen können. Für Toro Rosso gilt das nicht.

 

Scuderia Toro Rosso STR11, Heckflügel-Detail
Scuderia Toro Rosso STR11, Heckflügel-Detail

Photo by: XPB Images

Das Y150-Winglet (Monkey Seat) des STR11 wurde für diesen Test überarbeitet. Die seitlichen Leitbleche dieses Flügelelements sind nun ähnlich gestaltet wie die seitlichen Leitbleche des Hauptelements des Heckflügels.

McLaren

McLaren präsentierte neugestaltete Seitenkästen, die im hinteren Bereich größere Kühlöffnungen aufweisen. Dem Vernehmen nach wurde diese Veränderung in Einklang mit einem Update von Honda vorgenommen. Das Motorenupdate der Japaner verlangt im Sinne einer Performance-Steigerung nach mehr Kühlung.

Fernando Alonso, McLaren MP4-31, Heckflügel und Unterboden
Fernando Alonso, McLaren MP4-31, Heckflügel und Unterboden

Photo by: XPB Images

Die Veränderungen sind jedoch nicht großflächig und stehen dem „Size-Zero“-Konzept nicht im Weg. Die Kühlluft tritt nun weiter oben aus als bisher. Der Austritt erfolgt nun oberhalb des Colaflaschenhalses der Seitenkästen.

Jenson Button, McLaren MP4-31, mit Messgeräten am Auto
Jenson Button, McLaren MP4-31, mit Messgeräten am Auto

Photo by: XPB Images

Die veränderten Seitenkästen sind das Ergebnis umfangreicher Messungen des Luftstroms, die McLaren in der vergangenen Woche mit speziellen Messgeräten vorgenommen hat.

Mercedes-Heckflügel

Mercedes gibt in Sachen Updates weiter den Ton an. Nachdem man sich in der ersten Testwoche auf neue Teile für den Frontflügel des W07 konzentriert hatte, packte das amtierende Weltmeisterteam am ersten Tag der zweiten Testwoche einen komplett überarbeiteten Heckflügel aus.

Mercedes AMG F1 W07, Heckflügel-Detail
Mercedes AMG F1 W07, Heckflügel-Detail

Photo by: Giorgio Piola

Der neue Heckflügel hat auf jeder Seite zwei lange prägnante Schlitze, um den von den Reifen kommenden Luftwirbel zu beruhigen. Zuvor war es auf jeder Seite nur ein kurzer Schlitz gewesen.

Was ebenfalls auffällt, ist die neue Form der seitlichen Endplatten direkt unterhalb der Rippen im oberen Bereich. Auch der Einschnitt hinter den Rippen wurde neu gestaltet. Das Team versucht damit, den sogenannten Spitzenwirbel am Heck besser zu kontrollieren, um die aerodynamische Performance weiter zu steigern.

Im unteren Bereich der seitlichen Endplatten weist der neue Heckflügel nun jeweils drei statt zwei Schlitze auf (siehe Kreis).

Auch die Flügelelemente wurden seit dem ersten Test verändert. Die obere Abrisskante ist nun gerade, während die V-Form in der Mitte weniger stark ausgeprägt ist (gelb markiert). Darüber hinaus wurde auch die untere Kante des oberen Flügelelements verändert (violett markiert).

Nach unseren Informationen ist die Spezifikation des Heckflügels, wie sie in der ersten Testwoche zum Einsatz kam, für wenig Abtrieb bestimmt. Sie soll während der Saison weiterhin auf den entsprechenden Strecken zum Einsatz kommen. Die neue Spezifikation ist auf Strecken, die viel Abtrieb verlangen, zu erwarten.

Mercedes-Streifen

Dass man im Sinne der Steigerung der aerodynamischen Performance keinen Stein auf dem anderen lässt, machte Mercedes am Dienstag einmal mehr eindrucksvoll deutlich.

Dass man das Auto während der ersten Testwoche von Zeit zu Zeit hinter Schutzwänden versteckte, hatte einige Beobachter umso neugieriger gemacht. Der wahre Grund für das Versteckspiel ist dank dieser exklusiven Fotos nun ans Tageslicht gekommen.

Mercedes AMG F1, Mechaniker bei der Arbeit am Heckflügel
Mercedes AMG F1, Mechaniker bei der Arbeit am Heckflügel

Photo by: Giorgio Piola

Wie man erkennen kann, entfernen Mechaniker einen gezackten Streifen von der Hinterseite der oberen Abrisskante des Heckflügels. Hintergrund dieser Maßnahme sind Vergleichstests.

Mercedes AMG F1, Mechaniker bei der Arbeit am Heckflügel
Mercedes AMG F1, Mechaniker bei der Arbeit am Heckflügel

Photo by: Giorgio Piola

Die Auswirkungen des Streifens auf die aerodynamische Performance sind minimal, aber im Sinne der Verlängerung des Luftstroms zu Messzwecken ist er durchaus von Nutzen.

Mercedes AMG F1, Mechaniker bei der Arbeit
Mercedes AMG F1, Mechaniker bei der Arbeit

Photo by: Giorgio Piola

Beim Abu-Dhabi-Test im vergangenen November experimentierte Mercedes erstmals damit. Das zeigt, wie weit im Voraus die Performance-Steigerung des W07 in Angriff genommen wurde.

Ferrari

Ferrari brachte am Dienstagmorgen (nicht zum ersten Mal) einen kleinen gebogenen Zusatzflügel an den seitlichen Endplatten des Frontflügels an (im Kreis blau markiert). Dabei handelt es sich um ein Element, das helfen soll, den auf die Vorderräder treffenden Luftstrom zu kontrollieren.

Ferrari SF16-H, Frontflügel-Detail
Ferrari SF16-H, Frontflügel-Detail

Photo by: Giorgio Piola

Dieses Bild vom Diffusor ermöglicht einen guten Blick auf die zusätzliche Finne, die Ferrari in der ersten Testwoche präsentierte (im Kreis grün markiert).

Ferrari SF16-H, Heckdetail
Ferrari SF16-H, Heckdetail

Photo by: Giorgio Piola

Im Zusammenspiel mit der Vielzahl an Winglets, die Ferrari bereits im vergangenen Jahr unmittelbar vor dem Diffusor platziert hatte, wird die aerodynamische Performance in diesem Bereich des Autos weiter erhöht.

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Rennserien Formel 1
Veranstaltung Formel-1-Test in Barcelona, März
Rennstrecke Circuit de Barcelona-Catalunya
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