MotoGP 2017

Yamaha-Neuzugang Maverick Vinales: "Rossi ist der erste, den ich schlagen muss"

MotoGP-Shootingstar Maverick Vinales spricht im Interview mit Motorsport.com über seinen bevorstehenden Wechsel von Suzuki zu Yamaha und seinen neuen Teamkollegen Valentino Rossi.

Maverick Vinales ist im aktuellen MotoGP-Starterfeld der jüngste Fahrer. So schnell, wie der 21-jährige Spanier seine Suzuki GSX-RR bewegt, so schnell klettert er auch die Karriereleiter empor.

Nach dem Gewinn des Rookie-Titels im vergangenen Jahr ist Vinales nun in seiner 2. Saison in der Königsklasse drauf und dran, die Gesamtwertung auf Platz 4 abzuschließen. Der Shootingstar hat sogar noch die Chance, den entthronten Weltmeister Jorge Lorenzo im Kampf um WM-Platz 3 abzufangen. Für die Saison 2017 übernimmt Vinales im Yamaha-Werksteam den Platz von Lorenzo.

Im Interview mit Motorsport.com spricht Vinales, der Anfang September in Silverstone seinen 1. MotoGP-Sieg an Land gezogen hat, über seine persönliche Entwicklung als MotoGP-Pilot, über seinen Abschied von Suzuki und über die größte Herausforderung seiner bisherigen Karriere: das Teamduell mit Superstar Valentino Rossi in der kommenden Saison bei Yamaha.

Frage: "Maverick, wie würdest du deine eigene Performance und die Performance der Suzuki in der vor dem Abschluss stehenden MotoGP-Saison 2016 einschätzen?"

Maverick Vinales: "Vor dem Hintergrund unserer Ergebnisse und unserer Position in der Gesamtwertung würde ich sowohl mir selbst als auch dem Motorrad eine 8,5 oder 9 geben. Wir sind gemeinsam gewachsen. Unser Ziel für diese Saison war Platz 6 in der Gesamtwertung. Jetzt liege ich auf Rang 4 und habe noch immer die Chance auf Platz 3."

Frage: "Was fehlt Suzuki, um sich in der Spitzengruppe zu etablieren?"

"Dem Team fehlt es an Erfahrung. Wir fühlen uns von Rennen zu Rennen stärker und das liegt an der wachsenden Erfahrung. Bei einigen Rennen kämpfen wir in der Spitzengruppe mit, aber wenn es dann wirklich darauf ankommt, ist es schwierig, alles richtig zu machen."

Frage: "Von außen betrachtet entsteht der Eindruck, dass sich Suzuki von den anderen Teams unterscheidet. Das Team erscheint frischer und weniger streng zu agieren. Stimmt das?"

"Ich würde sagen, wir sind wie eine Familie. Das schafft eine sehr gute Atmosphäre. Vielleicht gibt es dieses gute Gefühl auch in anderen Teams, aber man sieht es nicht von außen. Es stimmt jedenfalls, dass wir alle an einem Strang ziehen."

Frage: "Bedauerst du deinen Abschied von Suzuki?"

"Ich würde nicht sagen, dass ich traurig bin. Anfangs hatte ich viele Zweifel. Die Entscheidung zum Abschied fiel mir sehr schwer. Doch nachdem ich einen Grand Prix gewonnen und mehrmals auf dem Podest abgeschlossen habe, habe ich kein so schlechtes Gefühl mehr. Ich würde sagen, dass ich dem Team das in mich gesetzte Vertrauen zurückgezahlt habe."

Frage: "Auf welchen Gebieten hast du dich persönlich am meisten gesteigert?"

"Verglichen mit dem vergangenen Jahr vor allem beim Fahren selbst. Das liegt aber auch daran, weil uns mit dem Motorrad ein großer Schritt nach vorn gelungen ist. Ich kann jetzt viel stärker attackieren. Es ist etwas ganz anderes, wenn man in ein Rennwochenende geht und denkt, 'Mal sehen, was ich herausholen kann' oder ob man andererseits weiß, dass man unter normalen Umständen um einen Podestplatz kämpfen kann."

Rennen für Renenn:: Die MotoGP-Karriere von Maverick Vinales in Bildern 

"Im vergangenen Jahr fiel mir die Herangehensweise an die Rennen schwer. Wenn du weißt, dass du normalerweise um, sagen wir mal, Platz 11 fährst, dann ist die Motivation einfach nicht so groß. Mir persönlich ist es ganz wichtig, zu wissen, dass ich gewinnen kann. Wenn ich das weiß, bin ich viel lockerer und konzentrierter."

Frage: "War Suzuki deiner Meinung nach das beste Team, um dich so zu entwickeln wie du es getan hast?"

"Hätte ich das aktuelle Motorrad schon im vergangenen Jahr zur Verfügung gehabt, würde ich jetzt wahrscheinlich noch besser fahren. Andererseits ist es aber auch so, dass es einem leichter fällt, sich zu entwickeln, wenn der Erwartungsdruck nicht so groß ist. Unter diesen Voraussetzungen macht man einfach weniger Fehler. So oder so ist der entscheidende Schritt immer der, an dem man merkt, dass man konstant in der Spitzengruppe mitfahren kann. Hätte ich das aktuelle Motorrad schon im vergangenen Jahr zur Verfügung gehabt, hätte ich in der laufenden Saison vielleicht um den WM-Titel kämpfen können."

Frage: "Während der Wintertestfahrten sagtest du, dass du von den Schnellsten lernen willst. Was genau hast du von den schnellsten Fahrern gelernt?"

"Ich schaue mir genau an, wie ihre Motorräder liegen. Das hilft mir ungemein. So kann es zum Beispiel sein, dass wir an einem bestimmten Rennwochenende scheinbar Probleme beim Herausbeschleunigen aus den Kurven haben. In Wahrheit ist es aber so, das wir zu früh bremsen und bereits am Kurveneingang Zeit verlieren. Wenn man sich in der Nähe der schnellsten Fahrer aufhält, kann man erkennen, wo man selbst steht und in welchen Bereichen es dem eigenen Motorrad noch fehlt. Das hilft sehr viel."

Frage: "Du warst dir im Winter nicht sicher, wie aggressiv du von den vorderen Positionen der Startaufstellung loslegen solltest. Was hast du diesbezüglich gelernt?"

"Meine Starts sind recht gut. Das ist keine große Überraschung für mich. Man muss schon recht aggressiv sein, um nach vorn zu kommen und dort zu bleiben. Ich würde die Startphase als die wichtigste Phase der meisten Rennen bezeichnen."

Frage: "Wie oft wurdest du schon von Leuten davor gewarnt, was dich im nächsten Jahr bei Yamaha als Teamkollege von Valentino Rossi erwartet?"

"Das einzige, was sich ändert, ist, dass ich eine Yamaha fahren werde und dass ich mir neue Ziele setzen werde. Ein Teamkollege bedeutet nichts anderes als eine Referenz zu haben. So lässt sich das Potenzial des Motorrads verstehen. Es liegt aber auf der Hand, dass er der erste ist, den ich schlagen muss."

Frage: "Du spürst also keinen zusätzlichen Druck dadurch, dass du Jorge Lorenzo ablösen und dich im direkten Duell mit Rossi messen musst?"

"Nun, Aleix (Suzuki-Teamkollege Aleix Espargaro; Anm. d. Red.) war für mich auch ein harter Gegner. Im vergangenen Jahr war er an jedem Rennwochenende absolut auf der Höhe des Geschehens. Man selbst gibt dann einfach 200 Prozent."

Frage: "Was ist deiner Meinung nach der nächste Schritt, den du bewältigen musst?"

"Ich komme in ein Team, das sehr viel Erfahrung hat. Gleichzeitig fehlt es mir selbst noch an Erfahrung. Die geballte Erfahrung, die mein nächstjähriges Technikerteam hat, wird mir ungemein helfen, wenn es darum geht, von vorn zu starten und das ganze Rennen lang vorn zu bleiben.

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Fahrer Maverick Vinales
Teams Team Suzuki MotoGP , Yamaha Factory Racing
Artikelsorte News
Tags erwartung, interview, motogp, rossi, teamduell, teamkollege, vinales, wechsel, yamaha
Topic MotoGP 2017