Felipe Massa

Kolumne von Felipe Massa: Mein heimlicher Abschied von meinen brasilianischen Fans

In seiner Kolumne blickt Felipe Massa auf seinen letzten Heim-Grand-Prix, einen der "emotionalsten Momente" seines Lebens, zurück.

Liebe Leser von Motorsport.com,

der Grand Prix von Brasilien war eine wundervolle Woche. Sie war voller Gefühle, aufregend und endete mit einem Formel-1-Wochenende, das ich in meinem ganzen Leben nie vergessen werde.

Natürlich wusste ich schon vorher, dass Interlagos etwas Besonderes sein würde und es startete mit einigen fantastischen Events.

Dann begann meine Arbeit auf der Strecke und es gab eine erste Überraschung: Der Sponsor unseres Teams, Martini, wollte mein letztes Heimrennen feiern und hat seinen Namen durch meinen ersetzt!

Sie hatten auch einen Rennoverall mit einer speziellen Beschriftung, außerdem hatte ich für dieses Rennen ein brandneuen Helm.

Der Grand Prix war allerdings nicht nur eine Zeit zum Feiern, denn ich hatte einen Job auf der Strecke zu erledigen – und es fing wirklich gut an.

Das Feedback im Training am Freitag war sofort positiv und auch am Samstagvormittag bestätigten sich die guten Anzeichen.

Als wir im Qualifying auf die Strecke fuhren, funktionierte irgend etwas aber nicht.

Wir waren überzeugt, dass wir ohne Probleme in Q3 kommen würden, stattdessen landeten sowohl Valtteri Bottas als auch ich außerhalb der Top 10.

Es war enttäuschend, weil das Training in die richtige Richtung zu gehen schien und stattdessen fanden wir uns in der Mitte der Startaufstellung wieder.

Als wir am Sonntagvormittag an die Strecke kamen, gab es keinen Zweifel über die Bedingungen, die während des Rennens herrschen würden.

Das größte Problem - die Sicht

Der Regen war nie sehr stark, aber auf dem Weg in die Startaufstellung war mir sofort klar, dass das Risiko von Aquaplaning groß sein würde – was sich auf der 1. Rennrunde auch bestätigte.

Das größte Problem war aber die Sicht. Ich versichere euch, dass es im Mittelfeld ganz anders ist als an der Spitze des Feldes.

Das Wasser, das von den Autos vor mir aufgewirbelt wurde, war wie eine Wand – was auf der langen Start-Ziel-Gerade besonders schlimm war.

Es gab Momente, als die Sicht gleich Null war. Dadurch gab es gefährliche Situationen, wie die, als Kimi Räikkönen seinen Unfall auf der Geraden hatte.

Ich hatte zu Beginn des Rennens unter anderem eine 5-Sekunden-Strafe bekommen, weil ich Esteban Gutierrez vor der Safety-Car-Linie überholt hatte.

Zu meiner Verteidigung, Esteban war langsamer geworden und ich hatte keine Ahnung, wo die Linie war, bis zu der ich hinter ihm bleiben musste, bis es zu spät war.

Nachdem ich über die Strafe benachrichtigt worden war, diskutierte ich mit dem Team eine Strategieänderung.

Es war sinnlos, außerhalb der Top 10 zu bleiben, also wechselte ich auf die Intermediate-Reifen und saß beim Boxenstopp meine 5-Sekunden-Strafe ab.

Als ich zurück auf der Strecke war, wurde mein Rennen besser. Aber der Intermediate war zwar schneller, aber auch riskanter.

Frühes Ende

Das musste ich auf die harte Weise lernen, als ich aufgrund von Aquaplaning die Kontrolle über das Auto verlor. Ich berührte die Mauer, aber es war kein harter Aufprall und einen Moment lang hoffte ich, dass ich weiterfahren könnte.

Ich glaube aber, dass ein Reifen bei dem ersten Aufprall beschädigt worden war, denn plötzlich brach das Auto nach links aus und knallte in die Mauer.

Als ich aus dem Auto ausstieg, konnte ich den Applaus vom Publikum hören und kurz darauf kam ein Streckenposten auf mich zu und gab mir eine brasilianische Flagge. Ich sah ihn an, um ihn zu danken, und er weinte.

Das war eine emotionale Szene, die mich sehr berührte und als ich zur Box ging, hörte ich einen Chor von Leuten, die meinen Namen riefen. Ich war wirklich gerührt.

Ein paar Minuten zuvor war ich enttäuscht, dass ich das Rennen nicht beenden konnte, aber ich hatte es geschafft, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten.

Als ich in die Boxengasse zurückkam, passierten aber Dinge, über die ich keine Kontrolle hatte. Mit der brasilianischen Flagge in der Hand schaute ich hoch und sah, dass die Mercedes-Mechaniker in ihren Overalls herausgekommen waren und applaudierten. 

Felipe Massa, Williams, erhält nach seinem Ausfall Beifall von der Ferrari-Crew
Felipe Massa, Williams, erhält nach seinem Ausfall Beifall von der Ferrari-Crew

Foto XPB Images

Dann taten die Jungs von Ferrari und Williams das Gleiche. Ich glaube, wenn unsere Garage am Ende der Boxengasse gewesen wäre, wären alle anderen Teams auch herausgekommen. Das war eine unglaubliche Szene und etwas, das ich noch nie zuvor während eines Rennens in einer Boxengasse gesehen hatte.

Die menschliche Seite der Formel 1

Mir fehlen die Worte, um allen zu danken, die zu mir kamen, um mit mir zu reden oder mir die Hand zu schütteln.

Die Leute denken oft, dass die Formel 1 eine zynische Welt ist, aber sie hat auch eine menschliche Seite – und ich hatte das große Glück, das am Sonntag aus erster Hand zu erleben.

Es gibt auch noch diese eine besondere Geschichte über den Sonntag in Interlagos, die ich mit euch teilen möchte.

Etwa eine Stunde nach dem Rennen kletterte ich aufs Podium. Wieso? Weil die Fans die Strecke ohne einen letzten Gruß nicht verlassen wollten.

Und so hatte ich das große Privileg, außergewöhnlichen Zuschauern meine Ehrerbietung zu erweisen.

Ich danke euch allen. Ich werde viel Zeit haben, an dieses magische Wochenende zurückzudenken, aber jetzt ist die Zeit, mich auf mein letztes Rennen in Abu Dhabi vorzubereiten.

 Euer

Felipe Massa

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung GP Brasilien
Rennstrecke Interlagos
Fahrer Felipe Massa
Teams Williams
Artikelsorte Feature
Tags brasilien, felipe massa, formel 1
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