Technische Analyse: Änderungen am Verbrennungsmotor sollen Ferrari 2016 helfen

Ferrari hat für 2016 zwei Ziele: Siege und den WM-Titel. Franco Nugnes analysiert die Pläne der Italiener, wie sie Mercedes in Australien schlagen wollen.

Präsident Sergio Marchionne betont, dass Ferrari vom ersten Rennen an in der Lage sein muss, Mercedes zu schlagen. Kann die Scuderia das schaffen? Ist es nur Wunschdenken? Oder weiß Marchionne etwas, das wir nicht wissen?

Betrachten wir einmal etwas genauer, wie Ferrari die Silberpfeile bezüglich der Motorleistung überholen will.

Motor im Mittelpunkt

Vielleicht basiert Marchionnes Optimismus auf den vielversprechenden Daten, die er aus Maranello bekommt. Die betreffen die Aerodynamik und, wichtiger noch, den Motor.

Genau beim Motor könnte es auch sein, dass Ferrari Fortschritte gemacht hat. Immerhin beruht die Dominanz von Mercedes zum großen Teil auf dem überlegenen Motor des Teams.

300 Bar Druck

Wie Motorsport.com erfahren hat, konzentrierte sich Ferrari in diesem Winter bei der Entwicklung des Motors auf die Verbrennungskammer des neuen 059/5 V6-Motors. Dabei half den Technikern natürlich, dass die Restriktionen bei der Entwicklung gelockert wurden.

Chefdesigner Lorenzo Sassi ist angeblich in eine neue Richtung gegangen, sowohl beim Gesamtpaket als auch bei der Leistung.

Ein Ziel ist, in der Verbrennungskammer einen Druck von 300 Bar zu erreichen. Letztes Jahr betrug dieser Druck zwischen 220 und 240 Bar.

Ferraris hofft, die Zündzeit zu reduzieren. Wenn man es durch Hochdruck in der Kammer schafft, dass der Kraftstoff vor dem Zündfunken verbrennt, erreicht man eine beachtliche Leistungssteigerung. Das ist leicht gesagt, aber schwierig auszuführen.

Variable Ansaugtrichter

 

Variable trumpets assembly
Variable Ansaugtrichter

Giorgio Piola

Man kann dieses Ziel aber erreichen, indem man der Verbrennungskammer Frischluft zuführt. Ferrari hat beschlossen, dieses Gebiet durch eine variable Geometrie zu optimieren.

Variable Ansaugtrichter (siehe Foto) wurden 2014 verbannt und 2015 wieder erlaubt. Ferrari ist diesen Weg 2015 ursprünglich aber nicht gegangen.

Letztes Jahr platzierte Ferrari den Kompressor zwischen den Zylinderbänken (siehe Titelfoto) – diese sollen nun aber für die variablen Ansaugtrichter Platz machen. Außerdem werden sowohl die Luft- als auch die Wasserkühler größer als letztes Jahr.

Temperaturprobleme

Höherer Druck in der Verbrennungskammer hat natürlich auch höhere Arbeitstemperaturen zur Folge – vielleicht bis zu 1.100 Grad Celsius.

Aus diesem Grund steht die Kühlung auch im Fokus, Ganz besonders, da die Anzahl der Motoren für 21 Rennen in diesem Jahr auf fünf reduziert wurde.

Enge Partnerschaften

Bei Ferrari weiß man natürlich, dass Mercedes von der Zusammenarbeit mit Petronas profitiert hat, also arbeitet man selbst mit Spritlieferant Shell zusammen, um ein Produkt zu bekommen, das die gewünschten Charakteristika mitbringt.

Auch Magneti Marelli hat Änderungen an den Einspritzdüsen vorgenommen, um den Druck auf 500 Bar zu erhöhen – und es gibt eine neue Benzinpumpe aus Karbon.

Ferrari will unbedingt auch sicherstellen, dass sich die Leistungssteigerung nicht negativ auf die Zuverlässigkeit auswirkt. Motorenchef Mattia Binotto hat daher auch die Einrichtungen von AVL in Graz genutzt – in Zusammenarbeit mit Wolf Zimmermann, einem Spezialisten, der Wissen von Mercedes mitbrachte, als er 2014 dazukam.

Die Arbeit geht weiter

Es ist klar, dass Ferrari nichts unversucht lässt, um die hohen Ziele von Präsident Marchionne zu erreichen. Noch ist mehr als ein Monat Zeit bis zum ersten Test, und in Maranello arbeitet man fleißig weiter. Ob sich das alles gelohnt hat, wird sich zeigen, wenn der neue Ferrari in Barcelona zum ersten Mal auf die Strecke rollt.

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