Mark Webber: Aus "Down Under" an die Spitze

Von bescheidenen Anfängen in seiner Heimat bis zum Weltmeister hatte die Karriere von Mark Webber einige Höhen und Tiefen – im wahrsten Sinn des Wortes. Charles Bradley hat viele hautnah miterlebt...

Der Zeitpunkt, zu dem Mark Webber seinen Rücktritt aus dem Rennsport am Ende der Saison verkündet hat, hat Viele überrascht. Natürlich war das aber eher früher als später zu erwarten – ich hätte allerdings auf nächstes Jahr gewettet.

Erst vor ein paar Wochen sagte er in Mexico City, wie gut ihm sein aktuelles Leben gefiel, als ich ihn scherzhaft im Club der 40er willkommen hieß und wir uns über seine kürzlich stattgefundene Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Anne unterhielten. "Wir dachten einfach, verdammt, schön langsam wird es Zeit!" grinste er. Es scheint so, als ob diese wichtige Entscheidung bei seinem Rückzug aus dem Rennsport auch eine Rolle gespielt haben könnte.

Die große Überraschung ist für mich nur, dass er beschlossen hat, es jetzt zu verkünden, da seine Freude über den Sieg in Austin – den 3. in Folge für den #1-Porsche – offensichtlich war, als Motorsport.com ihn gleich nach der Feier auf dem Podium interviewte. Sehen Sie nur, wie begeistert er ist...

3 Rennen wird er in seiner Karriere noch bestreiten. Bisher hat Webber 7 Siege in der WEC gefeiert, dazu 9 in der Formel 1. In Le Mans mag der große Erfolg zwar ausgeblieben sein, nach seinem Überschlag im Mercedes 1999 uns seinem angespannten Verhältnis zu der Strecke kann man den 2. Platz 2015 aber gut und gerne als einen nur knapp verpassten Sieg betrachten.

Was seine Formel-1-Karriere betrifft, scheint es zwei getrennte Lager mit geteilten Meinungen über Mark Webber gegeben zu haben. Das eine meinte, dass er hinter dem Lenkrad ein unerbittlicher Kämpfer war – neben den Alonsos und Hamiltons seiner Generation. Das andere meinte, er sei ein Verlierer, der sein Potential nie voll ausschöpfen konnte.

Ich denke, dass sein 1. Grand-Prix-Sieg beim Grand Prix von Deutschland am Nürburgring wirklich sinnbildlich für ihn war. Nach einem schlechten Start von seiner 1. Pole-Position aus, fuhr er in Rubens Barrichello rein, was ihm eine Durchfahrtsstrafe einbrachte, und stürmte anschließend zu einem sensationellen Sieg. Genauso, wie er in Melbourne den Minardi in die Punkte brachte oder in den störrischen Jaguars oder unterlegenen Williams nicht aufgab. Er hat in beiden Autos Rennen angeführt!

Ich denke nicht, dass sein Speed jemals infrage gestellt wurde. Aber es schien immer, als ob Mark seine beste Leistung ablieferte, wenn er das Gefühl hatte, dass sich irgendetwas gegen ihn verschworen hatte. Er konnte mit Widerstand wirklich gut umgehen. Dieser Green Room vor dem Podium in Malaysia – “Multi-21, Seb, Multi-21” – bleibt sicher unvergessen, als er Vettel am wohl liebsten einen reingehauen hätte!

Würde hatte für ihn aber immer einen hohen Stellenwert und auch, wenn ich das Gefühl hatte, dass es ihm immer Genugtuung verschafft hat, seinen Teamkollegen das Leben so unbequem wie möglich zu machen, denke ich auch, dass er immer fair war. Und ich denke, dass sich das in dem Respekt widergespiegelt hat, den seine Kollegen für ihn hatten. Ich bin nicht sicher, dass Fernando vielen Fahrern auch nur die geringste Möglichkeit gegeben hätte, in der Eau Rouge an ihm vorbei zu fahren!

Webbers Rückkehr zu den Sportwagen bedeutete, dass er den Egoismus, den man in der Formel 1 braucht, ablegen musste und die Tatsache, dass er eine so enge Beziehung zu seinen Teamkollegen Brendon Hartley und Timo Bernhard aufgebaut hat, war sicher der Schlüssel zum Titelgewinn im vergangenen Jahr.

Trotz der Fehler und des Pechs, das sie in diesem Jahr verfolgte, bevor ihre Siegesserie begann, hat Webber seine Teamkollegen immer hundertprozentig unterstützt. Er gibt auch offen zu, dass er den Titel in diesem Jahr nicht mehr werde gewinnen können, da sie in den ersten Rennen zu viel Boden verloren haben. Er scheint aber kein Problem damit zu haben.

Ganz persönliche Einschätzung

Ich glaube, dass ich einer der ersten "ausländischen" Journalisten war, die mit Webber gesprochen haben, als er aus Australien nach Europa kam und 1995 mit dem Van Diemen Werksteam am Formel Ford Festival in Brands Hatch teilnahm. Und ich entdeckte diesen schlaksigen, freundlichen Teenager, der viel älter erschien als er wirklich war!

Der Konkurrenzkampf zwischen Van Diemen, Swift, Vector und Manor war in diesem Jahr heiß. Nachdem die sich Werks-Swift gegenseitig abgeschossen hatten, gewann Kevin McGarrity im Van Diemen. Teamkollege Mark Webber wurde 4. und verdiente sich einen Platz beim Team für 1996, weil er Teamchef Ralph Firman beeindruckt hatte.

Webber wurde in diesem Jahr von seinem Teamkollegen Kristian Kolby besiegt und ein paar Jahre später fragte ich Kolby, wieso Webber eine große Karriere gemacht hatte, während er selbst in der Formel 3000 hängengeblieben war? "Mark hat aufgehört, Fehler zu machen und ich nicht", war seine erfrischende Antwort.

Sowohl Marks als auch meine Karriere gingen 1997 weiter in die Britische Formel 3, wo er mit dem Team von Alan Docking einige fantastische Leistungen zeigte – inklusive eines Siegs in Brands Hatch – die die Aufmerksamkeit von Mercedes erregten. So wurde er auch aus dem finanziellen Loch gerettet, das die australische Rugby-Legende David Campese immer wieder stopfte. Ich erinnere mich an einen Abend mit den beiden auf einem Campingplatz in Silverstone nach dem Rahmenrennen zum Grand Prix von Großbritannien (Campese vertrug beim Trinken viel mehr als wir beide, das kann ich versichern).

Das nächste Mal, dass sich unsere Wege kreuzten, war in Le Mans 1999. Ich sprach mit Mark nach dem ersten verrückten Salto rückwärts des Mercedes und es schien irgendwie surreal, dass das Team ihm nicht glauben wollte, dass das Auto aus eigenen Stücken abgehoben hatte und der Überschlag kein Fahrfehler war. Ich erinnere mich, dass ich nach dem zweiten Salto im Warm-Up des Renntages zu seinem Vater gerannt bin, um direkt von ihm zu hören, dass er okay war.

Als er in der Formel 1 fuhr, in der er zum Weltstar wurde, trafen wir uns vielleicht ein Mal im Jahr bei einem Grand Prix oder den Autosport Awards. Während Webbers WEC-Abenteuer – das auch das Ende seiner Karriere markiert – sahen wir uns wieder öfter und ich konnte ihn aus der Nähe beobachten.

Ich zitiere Dario Franchitti, wenn ich sage, "von dem Tag an, an dem ich ihn kennenlernte bis heute hat er sich nicht verändert." Ich muss Webber im Laufe der Jahre hunderte Fragen gestellt haben und er hat mich nie wegen auch nur einer einzigen schwach angeredet und alle beantwortet.

Fazit

Was sich für Webber im vergangenen Jahr geändert hat ist, dass er endlich Meister geworden ist – ein Weltmeister. Nach Jahren der Frustration, von seinen Anfängen bis an die Spitze der Formel 1, konnte er nie einen Titel holen, bis er endlich den verdienten Erfolg in der WEC hatte.

Vielleicht war das der letzte Punkt auf der Liste, den er abhaken wollte. Jetzt kann er bei Channel 4 – mit seinem guten Freund und ehemaligen Teamkollegen David Coulthard – eine Vollzeit-Karriere beim Fernsehen verfolgen und Porsche-Botschafter werden, ein Status, der viel Spaß verspricht.

Mehr als als Champion werde ich mich an den Rennfahrer Mark Webber als Sieger erinnern – sei es in der Formel Ford, der Formel 3, GT, Formel 3000, Formel 1 oder WEC.

Und als Mensch wird er immer ein Pfundskerl sein.

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Über diesen Artikel
Rennserien WEC , Formel 1
Fahrer Mark Webber
Teams Red Bull Racing , Porsche Team
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Tags formel 1, mark webber, wec