Fotofinish beim Daytona 500: Denny Hamlin bezwingt Martin Truex Jr.

Im engsten Zieleinlauf der Geschichte des Daytona 500 schlägt Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota) um 0,01 Sekunden.

200 Runden über eine Gesamtdistanz von 500 Meilen standen beim 58. Daytona 500 – dem Auftaktrennen der Saison 2016 im NASCAR Sprint-Cup – auf dem Programm. Am Ende gab eine Hundertstelsekunde den Ausschlag über Sieg oder Niederlage: Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) setzte sich im Fotofinish gegenüber Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota) durch und darf sich über seinen ersten Sieg beim „Great American Race“ freuen.

Im von sechs Gelbphasen geprägten Rennen bestand die größte Herausforderung darin, das Auto auf der Strecke zu halten. Grund: Am wärmsten Tag der gesamten Woche hatten zahlreiche Piloten mit Handlingsproblemen zu kämpfen – allen voran in Turn 4 des 2,5 Meilen langen Superspeedways.

Während unter anderem Kevin Harvick (Stewart/Haas-Chevrolet; 4.) und Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet; 16.) brenzlige Momente mit viel Glück und Können unbeschadet überstanden, verloren andere Fahrer, darunter der von der Pole-Position gestartete Rookie Chase Elliott und auch Publikumsliebling Dale Earnhardt Jr. (beide Hendrick-Chevrolet) ihre Fahrzeuge aus der Kontrolle.

Die besten Fotos vom Daytona 500

An der Spitze des über die gesamten Renndistanz von extrem engem Restrictor-Plate-Racing gekennzeichneten Pulks wurden schon früh zwei Dinge deutlich: Zum einen war die Innenbahn stets die bevorzugte. Zum anderen war die Armada der Toyota Camry von Joe Gibbs Racing kaum zu biegen. Mit Matt Kenseth (Gibbs-Toyota) an der Spitze ging es in die 200. und letzte Runde. In Turn 3 lag der knallgelbe Camry des zweimaligen Daytona-500-Siegers noch immer in Führung. Dann aber setzte Teamkollege Denny Hamlin, der eingangs der letzten Runde Vierter war, zur Schlussattacke an. 

Erster Daytona-500-Sieg für Denny Hamlin und Toyota

Mit Kevin Harvick im Windschatten holte Hamlin auf der Gegengerade furios auf. In Turn 3 kam es zu einer leichten Berührung mit Gibbs-Teamkollege Matt Kenseth. Während Kenseth zurückfiel, kam Hamlin ungeschoren davon. Den Sieg hatte der Fahrer des schwarzen Gibbs-Toyota mit der Startnummer 11 aber noch lange nicht sicher. Denn auf der Innenbahn hatte nun Martin Truex Jr., dessen Arbeitgeber Furniture Row Racing in dieser Saison eine enge technische Kooperation mit Joe Gibbs Racing unterhält, die besten Karten. Der Schlussspurt von Turn 4 bis zur Ziellinie musste die Entscheidung bringen.

Erfreulich: Wie schon zuvor, so blieb auch auf den entscheidenden letzten Metern trotz engstem Pack-Racing der gefürchtete „Big One“ aus. Das Rennen ging unter Grün zu Ende und Hamlin schaffte es auf den allerletzten Metern tatsächlich noch, auf der Außenbahn gerade so die Nase seines Gibbs-Toyota vor die des Furniture-Row-Toyota von Truex Jr. zu schieben. Der beim Überfahren der Ziellinie gemessene Abstand von 0,010 Sekunden bedeutet den engsten Zieleinlauf in der seit 1959 geschriebenen Geschichte des Daytona 500.

 „Das ist ein stolzer Tag. Ich habe keine Ahnung, wie ich das gemacht habe“, so Hamlins erste Reaktion in der Victory Lane. Für den 35-jährigen ist dieser Sieg der größte Erfolg seiner bisherigen Rennfahrerkarriere. Doch damit nicht genug, denn nicht nur für Hamlin ist es der erste Daytona-500-Triumph, sondern auch für Toyota. „Für Toyota ist das unglaublich“, so der Sieger. Für Joe Gibbs Racing ist es indes nicht der erste Sieg beim "Great American Race". 1993 hatte Dale Jarrett für den "Coach" triumphiert.

Während Hamlin die Glückwünsche für seinen Sieg entgegennehmen durfte, gab der denkbar knapp geschlagene Martin Truex Jr. zu Protokoll: „Ich habe alles getan, was ich tun konnte. In Sichtwiese der Ziellinie lag ich in Führung. Ich hätte ihn vielleicht noch etwas weiter nach oben drücken sollen. Glückwunsch an Denny, der mich um ein paar Fuß geschlagen hat.“ Immerhin: Nachdem er im Rahmen der Speedweeks sowohl beim Sprint-Unlimited als auch im Can-Am-Duel in einen Crash verwickelt worden war, brachte der Furniture-Row-Pilot seinen orangefarbenen Toyota Camry diesmal unbeschadet ins Ziel.

Matt Kenseth zieht bei Joe-Gibbs-Show den Kürzeren

Derweil blieb dem vom Ende des Feldes im Ersatzauto gestarteten und in Turn 3 der letzten Runde noch in Führung gelegenen Matt Kenseth nach der Berührung mit Gibbs-Teamkollege Denny Hamlin nur Platz 14. „Ich musste blocken, sonst hätten sie mich überrollt. Es gab eine Berührung, bei der ich das Auto beinahe verloren hätte. Somit musste ich vom Gas“, meinte der Daytona-500-Sieger der Jahre 2009 und 2012 enttäuscht.

So kam Champion Kyle Busch, der das Daytona 500 im vergangenen Jahr verletzungsbedingt verpasst hatte, am Steuer eines weiteren Gibbs-Toyota als Dritter ins Ziel. Carl Edwards – neben Sieger Denny Hamlin, Kyle Busch und Matt Kenseth der vierte Gibbs-Pilot – wurde Fünfter hinter Stewart/Haas-Speerspitze Kevin Harvick. Mit notdürftig geflickter Frontpartie zeigte Edwards eine sehenswerte Aufholjagd, nachdem er in Runde 55 in einen Zwischenfall mit Brian Vickers (Stewart/Haas-Chevrolet; 26.) und Trevor Bayne (Roush-Ford; 28.) verwickelt worden war und eine Runde verloren hatte.

Kein Glück für Jimmie Johnson und Brian Vickers

Die Top 10 wurden von Vorjahressieger Joey Logano (Penske-Ford; 6.), Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet; 7.), Regan Smith (Baldwin-Chevrolet; 8.), Austin Dillon (Childress-Chevrolet; 9.) und Kurt Busch (Stewart/Haas-Chevrolet; 10.) abgerundet (hier das komplette Rennergebnis).

Kasey Kahne war auf Platz 14 bester Vertreter des elfmaligen Meisterteams Hendrick Motorsports. Teamkollege Jimmie Johnson hatte sich im Ersatzauto vom Ende des Feldes kommend ähnlich wie Matt Kenseth zügig nach vorn gearbeitet. Beim letzten Green-Flag-Stop 45 Runden vor Schluss aber sprang Johnsons Hendrick-Crew zu früh über die Boxenmauer. Die daraus resultierende Durchfahrtsstrafe warf den sechsmaligen Champion aus der Entscheidung im Kampf um eine Spitzenpositionen: Platz 16.

Brian Vickers, der bei Stewart/Haas Racing für den verletzten Tony Stewart einsprang, hatte bei seinem NASCAR-Comeback nach elfmonatiger Pause kein Glück. In Runde 55 verlor er seinen Stewart/Haas-Chevy in Turn 4 im Windschatten von Joey Logano aus der Kontrolle, konnte einen Einschlag in die Mauer aber vermeiden. In der Schlussphase war Vickers zwischenzeitlich wieder in der Spitzengruppe zu finden, wurde aber im Pulk durchgereicht und beendete das Rennen auf Platz 26.

Abflüge von Chase Elliott und Dale Earnhardt Jr.

Indes hatten andere Protagonisten noch weitaus größere Schwierigkeiten. Rookie Chase Elliott hatte im Hendrick-Chevy mit der Startnummer 24 von der Pole-Position gestartet zunächst das geschafft, was Jeff Gordon genau 23 Jahre zuvor gelungen war: die erste Daytona-500-Rennrunde seiner Karriere direkt als Spitzenreiter abzuschließen.

Doch schon in Runde 19 war der Traum von einem Top-Ergebnis für Elliott ausgeträumt. Ausgangs Turn 4 verlor der Jeff-Gordon-Nachfolger seinen dunkelblauen Chevy SS aus der Kontrolle, drehte sich vor der Nase des Gibbs-Toyota von Carl Edwards auf die Asphaltfläche auf der Innenseite der Kurve und bügelte anschließend durchs Infield-Gras. Dabei nahm der Frontsplitter des Fahrzeugs erheblichen Schaden.

„Ich habe das Auto einfach ausgangs Turn 4 verloren. Schade, das Rennen hatte noch gar nicht richtig angefangen“, so Elliotts erster Kommentar. Mit 40 Runden Rückstand nahm der Polesitter das Rennen zwar noch einmal auf. Mehr als Platz 37 war beim ersten Rennen seiner Rookie-Saison im Sprint-Cup aber nicht zu holen.

Dale Earnhardt Jr., der sich nur in der Anfangsphase in Szene setzen konnte, übertrieb es 30 Runden vor Schluss beim Versuch, in Richtung Spitze vorzudrängen. Im Zuge eines aggressiven Spurwechsels verlor auch er seinen Hendrick-Chevy in Turn 4 aus der Kontrolle, krachte in die SAFER-Barrier auf der Innenseite der Strecke und war draußen. „Ich wurde komplett überrascht“, so das Geständnis von „Junior“. „Ich habe einfach unterschätzt, wie stark sich die Balance verändert und habe das Auto einfach verloren.“

Wilder Ritt von Danica Patrick

Auch Danica Patrick (Stewart/Haas-Chevrolet) kam nicht ungeschoren über die 200 Rennrunden. 17 Umläufe vor Schluss geriet sie auf der Gegengerade mit Greg Biffle aneinander. Patrick hatte beim Spurwechsel nach ganz innen unterschätzt, wie nahe ihr der Roush-Pilot auf den Leib gerückt war. Im Zuge eines wilden Ritts durchs Gras wurde die Frontpartie von Patricks hellblau-weißem Stewart/Haas-Chevy schwer beschädigt. Am Ende wurde es für die einzige Frau im Starterfeld Platz 35 mit 16 Runden Rückstand.

Nach dem packenden Daytona 500 mit Restrictor-Plates geht es im Sprint-Cup-Kalender 2016 am kommenden Wochenende mit dem Fields of Honor QuikTrip 500 auf dem Atlanta Motor Speedway weiter. Dort feiert das Low-Downforce-Package seine Saisonpremiere.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Sprint-Cup
Veranstaltung Daytona 500
Rennstrecke Daytona International Speedway
Artikelsorte Rennbericht