Analyse: Warum Danica Patrick für NASCAR so wichtig ist

Rein sportlich gesehen, ist Danica Patrick nur NASCAR-Mittelmaß. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.

Drei komplette NASCAR-Jahre mit den Gesamtplätzen 27, 28 und 24. Kein Sieg, keine einzige Top-5-Platzierung und in 118 Sprint-Cup-Rennen nur sechsmal in den Top 10.

So lautet die sportliche Bilanz von Danica Patrick und diese Zahlen bedeuten nichts anderes als mausgraues Mittelmaß. (Hier geht es zu unserer großen Danica-Fotostrecke).

Auch in der Saison 2015. Keine einzige Top-10-Startposition und am Jahresende kam die 34-Jährige im Schnitt auf Position 23,5 ins Ziel. Platz sieben im April-Rennen von Martinsville, kurz darauf Rang neun in Bristol – und dann kam in Sachen Top 10 nichts mehr.

Eine Verbesserung ihrer Performance gegenüber den beiden Vorjahren war also, wenn überhaupt, nur in äußerst homöopathischen Dosen zu erkennen.

Trotzdem bekam sie von Stewart/Haas Racing im Sommer eine Vertragsverlängerung, deren genaue Laufzeit nicht bekannt ist. Im NASCAR-Normalfall handelt es sich dabei um drei Jahre.

Mit Billy Scott (ehemals Michael Waltrip Racing) wird ihre Startnummer 10 in der Saison 2016 einen neuen Crewchief erhalten. Nach Tony Gibson und Daniel Knost ist Scott damit der dritte starke Mann am Patrick-Chevy in nur drei Jahren. Ein beachtlicher Verschleiß.

Neuer Vetrag, neuer Crewchief: Tony Stewart und Gene Haas basteln also weiter unbeirrt am Phänomen Patrick.

Wenn alle sportlichen Indikatoren auf Mittelmaß deuten, dann muss es dafür einen guten Grund geben. Dieser liegt auf der Hand, denn Danica Patrick ist nach wie vor bare Münze wert.

Die Sponsoren stehen Schlange

Als ihr langjähriger Leib- und Magensponsor GoDaddy zum Saisonende seinen Rückzug erklärte, hatte Stewart/Haas Racing keinerlei Probleme, die geschätzten 25 Millionen US-Dollar für eine Sprint-Cup-Saison aufzutreiben.

Binnen weniger Wochen hatte mit Nature's Bakery ein neuer Hauptsponsor für 28 Saisonrennen unterschrieben. Die beiden bisherigen Nebensponsoren Aspen Dental und TaxAct stockten auf jeweils vier Rennen auf.

Die Patrick-Saison 2016 ist also in trockenen Tüchern und das gesamte Prozedere ging absolut reibungslos über die Bühne.

So etwas ist im arg umkämpften Sponsorenmarkt der NASCAR mittlerweile unüblich. Und es zeugt davon, wie hoch der Werbewert der Marke Danica Patrick selbst im NASCAR-Mittelfeld nach wie vor noch ist.

Noch ein paar Indizien dafür: Der Suchbegriff Danica Patrick befand sich auch 2015 wieder in den Internet-Statistiken weit vorne. So landete ihr Name in einigen großen Suchmaschinen in den Top 10. Rang vier bei Yahoo, Rang neun auf Bing und damit immer deutlich Platz eins in der NASCAR-Gemeinde.

Daraus kann nur ein logischer Schluss gezogen werden: Selbst auf Platz 24 ist Danica Patrick immer noch attraktiv für millionenschwere Sponsoren. Und ohne die läuft (nicht nur) in der NASCAR gar nichts.

Dickes Fell gegen die Hater

Daran ändern auch regelmäßige Spitzfindigkeiten nichts. Wie zum Beispiel Richard Petty vor einiger Zeit vom Stapel lies: Danica Patrick könne, so der "King of NASCAR", nur dann ein Rennen gewinnen, "wenn alle anderen zuhause bleiben."

Ein berühmt-berüchtigt gewordener Satz, der die Meinung auf den Punkt bringt, die viele Patrick-Hater vertreten.

Sie selbst sieht solche Angriffe mittlerweile gelassen.

"Du musst an das glauben, was du tust", sagte sie gegenüber CNN. "Du musst dir selbst sicher sein und ein dickes Fell entwickeln."

"Denn je höher du kletterst, desto mehr stellst du dich ins Schaufenster und desto mehr sprechen die Leute über dich. Ich habe mir im Laufe der Jahre so ein Fell quasi als Schutzschicht angearbeitet."

"Viele Leute sagen Böses über mich. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass mich das gar nicht interessiert. Aber mehr als alles andere tun sie mir leid, denn sie attackieren jemanden, von dem sie gar nicht viel wissen."

Natürlich ist Motorsport nach wie vor eine Männerdomäne. Danica Patrick ist in den USA jedoch eine, die es über die Jahre geschafft hat, diesen eigentlich geschlossenen Kreis aufzubrechen.

Alleine damit hat sie etwas geschafft, was ihr den Platz in den Geschichtsbüchern der NASCAR sichern wird.

Sie hat sich in der größten Motorsport-Serie der USA durchgesetzt und etabliert. Vielleicht nicht als Siegfahrerin, vielleicht nicht als Titelkandidatin. Aber als Gallionsfigur einer sich langsam neu orientierenden Szene.

"Früher waren Frauen nicht einmal in der Boxengasse erlaubt", weiß Patrick. "Heute ist Motorsport immer noch ein Männersport, doch die Dinge beginnen sich zu ändern." Mit ihr als Galionsfigur.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Sprint-Cup
Fahrer Danica Patrick
Teams Rahal Letterman Lanigan Racing , Andretti Autosport , JR Motorsports , Stewart-Haas Racing
Artikelsorte Analyse