Kolumne von Timo Bernhard: "Großartige Werbung für den Sport"

Sportwagen-Weltmeister Timo Bernhard schwärmt vom engen Finish beim WEC-Lauf in Fuji in schildert in seiner neuen Kolumne, warum es für Porsche dieses Mal nicht zum Sieg gereicht hat.

Liebe Leser von Motorsport.com,

am Mount Fuji ging es an der Spitze eng zu wie nie zuvor: 6 Stunden "flat-out" Racing mit spannenden Zweikämpfen vor allem im letzten Renndrittel. Das Sechsstundenrennen in Japan 2016 war nicht nur auf sondern auch abseits der Strecke großartige Werbung für den Langstreckensport. Die Begeisterung der japanischen Fans zu sehen ist einfach mitreißend, und auch in diesem Jahr war das ganze Wochenende wieder super besucht.

Die Abstimmung des Porsche 919 Hybrid für den Fuji International Speedway war eine echte Herausforderung, die wir alles in allem gut gemeistert haben. Es galt, die mit 1,5 Kilometern extrem lange Gerade, den zügigen ersten Sektor und das Kurvengeschlängel am Ende der Runde unter einen Hut zu bekommen. Zudem ist der Belag relativ rutschig. Die Strecke vor der atemraubenden Kulisse des höchsten Bergs von Japan ist wunderschön, technisch sehr anspruchsvoll und macht mächtig Spaß.

So knapp wie nie

In den Trainings lief für uns alles glatt. Wir konnten einige Dauerläufe und Qualifying-Simulationen fahren und verschiedene Aerodynamik-Konfigurationen ausprobieren. Schon in den ersten Sessions haben wir gesehen, dass alle sechs LMP1-Autos sehr dicht beieinander liegen und das Rennen eine enge Angelegenheit werden würde.

Im Qualifying am Samstag ging es dann so richtig zur Sache. Die Bedingungen waren sehr gut und Mark und ich waren im Einsatz. Es war eine extrem knappe Geschichte mit den Audis und am Ende fehlten uns 25 Tausendstelsekunden zur Pole-Position – so knapp war es in dieser Saison noch nie!

 

Mark startete das Rennen und konnte ohne Probleme das Tempo des #8 Audi mitgehen, bevor er den schnelleren #6 Toyota vorbeiziehen lassen musste. Ich war als 2. im Auto und mein Stint verlief reibungslos. Bei meinem 2. Einsatz hatte ich einen heißen und sehr fairen Kampf mit Stephane Sarrazin im Toyota.

Die Temperaturen waren mittlerweile etwas gesunken, was uns zugutekam, und ich konnte Sarrazin 2 Mal überholen. Beim 1. Mal gelang ihm noch ein Konter, aber dann zog ich vorbei und schloss sogar zum führenden Audi auf. Ich übergab an Brendon, der hinter Kamui Kobayashi im #6 Toyota wieder auf die Strecke kam. Die beiden lieferten sich ein tolles Duell mit mehreren Positionswechseln.

Letzte Chance beim letzten Stopp

Beim letzten Stopp wechselten wir noch einmal die Reifen und Mark stieg wieder ein. Kobayashi hatte bei seinem letzten Tankstopp auf den Reifenwechsel verzichtet, daher hatte sich der Abstand etwas vergrößert. Mit dem letzten Reifensatz hatte Mark leider Fahrzeugbalance-Probleme und konnte nicht mehr in das Duell um den Sieg eingreifen. Schlussendlich kamen wir auf Platz 3 ins Ziel. Wir hatten letztlich 17 Sekunden Rückstand auf den Sieger, und zwischen Platz 1 und Platz 2 lagen sogar nur 1,4 Sekunden. Das ist schier unfassbar nach 244 Runden und über 6 Stunden Fahrzeit!

Es war wirklich ein spannendes Rennen mit tollen Zweikämpfen und hat echt Spaß gemacht. Wir hatten definitiv das Potenzial, auf das oberste Treppchen zu fahren, aber wir haben auch gesehen, wie dicht alle drei Hersteller zusammenliegen.

Es ist ein verdienter Sieg für Toyota und mit unserem vierten Podestplatz in Folge konnte Porsche die Führung in der Herstellerwertung weiter ausbauen. Jetzt hoffen wir, diesen Titel beim nächsten Rennen am 6. November dingfest machen zu können.

Euer
Timo Bernhard

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Über diesen Artikel
Rennserien WEC
Veranstaltung Fuji
Rennstrecke Fuji International Speedway
Fahrer Timo Bernhard
Teams Porsche Team
Artikelsorte Kommentar
Tags fuji, japan, lmp1, porsche, porsche 919 hybrid, sportwagen, wec