Nico Rosberg: Der neue Formel-1-Weltmeister im Interview

Nach seinem WM-Titelgewinn in der Formel-1-Saison 2016 stellte sich der neue Champion Nico Rosberg vor Ort in Abu Dhabi den Fragen der Medienvertreter.

Wie gut hast du eigentlich in der Nacht auf Sonntag geschlafen?
"Ein paar Stunden lang, ja. Ich wusste nicht, was ich erwarten konnte, aber es hat geklappt."

Wie wird sich dein Leben nun verändern?
"Okay, gute Frage. Ich bin mir ziemlich sicher, die nächsten Tage werden recht verrückt. Etwas Besonderes. Ich freue mich darauf."

Wirst du im kommenden Jahr die Nummer 1 wählen?
"Keine Ahnung. Ich liebe die Nummer 6. Mein Vater hat mit der Nummer 6 die WM gewonnen. Also ist es eine Glückszahl. Das ist alles."

Wirst du die Formel-1-Saison 2017 entspannter angehen?
"Sicherlich werde ich eine bessere Leistung zeigen als am Samstag in Abu Dhabi. Es ist schwierig, wenn du unter Druck stehst. Das macht die Sache eindeutig komplizierter."

Was hat Bernie Ecclestone zu dir gesagt?
"Er hatte nicht viel Zeit für Smalltalk. Er war schon wieder weg, bevor wir auch nur ein Wort gewechselt hatten."

Alain Prost sagt, du bekommst nicht die Anerkennung, die dir als Weltmeister zustehen sollte…
"Ich fahre nicht um Anerkennung. Ich fahre, weil ich Weltmeister werden will. Es war mein Kindheitstraum, Weltmeister zu werden. Das ist mir gelungen."

War es deine mentale Stärke in diesem Jahr dein größter Pluspunkt?
"Das ist sicher ein Schlüssel zum Erfolg. Kontinuität. Jeder macht das auf seine Weise. Ich habe gelernt, mich gut zu konzentrieren. Das erfordert über das Jahr hinweg viele Opfer. Aber es hat sicher geholfen."

Würdest du sagen, die Schlussphase der Formel-1-Saison 2015 hat dich stärker gemacht?
"Das war ein wichtiger Wendepunkt, allerdings. Austin war ein Wendepunkt. Das war eine schreckliche Erfahrung für mich. Ich verbrachte danach 2 Tage ganz alleine und dachte nach. Ich wollte so was nicht noch einmal erleben. Danach gewann ich 7 Rennen am Stück. Also ja, ein wichtiger Moment für mich. Und ein Schlüsselmoment, warum es so ausging, wie es ausging."

Du hast Lewis Hamilton geschlagen, der als einer der besten Fahrer aller Zeiten gilt. Was bedeutet dir das?
"Es fühlt sich so an, als würden wir schon ewig gegeneinander fahren. Er hatte immer die Nase vorn und wurde Meister, schon als wir klein waren und Kart fuhren. Er ist ein verdammt guter Fahrer und sicherlich einer der Besten aller Zeiten. Es ist unglaublich, ihn geschlagen zu haben. Das macht es noch mehr… befriedigender für mich, weil die Messlatte sehr hoch liegt. Ich habe ihm den WM-Titel abgenommen. Das ist phänomenal. Er fuhr dieses Jahr richtig stark und war ein harter Gegner. Und am Ende trennen uns gerade mal 5 Punkte. Unglaublich."

Was hat dich in der Saison 2016 angetrieben und angespornt, Weltmeister zu werden?
"Alle, die mich unterstützen. Die Leute, die mich am TV verfolgen, die an die Strecke kommen. Selbst an diesem Wochenende waren viele Deutsche hier und haben mich unterstützt. Das ist etwas Besonderes, ein einmaliges Gefühl. Ich bin ihnen allen sehr dankbar."

"Natürlich auch den Menschen, die mir nahe stehen. Mein Team, das meine Racing-Familie ist. Ich kam 2010 zu Mercedes. Anfangs war es nicht einfach, aber in den letzten Jahren wurde es richtig gut. Und nun hat es sich für mich gelohnt. Das ist ebenfalls etwas Besonderes. Dafür muss ich mich bedanken, bei meiner Racing-Familie, bei Mercedes, bei meinem Team."

"Jeder hat seinen Beitrag geleistet. Es ist eine lange Reise, die mich hierher geführt hat. Samstagabend hat mir mein Kart-Ingenieur, den ich im Alter von 10 Jahren hatte, geschrieben. Wir kämpften um die französische Meisterschaft. Er spornte mich noch einmal an."

"Von diesem Moment an hat jedes Jahr auf das vorige aufgebaut und mich zu diesem Erfolg geführt. Ich hatte auch viele wichtige Mentoren in meiner Karriere. Serge Dino im Kartsport. Im Formelsport waren es Peter Sieber von Team Rosberg und Erich Baumgärtner in der Formel 3. Arno Zensen vom Rosberg-Team. In der GP2 kamen Nicolas Todt und Fred Vasseur dazu. Sie haben mich in die Formel 1 gebracht. Steve Marcel lebt leider nicht mehr."

"Danach, in der Formel 1: Frank Williams, Sam Michael, Patrick Head. Dann die Leute, die mich zu Mercedes geholt haben, Norbert Haug und Ross Brawn, Nick Fry. Das war der Anfang dieser Story. Und dann kam Toto. Vielen Dank an Toto, Paddy und Niki für die weitere Zusammenarbeit und dafür, wo ich nun stehe."

Inwieweit steht dir dein Vater Keke bei deiner Arbeit zur Seite?
"Ich kriege jeden Samstagabend eine Nachricht von ihm. So was wie: Gib Vollgas morgen! Er gibt mir solche Ratschläge. Mein Vater und meine Mutter sind ein wichtiger Teil dieses Erfolgs. Meine Mutter auf privater Seite und mein Vater für meine Laufbahn. Das ist unheimlich wichtig. Es ist schön, wie er mich einfach machen lässt. Es fühlt sich richtig an, dass er sich etwas zurücknimmt."

Apropos Keke: Dein Vater ist Finne. Wie viel Anteil an deinem Erfolg haben deine finnischen Wurzeln?
"Ich habe ebenfalls einen finnischen Pass. Ich hoffe, jeder, der mich dort unterstützt, freut sich. Das wäre klasse. Vielen Dank für die Unterstützung aus Finnland. Natürlich: Ein Teil von mir ist finnisch und wird das immer sein. Und ich bin stolz darauf."

Wie wird dein Rückflug in die Heimat aussehen? Und was hast du für die Winterpause geplant?
"Ich reise erst einmal nach Malaysia, um dort mit Petronas zu feiern. Das ist mein 1. Flug. Danach will ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie verbringen."

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