Kolumne: Warum der Österreich-Grand-Prix der Beste des Jahres war

Nach fast 20 Jahren ist die Motorrad-WM wieder in Österreich gefahren. Der erste MotoGP-Lauf auf dem Red-Bull-Ring war ein voller Erfolg – und hier kommen die Gründe, warum!

Österreichring, A1-Ring, Red-Bull-Ring. Die Strecke in Zeltweg – äh, Spielberg – hat eine turbulente und abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Umbauten, Anwohnerquerelen, Machtprotzereien.

Aber eine Motorrad-Tradition hat sie nicht.

Von den 25 Österreich-Grands-Prix, die in der Motorrad-WM ausgetragen wurden, haben 22 auf dem Salzburgring stattgefunden. Zwei auf dem A1-Ring und einer auf dem Red-Bull-Ring. Also drei auf dieser Piste. Der letzte davor allerdings 1997.

Österreich hatte auf dieses Rennen gewartet und es war ein perfektes Wochenende, wenngleich man – außer in der Moto3 – schon spannendere Rennen gesehen hat.

Wie sehr man hier auf den GP gebrannt hat, zeigt ein Blick in die Besucherzahlen – vom Freitag! Da saßen schon 50.369 Fans auf den Tribünen und Hängen in den Bergen.

Normalerweise kennt man massiven Zuschauerzuspruch am Freitag nur vom Sachsenring.
Da hat der Red Bull Ring den Sachsenring am Freitag aber um mehr als 10.000 Besucher geschlagen. Wie insgesamt in der Besuchsstatistik.

Was nichts gegen den Sachsenring heißen soll – sondern den Fans, die Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz und Co. kennen und lieben – und wissen, was dort abgeht, einen Vergleich bieten. Es hebt das Rennen auf dem Red-Bull-Ring auf ein gleiches Level – auf Anhieb.

Mit der Bimmelbahn an die Tribüne

Man fühlt sich wohl, wenn man hierher kommt. Die malerische Landschaft kann sich nun einmal keiner aussuchen, aber hier wurde alles getan, um sich wohlzufühlen. Die Phrase „Familien-Event“ hat hier ihre Definition gefunden.

Vom Parkplatz aus fährt eine Bimmelbahn zu den Tribünen und überall hin, wo man möchte. Vor der Haupttribüne steht ein Anhänger, auf dem eine Band spielt. Je nach Ansturm und Tageszeit wird die Bühne woanders hin verlagert.

Der Österreich-Grand-Prix, das ist auch, wenn sich auf dem Zeltplatz Rammstein mit Schuhplattler, AC/DC mit Blasmusik mischen. Oder wenn zur Eröffnungsfeier am Sonntag plötzlich 95.000 Fans rote und weiße Fahnen auf ihren Sitzen finden und zum Radetzky-Marsch ein Österreich-Meer die Strecke säumt.

Überall gibt es Ohrstöpsel und Ohrschützer, gerade für die Kleinen wichtig, wenn das Bundesheer mit den Kampfjets oder die Red-Bull-Flugstaffel ihre Kunststückchen zeigen. Da fragst du dich, ob die Mopeds wirklich gerade am Warmlaufen sind, wenn die Flieger kommen. Und die haben bei manchen Kunststücken echt – wie man im Fahrerlager sagt – „Nicht alle Malzen in der Zitrone“. (Copyright Rico Penzkofer!)

Aber auch die Rennstrecke an sich – und was sich in den letzten Jahren getan hat! Als ich 2012 das letzte Mal hier war, war prinzipiell fast alles anders.

Irgendwie hat man hier das Gefühl: Diese Strecke haben Menschen gebaut, die Ahnung davon haben, wie es ist, im Motorsport zu arbeiten. Und was man braucht, wo und wie.

Infrastrukturell ist hier sicher nur die Anreise am Sonntagmorgen schwierig. Der Rest in der Anlage hat Hand und Fuß und passt vorn und hinten. Gut, ob jetzt unbedingt Marmorplatten in den Toiletten verlegt sein müssen, sei dahingestellt…

Aber die professionellen Motorsportler dieser Welt, und alle, die mit solchen Zirkussen mitziehen, die fühlen sich am Red-Bull-Ring wohl und zuhause. Denn das Zuhause der meisten von uns sind Flugzeuge, Mietwagen, Rennstrecken und Hotels. Und die meiste Zeit davon an der Piste. Es sind einfach perfekte Arbeitsbedingungen.

Und dann sticht da noch die Freundlichkeit heraus. Jeder, also wirklich jeder Ordner und Security-Mann hilft dir, wenn du eine Frage hast. Und das freundlich. Da können sich einige nicht nur eine Scheibe, sondern ein ganzes Brot abschneiden: Man denke da nur mal an die Rennen in Frankreich (Wir sprechen nur Englisch, wenn ein Rennen 24 Stunden dauert) oder an den Sachsenring (Hier geht’s ni durch, weil is so!).

Ein Meisterwerk von Dietrich Mateschitz

Wenn, so scheint es, Geld keine Rolle spielt, ist natürlich vieles leichter. Aber alle, die auf den Brause-Konzern immer nur allzu gern schimpfen, die sollten sich einfach mal beim nächsten Österreich-Grand-Prix der MotoGP das Event geben.

Dietrich „Didi“ Mateschitz ist ein Mann der Superlative. Aber eben auch einer, der etwas zurückgibt. Und etwas übrig hat für Leidenschaften und Menschen, die ihre Leidenschaften leben wollen.

Downhill-Mountainbike-Weltmeisterschaften? Ohne ihn undenkbar. Cliff-Diving? Ebenso. Erzbergrodeo, Enduro, AirRace – und so weiter. Sicher sind es (auch) Marketing-Projekte, aber wir alle sollten auch dafür dankbar sein, dass es Menschen wie ihn gibt.

Die MotoGP am Red-Bull-Ring 2016 war einer der schönsten und besten Grands Prix, an die ich mich seit 1990 erinnern kann. Da war ich 4.

Auf einer Erkundungstour um die Rettungsstraßen am Ring, auf der Suche nach Fotopunkten, sah ich eine Gruppe Fans mit T-Shirts „Danke Didi“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung GP Österreich
Rennstrecke Red Bull Ring
Artikelsorte Kommentar
Tags dietrich mateschitz, kolumne, red bull, red bull ring, spielberg, zeltweg, österreichring