Lewis Hamilton: Endlich erwachsen

Lewis Hamilton hat gelernt, mit Niederlagen und Rückschlägen umzugehen. Nun sieht er sich auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft im Rennsport.

Aber warum eigentlich? Wie hat es Hamilton geschafft, seine Emotionen zu zügeln und selbst schwierige Situationen mit Ruhe und Gelassenheit zu meistern?

Der 31-Jährige macht es teilweise an seinem Alter fest: „Ich denke, mit der Zeit verschieben sich die Prioritäten und du erkennst, was wichtig ist und was nicht. Dann lässt du dich nicht mehr von unwichtigen Dingen behelligen.“

„Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Bild immer schärfer wird. Und ich glaube, diesen Wandel bereits vollzogen zu haben. Schwierige Zeiten hängen mir jetzt nicht mehr nach. Ich durchschreite solche Talsohlen zügig“, meint Hamilton.

Sportlich hat er 2016 in der Tat bereits Biss bewiesen und einen 43-Punkte-Rückstand auf seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg und etliche Pannen nicht nur weggesteckt, sondern in einen 19-Punkte-Vorsprung umgedreht. Alles ohne die Hilfe von Psychologen, wie sie andere Piloten im Formel-1-Feld inzwischen konsultieren.

Hamilton braucht keinen Psychologen

„Ich brauche niemanden zum Reden“, sagt Hamilton. „Ich versuche einfach nur, aus meinem Inneren heraus zu wachsen. Wir alle sind starke Persönlichkeiten, lassen uns aber manchmal aus der Bahn werfen oder verlieren mal die Orientierung. Wir sagen falsche Sachen, denken falsche Dinge. Aber dann musst du zurück in die Spur finden.“

„All dies gelingt mir nun besser, glaube ich. Früher habe ich tagelang mein Hotelzimmer nicht verlassen, wenn mir ein Fehler unterlaufen war. Heute ärgere ich mich beim Verlassen der Rennstrecke, aber am Tag danach ist alles vergessen und es ist einfach nur ein neuer Tag.“

Sein Credo laute: „Ich kann nur die Zukunft beeinflussen.“ Oder: „Ich kann zumindest versuchen, das, was vor mir liegt, mitzugestalten. Auf die Vergangenheit hingegen habe ich keinen Einfluss.“

Weniger Emotionen also, mehr Philosophie. Das hätten ihm seine jüngsten Lebensjahre beschert, meint Hamilton. „Die 30er waren bisher die beste Zeit meines Lebens. Und ich weiß jetzt, was ich will. Inzwischen befinde ich mich sogar in einer Position, in der ich mal einen Ratschlag erteilen kann.“

Diese Schwelle des Erwachsenwerdens habe er überschritten, sagt Hamilton. „Ich denke, ich habe den Gipfel erreicht. Ich hoffe nur, auf der anderen Seite geht es nicht allzu steil bergab…“

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