Felipe Massa

Kolumne von Felipe Massa: Rücktritt nervenaufreibender als Rennfahren

In seiner Kolumne für Motorsport.com blickt Felipe Massa auf den emotionalen Grand Prix von Italien zurück, im Rahmen dessen er seinen Rücktritt aus der Formel 1 angekündigt hat.

Jetzt kann ich es zugeben: Ich war bei der Anreise zum Grand Prix von Italien in Monza ganz schön nervös. Alles woran ich dachte, waren die Worte, die ich wählen sollte, wenn ich am Donnerstag auf der Pressekonferenz meinen Rücktritt aus der Formel 1 verkünde.

Erstaunlicherweise war ich dabei nervöser als vor dem Start zu einem Rennen. Ich glaube aber, das war zu erwarten. Schließlich hatte ich niemals zuvor meinen Rücktritt aus der Formel 1 verkündet. Somit wusste ich nicht, wie ich reagieren würde. Würden mich meine Gefühle übermannen? Und wie würden die Reaktionen der Leute um mich herum ausfallen?

Die erste Antwort bekam ich, als ich das Williams-Motorhome betrat. Es wurde speziell für diesen Anlass eingerichtet. So traf ich auf viele bekannte Gesichter, weit mehr, als ich erwartet hätte. Vor allem aber sah ich Leute, die genau wie ich selbst aufgeregt waren.

Es waren Journalisten, Mitarbeiter, Freunde und Leute, die einfach ihre Arbeit machten, da. Sie alle nahmen mich sehr warmherzig auf. Aufgrund des knallharten Wettbewerbs ist die Formel 1 nicht immer eine einfache Umgebung. Doch als ich meine Rede beendet hatte, hörte ich Applaus, der gar nicht mehr aufhören wollte. Das hob meine Stimmung umso mehr. Ich muss schon sagen, dass so etwas nicht sehr oft vorkommt. Ich fühlte mich sehr geehrt.

Es gab noch einen anderen Aspekt, an den ich gar nicht dachte, als ich mich beim Ort für meine Rücktrittserklärung auf Monza festlegte. Die ursprüngliche Idee war ja, wie schon vorige Woche erklärt, der Zusammenhang mit Michael Schumacher. Aber auch die Entscheidung, Ende 1999 Brasilien zu verlassen, um meine Karriere im Formelsport voranzubringen, spielte eine Rolle.

Als alle anderen nach Großbritannien gingen, entschied ich mich für Italien. Das stellte sich in meinem Fall als richtige Entscheidung heraus, denn es dauerte nicht lange, bis ich für das Nachwuchsprogramm von Ferrari unter Vertrag genommen wurde. Das blieb aber zunächst ein paar Jahre lang geheim. Was ich damit sagen will: Ich verdanke Italien sehr viel. Meine Familie hat ja italienische Wurzeln. Somit war Monza der perfekte Ort für meine Rücktrittsankündigung.

Woran ich aber überhaupt nicht dachte, ist die Tatsache, dass man beim Betreten und Verlassen des Fahrerlagers in Monza den Fans sehr nahe kommt. Das führte dazu, dass ich während des gesamten Wochenendes einige wunderschöne Momente erleben durfte.

Leute fragten mich nach Autogrammen und Fotos und gaben mir nette Worte mit auf den Weg. Es war schön, so etwas von Menschen zu hören, die mich persönlich gar nicht kennen, auf die ich aber in irgendeiner Form Eindruck hinterlassen habe. Es war eine Freude, Zeit mit diesen Menschen zu verbringen und ich möchte mich bei all den Fans bedanken, die stundenlang gewartet haben, um mich und andere Fahrer zu sehen – sei es nur für eine Minute.

Am Wochenende wurde natürlich auch ein Rennen gefahren. Für uns war das ein ganz wichtiges Rennen. Das Endergebnis war gut. Schließlich ist es Williams gelungen, in der Konstrukteurswertung an Force India vorbeizuziehen. Das war unser Hauptziel für dieses Wochenende.

Was mich selbst betrifft, verlief das Rennwochenende aber nicht komplett zufriedenstellend. Als ich in Q2 auf meinen letzten Versuch ging, konnte ich die Reifen nicht richtig aufwärmen, weil so viele Autos auf der Strecke waren. Somit war nicht mehr als der elfte Startplatz möglich.

Das Rennen selbst war auch nicht einfach. Ich hatte mit den Soft-Reifen schwer zu kämpfen. Der Verschleiß war höher als erwartet. Überraschenderweise trat das Problem aber im letzten Stint mit den Supersoft-Reifen nicht mehr auf.

Ab diesem Zeitpunkt verlief mein Rennen ganz anders, denn obwohl ich nun sogar noch weichere Reifen drauf hatte, waren die Verschleißprobleme verschwunden und ich konnte ein vernünftiges Tempo an den Tag legen. Somit gelang es mir doch noch, in die Punkteränge zu fahren. Mein neunter Platz hatte durchaus Anteil am guten Gesamtergebnis des Teams.

In Singapur steht uns nun aber eine schwierige Aufgabe bevor. Ich rechne zwar nicht damit, dass das Wochenende so schwierig wird wie in Monaco, aber auf dieser Art von Strecken tun wir uns naturgemäß schwerer als auf schnelleren Strecken. Ich gehe davon aus, dass vor allem das Reifen-Management eine knifflige Angelegenheit wird, aber warten wir mal ab. Der Plan bei Williams ist jedenfalls klar: Wir wollen vor Force India bleiben und das bestmögliche Ergebnis einfahren.

Euer
Felipe Massa

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