Toto Wolff: Mercedes könnte die „dunkle Seite der Macht“ werden

Mercedes-Chef Toto Wolff macht sich Sorgen wegen der Dominanz seines Teams. Wenn das so weitergeht, könnte es dem Ansehen der Marke Mercedes schaden.

Mercedes hat in den letzten zwei Jahren 32 von 38 Rennen gewonnen. Der Dominator der vorherigen vier Jahre, Red Bull Racing, fiel dagegen immer weiter zurück. Ferrari konnte zwar aufholen, ist aber auch noch immer viel zu weit weg, um zu einer echten Gefahr für die Silberpfeile zu werden.

Das könnte zu einer echten Gefahr für die Formel 1 werden, fürchtet Toto Wolff und seine Sorgen scheinen berechtigt. Immer mehr Fans schimpfen über Langeweile, weil der Sieger fast immer Lewis Hamilton oder Nico Rosberg heißt.

„Unsere Dominanz ist schlecht für die Formel 1“, sagte Wolff der Daily Mail. „Das ist so. Sie macht die Rennen langweilig. Man weiß schon im Voraus, wie das Ergebnis aussehen wird. Der Sport braucht mehrere Sieger. Man braucht überraschenden Ergebnisse. In dem Moment, in dem man die dominierende Kraft wird, leidet man darunter und die Marke leidet ebenfalls. Man wird zur dunklen Seite der Macht.“

Genau das Gleiche sei auch mit Red Bull passiert, findet Wolff. „Sie sind in den Sport gekommen. Sie waren die Jedis. Sie sind in den Pool gesprungen, als Coulthard in Monaco Dritter war. Sie hatten Formula Unas, die Mädchen im Fahrerlager. Sie hatten das Red Bulletin. Sie waren anders. Sie hatten eine tolle Marke. Nach vier Titeln in Folge wurden sie aber eine unsympathische Marke. Niemand mag das Establishment. Sobald man beginnt, sich so zu verhalten, ist man am Ende und die Leute mögen einen nicht mehr.“

Bescheiden bleiben

Daher sei die momentane Dominanz schlecht für die Formel 1 und für die Marke Mercedes, erklärte der Österreicher. „Aber was kann ich tun? Der einzige Weg ist es, bescheiden zu bleiben, mit beiden Füßen auf dem Boden und anzuerkennen, dass das besondere Umstände sind und es in Zukunft wieder ganz anders aussehen kann. Man muss den Moment genießen.“

Das Problem sei aber, dass Erfolg in den Augen der Menschen etwas Schlechtes zu sein scheint, meint Wolff. „Es scheint so, als ob wir glücklicher sind, wenn es Anderen schlecht geht. Das ist falsch. Wenn du dich am Leid anderer erfreust, geht es dir selber auch schlecht. Das kommt wie ein Bumerang auf dich zurück.“

Er würde sich lieber von jemand inspirieren lassen, der Erfolg hat, betonte Wolff. „Ich würde ihn lieber bewundern, als ihn zu beneiden. Sogar mein größter Feind hat einen besten Freund.“

Natürlich sähe er es gerne, dass Mercedes weiter dominiert, betint Wolff, aber: „Ich muss mir überlegen, was wir tun können, damit wir nicht zum Feind werden und, wie wir der Show helfen können. Vielleicht müssen wir die beiden völlig von der Leine lassen [Lewis Hamilton und Nico Rosberg]. Sie ihre eigenen Strategien im Auto ausarbeiten lassen. Das könnte eine Lösung sein.“

Letzter Ausweg Nummer eins und zwei

Einfach sei es nicht, den Konkurrenzkampf der beiden Fahrer in Zaum zu halten. Eine Nummer eins und eine Nummer zwei werde es bei Mercedes nach Möglichkeit geben, stellte Wolff erneut klar.

„Wenn der Kampf nicht mehr nur auf der Strecke und im normalen Spiel mit den Medien stattfinden würde, dann wäre die Lösung so, wie es bei Red Bull Racing, McLaren und Ferrari passiert ist: Dass man eine Nummer eins und eine Nummer zwei hat.“

„Das wäre aber nur die zweitbeste Option,“ betonte er. „Ich würde lieber weitermachen wie gehabt. Vielleicht braucht die Formel 1 diese Vulkanausbrüche der Beiden. Vielleicht ist es genau das, was bei der großen Dominanz von Mercedes in puncto Unterhaltungsfaktor fehlt: Ein Riesenstreit, der in einem Crash endet. Vielleicht ist das nötig, aber als Team brauchen wir das sicher nicht.“

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