Kolumne von Randy Mamola: Marquez dominiert wie einst Rossi

In seiner neuen Kolumne für Motorsport.com schreibt Ex-Rennfahrer Randy Mamola über die beeindruckende MotoGP-Saison von Weltmeister Marc Marquez.

Liebe Leser von Motorsport.com,

Marc Marquez hat die MotoGP-Saison 2016 dominiert. Hut ab dafür!

Er hat seine Aufgabe von Anfang an perfekt gemacht. Und das mit einem schwierigen Bike, das weder auf Augenhöhe mit der Yamaha war, noch auf einem Niveau mit der Ducati. Er gewann zwar 2 der ersten 3 Rennen (Termas de Rio Hondo und Austin), stellte seine Taktik dann aber um und wurde defensiv. Ab der Saisonhälfte war die Honda schließlich so, wie er sie haben wollte, dann griff er wieder an.

Schließlich sicherte er sich 3 Rennen vor Saisonende auf überzeugende Art und Weise den WM-Titel. Dafür muss man dem jungen Burschen einfach Respekt zollen!

Marc ist erwachsen geworden und zeigt eine herausragende Reife, dabei ist er doch erst 23 Jahre alt.

Man darf nicht vergessen: Er tritt gegen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo an. Und das sind zwei der besten Fahrer aller Zeiten. Marc ist viel jünger als die beiden Genannten und kam mit schlechterem Material zum 1. Rennen. Aber im Jahresverlauf hat er weitaus weniger Fehler gemacht als das Yamaha-Duo.

Sein Weitblick und seine fehlerlose Vorstellung machen ihn zur neuen Messlatte in der MotoGP.

Lorenzo hat 2015 die Weltmeisterschaft gewonnen – im letzten Rennen. Er hatte eine Aufholjagd hingelegt und war mit einem Vorsprung von 5 Punkten auf Rossi nach Valencia gekommen. Marquez wiederum hat den Abstand auf seine Verfolger seit dem Sommer immer weiter anwachsen lassen, bis er schließlich in Motegi uneinholbar vorne lag.

Um diese Leistung ins Verhältnis zu setzen, müssen wir einige Monate zurückgehen, zum Großen Preis von Italien. Ausgangs der letzten Kurve verlor Marquez die Führung an Lorenzo, weil sein Bike einfach nicht mithalten konnte. Wer hätte damals schon geglaubt, dass die WM am Ende so ausgehen würde, wie sie nun ausgegangen ist? Ich jedenfalls nicht!

Wettrüsten der Hersteller

Was wir erleben, ist eine MotoGP-Saison, die ähnlich verläuft wie in der Formel 1. Auch dort spielt die Entwicklung der Maschine eine ungeheuer wichtige Rolle für das Endergebnis.

Die Hersteller haben massiv entwickelt. Gleiches gilt natürlich für die Reifen, nachdem jetzt wieder Michelin in der MotoGP aktiv ist. Aber Honda hat in dieser Hinsicht in diesem Jahr auf technischer Seite klar die Bestnoten erzielt.

Auf menschlicher Seite haben wir einen sehr abgeklärten Marc Marquez erlebt. Er scheute aber auch nicht vor engen Duellen zurück. Zum Glück für die Fans liebt er solche Zweikämpfe viel zu sehr.

Wir haben es in Japan gesehen: Marquez war am Sonntag in seinem Element. Er legte sich nicht nur mit Valentino Rossi an und schlug ihn, sondern er trieb ihn auch so sehr ans Limit, dass Rossi schließlich stürzte. Das war nur möglich, weil er eine Reserve von 2, 3 Zehnteln hatte. Das zeigt: Sein Bike ist jetzt richtig gut in Schuss.

Wenn ihm Honda auch 2017 ein gutes Motorrad hinstellt und Marc weiterhin so clever fährt wie in diesem Jahr, dann könnte dies der Beginn einer Ära sein, wie wir sie zuvor bei Valentino Rossi zwischen 2000 und 2005 miterlebt haben.

Es stimmt natürlich: Die Konkurrenzsituation ist nun eine andere als damals. Aber ich sehe nicht, dass MotoGP-Cracks wie Lorenzo, Rossi, Vinales oder Pedrosa viel Freude daran haben könnten, nur die 2. Geige hinter Marquez zu spielen…

Euer
Randy Mamola

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung GP Japan
Rennstrecke Twin Ring Motegi
Fahrer Marc Marquez
Teams Repsol Honda Team
Artikelsorte Kommentar
Tags ara, honda, kolumne, motogp, motorrad, randy mamola