Mercedes bei Hamiltons Bummeltaktik im F1-Finale zwiegespalten

In der Schlussphase des Grand Prix von Abu Dhabi versuchte Lewis Hamilton seinen Teamkollegen Nico Rosberg in die Hände der Verfolger zu spielen und Mercedes reagierte.

Lewis Hamilton wusste schon vor dem Start zum Formel-1-Saisonfinale, dem Grand Prix von Abu Dhabi, dass ihm ein Sieg allein nicht reichen würde, um nach 2014 und 2015 auch 2016 mit Mercedes Weltmeister zu werden. Daher entschied sich der Titelverteidiger in der Schlussphase des 55-Runden-Rennens, in Führung liegend Tempo herauszunehmen.

Der Hintergrund von Hamiltons Bummeltaktik war klar: Der auf Rang 2 fahrende WM-Spitzenreiter Nico Rosberg sollte in die Hände seiner Verfolger Sebastian Vettel (Ferrari) und Max Verstappen (Red Bull) gespielt werden. Wäre es beiden Fahrern gelungen, Rosberg zu überholen oder diesen im Zweikampf gar in eine Kollision zu verwickeln, hätte Hamilton mit Sieg doch noch den Titel auf seine Seite der Mercedes-Box gezogen. Doch es kam anders.

Chronologie: So lief das Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi

Rosberg rettete sich schließlich mit 0,4 Sekunden Rückstand auf Hamilton und 0,4 Sekunden Vorsprung auf Vettel als 2. ins Ziel brachte damit mit 5 Punkten Vorsprung seinen 1. WM-Titel in der Formel 1 in trockene Tücher. Die Bummeltaktik Hamiltons sorgte am Mercedes-Kommandostand für zwiespältige Gefühle.

Hamilton bummelt - Mercedes greift ein

"Es war eine ziemlich schizophrene Situation", meint Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Sky und holt aus: "Einerseits gibt es in mir den Kontrollfreak, den Teamleader mit dem Regelbuch, an das sich alle halten müssen. Schließlich haben wir es dank dessen überhaupt soweit gebracht."

"Andererseits gibt es den Racer in mir. Da fragte ich mich schon, was ich wohl in dieser Situation getan hätte", schildert Wolff, der früher in den Nachwuchsklassen selbst Rennen fuhr, die andere Seite seiner Gefühlslage während der nervenaufreibenden Schlussrunden.

Da sich Hamilton zum Bummeln entschied, musste Mercedes sogar von der bewährten Philosophie, "die Fahrer frei fahren zu lassen, solange wir den Rennsieg garantieren können", abweichen, wie Wolff anmerkt.

Es gab den Funkspruch in Richtung Hamilton, das Tempo zu forcieren, um den Rennsieg sicherzustellen. Diesen ignorierte der Titelverteidiger aber und nahm stattdessen in den letzten Runden sogar noch mehr Tempo heraus. "Mir ist es egal, ob ich dieses Rennen gewinne oder verliere", so Hamilton.

Wolff: Vielleicht will Hamilton ja für Red Bull fahren...

Bezugnehmend darauf, dass sich Hamilton für die Bummeltaktik entschied, hält Wolff fest: "Christian (Red-Bull-Teamchef Christian Horner; Anm. d. Red.) hatte vor dem Wochenende genau diese Idee. Diese Idee hat Lewis umgesetzt. Vielleicht will er ja für ihn fahren!"

Mercedes-Technikchef Paddy Lowe ergänzt: "Diese letzten paar Runden, als die Top 4 so eng beieinander lagen, waren zermürbend. Sie fühlten sich wie eine Ewigkeit an."

Dass Hamilton die Anweisung vom Kommandostand ignorierte, sieht Lowe so: "Das ist es, was die Formel 1 interessant macht. Wir sind so ausgelegt, dass es Konflikte zwischen dem gibt, was das Team will und dem, was zwei Individuen wollen. Das sind 2 Jungs, die zwar Teamplayer sind, aber am Ende wollen beide gewinnen."

Wolff lobt in diesem Zusammenhang das Kalkül, das Rosberg in der entscheidenden Phase des Rennens hat walten lassen. "Nico hat und Druck kühlen Kopf bewahrt", so der Mercedes-Motorsportchef abschließend.

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung GP Abu Dhabi
Rennstrecke Yas Marina Circuit
Fahrer Lewis Hamilton , Nico Rosberg , Toto Wolff
Teams Mercedes
Artikelsorte News
Tags abu dhabi, bummeln, einbremsen, f1, finale, taktik, titelkampf, verlangsamen