Jack Miller im Exklusiv-Interview: Mit Mutter vor der Strecke gecampt

Im Exklusiv-Interview mit Motorsport.com blickt Jack Miller auf die letzten fünf Jahre zurück, seit er in Spielberg in der deutschen Meisterschaft auf dem Podest stand.

Die Sommerpause der Motorrad-Weltmeisterschaft ist mit dem Grand Prix von Österreich in Spielberg zu Ende gegangen. Dabei waren rund drei Wochen Zeit für Teams, Fahrer und das gesamte Fahrerlager gewesen, nicht nur die Akkus zu laden, sondern auch in sich zu gehen.

Einer, der dabei realisieren und sacken lassen konnte, was er geschafft hat, ist der Australier Jack Miller, der seine rennsportlichen Wurzeln auch in Deutschland hat. Als er 2011 die 125er-Meisterschaft der IDM gewann, stand er auch auf dem Red Bull Ring auf dem Podest.

Er war am Sonntag im MotoGP-Feld neben Valentino Rossi der einzige Fahrer, der auf dem Red Bull Ring schon ein Rennen bestritten hat. 

Motorsport.com hat Miller daher in Spielberg zum Exklusiv-Interview gebeten und ihn die letzten fünf Jahre Revue passieren lassen.

Motorsport.com: Jack, wie geht es dir heute? Wie waren die Ferien?
Jack Miller: „Die Ferien waren ziemlich gut, auch wenn ich nicht weiß, ob man das wirklich Ferien nennen kann. Ich bin rumgecruist und habe mein normales Programm durchgezogen, bin MotoCross gefahren, etwas Fahrrad. In Europa ist es immer schön, besonders im Sommer.

Fotostrecke: Der Unfall von Jack Miller in Österreich

An was erinnerst du dich, als du das letzte Mal genau hier, am Red Bull Ring, gefahren bist?
„Ich weiß noch, dass mein Motorrad richtig langsam war und ich echt Schwierigkeiten hatte.“

Wenn du jetzt auf diese letzten fünf Jahre zurückblickst, damals, als du IDM-Champion geworden bist – und heute: Was geht dann in dir vor?
„Die sind echt wie um Fluge vergangen, ganz sicher. Mir kommt das nur wie ein Wimpernschlag vor. Es war eine geile Zeit, IDM Champion 2011 und jetzt sitzen wir hier, heute, 2016 – und ich habe schon ein MotoGP-Rennen gewonnen und bis zum Schluss um den Moto3-WM-Titel gekämpft."

Bildergalerie: Alle Fotos von Jack Miller

"Die paar Jahre haben definitiv Spaß gemacht. Ich glaube, dass ich in den Jahren auch erwachsen geworden bin. Es ist immer schön, wenn man Mal zurückblickt, auf die vielen Erinnerungen, gerade auch hier auf der Strecke. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit meiner Mutter Sonntagnacht nach dem Rennen hier draußen noch gecampt habe. Das war schon ziemlich cool.“

Deine Mum hat uns verraten, dass es zwei Rennen in deiner Karriere gab, auf die sie besonders stolz ist und die immer ein Lohn für die vielen Entbehrungen bleiben werden: Lausitzring 2011 und Assen 2016. Wie siehst du das?
„Definitiv genauso!“

Vor einem Jahr hattest du 12 Punkte. Jetzt 42 (Stand vor dem Red Bull Ring Rennen). Und selbst ohne den Sieg hättest du zum gleichen Zeitpunkt mehr Zähler, als in deiner Rookie-Karriere. Laufen die Fortschritte zu deiner Zufriedenheit?
"Ja, definitiv. Es war ein harter Start in die Saison, gerade mit meiner Beinverletzung, da haben wir etwas defensiv anfangen müssen. Je näher wir der Saisonmitte kamen, haben wir härter und härter arbeiten können und ich habe dann auch ein gutes Gefühl bekommen."

Dieses Jahr ist alles anders – Software, Elektronik, Reifen. Für dich hat sich ja sogar das Motorrad von Open- zu Werks-Konfiguration geändert. Welches Wissen aus dem Vorjahr hat jetzt überhaupt noch Wert für dich?
"Ja, die Konfiguration ist mehr Werk, aber die Elektronik ist ziemlich gleich der, die wir letztes Jahr hatten. Da hat sich nicht großartig was geändert. Wir hatten nie das Glück, die volle Werkselektronik probieren zu dürfen."

Bildergalerie: Jack Miller beim Rennen auf dem Red Bull Ring

"Wert? Alles! Ich habe extrem viel Erfahrung aus dem letzten Jahr, ich weiß, wann ich was machen und wie ich mit dem Motorrad arbeiten muss. Dieses Jahr ist die Software für uns besser, mit der letztjährigen Elektronik, so primitiv, wie sie war, mussten wir das Motorrad früh aufrichten und mit dem Körper gegen das Spinning arbeiten. Das ist definitiv einer der Knackpunkte."

Was würdest du sagen muss passieren, damit du auch im Trockenen gewinnen kannst?
"Wir werden schneller und schneller. In Argentinien, als mein Bein besser wurde, konnte ich wieder schnell fahren. Dann haben wir dieses Jahr auch im Trockenen den Speed gehabt, wir waren auch in Assen und am Sachsenring im Trockenen ziemlich flott unterwegs. Ich spüre, dass wir im Trockenen eine gute Pace haben und wir werden besser und besser, und zwar jedes Mal, wenn ich das Motorrad fahre."

Was machst du jetzt zwischen dem Red Bull Ring und Brünn? Einen Road Trip? Sightseeing? Downhilling?
"Ich bin ja schon mit meinem Auto von Andorra hier her gefahren und habe meine Hund dabei. Ich weiß noch nicht. Ich werde mal sehen, was die anderen Fahrer so machen und schauen, was dabei rumkommt. Ein kleiner Road Trip oder so wäre schon cool."

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Tags Jack Miller, interview, motogp, red bull ring