Rookie Alexander Rossi triumphiert beim 100. Indy 500

In einem Spritkrimi gewinnt IndyCar-Rookie Alexander Rossi für sich, Bryan Herta, Michael Andretti und Honda die 100. Auflage der 500 Meilen von Indianapolis.

Alexander Rossi (Herta/Andretti-Honda) ist der Sieger des 100. Indy 500. Der 24-jährige IndyCar-Rookie aus Kalifornien teilte sich in der Schlussphase des 200-Runden-Rennens auf dem Indianapolis Motor Speedway die Spritvorräte perfekt ein und kam so um einen letzten Tankstopp herum.

Vor 350.000 Zuschauern übernahm Rossi fünf Runden vor Schluss die Führung, wobei sein Tempo immer langsamer wurde. Die letzten Meter legte der Herta/Andretti-Pilot auf Anweisung von Teammitbesitzer Bryan Herta mit getretener Kupplung zurück. Ergebnis: Die Spritvorräte reichten gerade so und der IndyCar-Rookie brachte den Sieg beim wichtigsten Rennen tatsächlich nach Hause. Dass der Sieg alles andere als unverdient ist, hatte Rossi zuvor mit der schnellsten Rennrunde deutlich gemacht.

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Im Gegensatz zum spritsparenden Rossi musste die versammelte Konkurrenz kurz vor Schluss noch einmal stoppen und hatte keine Chance, den IndyCar-Grünschnabel noch abzufangen. Entscheidenden Anteil daran, dass Rossi stolze 36 Runden mit einer Tankfüllung zurücklegen konnte, hatte Ex-IndyCar-Pilot Bryan Herta, der für die Rennstrategie des von NAPA Autoparts gesponserten Herta/Andretti-Honda mit der Startnummer 98 zuständig war.

"Ich habe keine Ahnung, wie wir das geschafft haben, aber die Strategie von Bryan war einfach perfekt. Ich bin stolz, der Sieger des 100. Rennens zu sein", jubelte Alexander Rossi in der Victory Lane, nachdem er sich den obligatorischen Siegerschluck aus der großen Milchflasche genehmigt hatte. Rossi ist der erste Rookie-Sieger beim Indy 500, seitdem Helio Castroneves dies im Jahr 2001 geschafft hatte.

Feature: Die Geschichte des Indy 500 von 1911 bis 2015

Riesenjubel bei Alex Rossi, Bryan Herta und Michael Andretti

Während es für Alexander "Alex" Rossi der erste IndyCar-Sieg überhaupt ist, ist es für den angesprochenen Teambesitzer Bryan Herta bereits der zweite Triumph beim Saisonhöhepunkt. Vor fünf Jahren hatte der unvergessene Dan Wheldon das Indy 500 am Steuer eines Herta-Boliden gewonnen. "2011 habe ich hier mit Dan gewonnen, jetzt mit Alex, einem Rookie, der so beherrscht gefahren ist", gab Herta das Lob sofort an seinen Fahrer zurück und dankte umgehend auch Michael Andretti: "Vielen Dank an Michael und das gesamte Team. Ich kann es gar nicht glauben!"

Hintergrund: Der Sieg beim 100. Indy 500 wurde erst möglich, weil Michael Andretti im Winter mit dem insolventen Team Bryan Herta Autosport zusammengespannt und im Zuge dieser Kooperation ein viertes Andretti-Auto auf Vollzeitbasis eingesetzt hat. Alexander Rossi, der nebenbei noch Testfahrer im Formel-1-Team Manor Racing ist, ist im Herta/Andretti-Honda für die gesamte IndyCar-Saison gesetzt.

Michael Andretti war vom Sieg des Rookies in seinen Reihen offenbar so überrascht, dass er sich unmittelbar nach der Danksagung an Kollege Bryan Herta direkt verplapperte. "Unglaublich. Ich bin stolz auf Bryan. Sie haben genau die richtige Strategie gewählt. Beim 100. Indy 500 zwei Autos auf den Plätzen eins und zwei. Ich kann es gar nicht glauben", jubelte Andretti und nannte statt Rossis Hauptsponsor NAPA Auto Parts zuerst UFD, den Hauptsponsor des auf Platz zwei ins Ziel gekommenen Carlos Munoz.

Frust bei Carlos Munoz: Wieder "nur" Zweiter

Munoz hatte nach 200 Runden einen Rückstand von 4,5 Sekunden auf Überraschungssieger Rossi und haderte mit der Tatsache, dass er fünf Runden vor Schluss in Führung liegend zu einem letzten kurzen Tankstopp abbiegen musste. Seit der IndyCar-Saison 2014 ist Munoz Stammfahrer im Team von Michael Andretti.

Sein allererstes IndyCar-Rennen absolvierte Munoz allerdings bereits beim Indy 500 des Jahres 2013, damals ebenfalls für Andretti Autosport und schon damals wurde er Zweiter. Die Analyse des Kolumbianers nach einem erneut knapp verpassten Indy-Sieg: "Das ist das Indy 500. Da kann alles passieren. Jetzt bin ich Zweiter, das war ich schon mal. Irgendwann werde ich dieses Rennen gewinnen."

Chronologie: So lief das 100. Indy 500

Platz drei ging an den aus der ersten Startreihe losgefahrenen Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet), gefolgt von Tony Kanaan, der mit seinem Ganassi-Chevrolet vom 18. Startplatz gekommen war. Die beiden hatten sich nach dem letzten Restart ein rundenlanges Duell um die Führung geliefert, mussten aber genau wie Carlos Munoz noch einmal Sprit fassen. Kanaans Ganassi-Teamkollege Charlie Kimball rundete die Top 5 ab.

Die Top 10 wurden von J.R. Hildebrand (Carpenter-Chevrolet; 6.), Polesitter James Hinchcliffe (Schmidt-Honda; 7.), IndyCar-Titelverteidiger Scott Dixon (Ganassi-Chevrolet; 8.), Sebastien Bourdais (KV-Chevrolet; 9.) und Will Power (Penske-Chevrolet; 10.) vervollständigt. Insgesamt sahen 25 der 33 gestarteten Piloten die Zielflagge.

Das komplette Ergebnis des 100. Indy 500 

Zahlreiche Kollisonen in der Boxengasse

Sehr gute Siegchancen hatten neben Alexander Rossi und Carlos Munoz, die sich erst in der Schlussphase in der Spitzengruppe zeigten, auch zwei andere Andretti-Piloten: Ryan Hunter-Reay und Townsend Bell, die sich in der ersten Rennhälfte beide rundenlang an der Spitze des Feldes aufhielten.

Doch beim fünften Boxenstopp kamen sich die beiden Andretti-Teamkollegen in der Boxengasse selbst in die Quere. Bell hatte eine leichte Kollision mit Helio Castroneves (Penske-Chevrolet) und drehte sich daraufhin ins Auto von Hunter-Reay. Die Reparatur warf beide aus der Führungsrunde. So wurde es unterm Strich nur Platz 21 für Teilzeitstarter Bell nach zwölf Führungsrunden und Platz 24 für Hunter-Reay, der mit 52 auf Platz eins verbrachten Runden die meiste Führungsarbeit im Rennen leistete.

 

Auch für die Penske-Truppe lief längst nicht alles nach Plan. Will Power (10.) und Simon Pagenaud (19.) fingen sich bei einem frühen Boxenstopp jeweils eine Strafe für ein "Unsafe Release" ein. Power kollidierte in der Pitlane mit Ganassi-Pilot Tony Kanaan, Pagenaud mit Mikhail Aleshin (Schmidt-Honda). Nach der jeweiligen Strafe waren beide Penske-Piloten aus der Entscheidung draußen.

Die besten Siegchancen in Reihen des Penske-Teams hatte Helio Castroneves, der 24 Runden auf Platz eins verbrachte. Eine unverschuldete Kollision mit J.R.Hildebrand brachte aber auch den "Spiderman" um alle Chancen. Der gelbe Penske-Chevy trug bei der Kollision mit Hildebrand in Runde 160 einen beschädigten Aufprallschutz hinten links davon. Der gesamte Heckflügel mitsamt Aufprallschutz für die Hinterräder musste gewechselt werden: Platz elf für Castroneves.

Juan Pablo Montoya mit erstem Crash im Rennen

Juan Pablo Montoya im vierten Penske-Chevrolet kam gar nicht ins Ziel. Der Vorjahressieger sorgte für den ersten Crash im Rennen. In Runde 64 verlor er seinen silbernen Penske-Boliden mit der Startnummer 2 in Turn 2 aus der Kontrolle.

"Das Auto ist mir ohne Vorwarnung ausgebrochen", so der erste Kommentar von Montoya, der nach leichtem Einschlag in die äußere Streckenbegrenzung sofort unverletzt aussteigen konnte. Wie schon in der Trainingswoche leisteten die neuen Sicherheits-Features an Unterboden und Heck auch beim Montoya-Dreher gute Arbeit und verhinderten einen Überschlag.

 

Montoya war freilich nicht der einzige Ausfall im 100. Indy 500. In der 94. Runde krachte es in Turn 1. In diesem Fall war es Sage Karam (Dreyer/Reinbold-Chevrolet), der für Gelb sorgte. Der Youngster aus der Andretti-Stadt Nazareth (Pennsylvania) befand sich im Duell mit Andretti-Pilot Townsend Bell auf der Außenbahn, kam auf den Reifenabrieb und krachte in die SAFER-Barrier.

Wie Montoya 30 Runden zuvor, so konnte auch Karam sofort aus eigener Kraft aussteigen. Der 21-Jährige machte Bell keinen Vorwurf. "Ich habe mir das Knie angeschlagen, aber ich bin mehr enttäuscht als verletzt, denn ich hatte ein richtig gutes Auto. Ich gebe niemandem die Schuld, es war einfach ein Rennunfall. Rückblickend wäre ich wohl nicht Seite an Seite in Turn 1 eingebogen", so Karam, der zum Zeitpunkt des Crashs auf Platz sechs lag, nachdem er von Position 23 losgefahren war.

Kurz nach Karam gab es einen Crash mit zwei Beteiligten: Mikhail Aleshin (Schmidt-Honda) drehte sich in Turn 1 auf vergleichbare Art und Weise wie zuvor Montoya in Turn 2. Dem Dreher des Russen konnten jedoch nicht alle ausweichen: Conor Daly (Coyne-Honda) crashte ebenfalls.

Abflug von Takuma Sato ebnet Weg für Rossi-Sieg

Für den letzten Abflug des Tages sorgte Takuma Sato (Foyt-Honda). Der Ausrutscher des Japaners in Turn 4 der 163. Runde rief die sechste Gelbphase auf den Plan. Es war die letzte Gelbe Flagge im Rennen und der Zeitpunkt, ab dem der spätere Sieger Alexander Rossi mit seiner spritsparenden Fahrweise begann.

Während Alexander Rossi triumphierte, Carlos Munoz Zweiter wurde und sich Ryan Hunter-Reay und Townsend Bell gegenseitig in die Quere kamen, blieb Marco Andretti blass. Nach Benzindruckproblemen wurde es für den Sohn von Andretti-Teambesitzer Michael Andretti nicht mehr als Platz 13.

Ebenfalls enttäuscht war der Sohn des vor genau 30 Jahren beim Indy 500 siegreichen Bobby Rahal:  Graham Rahal kam mit seinem Rahal-Honda direkt hinter Marco Andretti auf Platz 14 ins Ziel. Indes wurde Alex Tagliani (Foyt-Honda) vom 33. und letzten Startplatz kommend 17. und brachte nach einem für ihn überwiegend schwierigen Monat Mai sogar eine Zielankunft in der Führungsrunde nach Hause.

Nach dem Saisonhöhepunkt geht es im IndyCar-Kalender weiter Schlag auf Schlag. Am kommenden Wochenende steht der Double-Header mit Samstags- und Sonntagsrennen auf der Belle Isle in Detroit auf dem Programm.

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Über diesen Artikel
Rennserien IndyCar
Veranstaltung Indy 500
Rennstrecke Indianapolis Motor Speedway
Fahrer Alexander Rossi
Teams Andretti Autosport
Artikelsorte Rennbericht