24h Dubai 2022: Souveräner Doppelsieg für WRT-Audi

WRT setzt sich bei den 24 Stunden von Dubai gleich doppelt durch - Haufenweise Code 60 - BMW-M4-GT3-Debüt mit Hindernissen

24h Dubai 2022: Souveräner Doppelsieg für WRT-Audi
Audio-Player laden

Das Audi-Team WRT hat bei den 24 Stunden von Dubai einen souveränen Doppelsieg herausgefahren. Beim ersten 24-Stunden-Rennen des Jahres setzten sich Mohammed Saud Fahad Al Saud, Axcil Jefferies, Dries Vanthoor, Christopher Mies und Thomas Neubauer auf dem R8 LMS GT3 Evo I #7 durch.

Ergebnis 24h Dubai 2022

Das Quintett war in dieser Form erst am Donnerstag zusammengestellt worden. Eigentlich war in dem Fahrzeug, bei dem WRT mit dem saudischen Team MS7 kooperiert, Michael Vergers als Fahrer vorgesehen. Er wurde bei der Ankunft in Dubai allerdings positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Daher wurde Jefferies in einer Last-Minute-Aktion engagiert.

Den zweiten Platz sicherte sich der WRT-Audi #31 von Benjamin Goethe, Jean-Baptiste Simmenauer, Frederic Vervisch sowie den Gebrüdern Arnold und Maxime Robin. Rang drei ging an den SPS-Mercedes #75 mit den Fahrern Kenny Habul, Mikael Grenier, Maro Engel und Jules Gounon.

Chaotisches erstes Drittel sorgt für Entscheidung

Die WRT-Audis erarbeiteten sich ihren Vorsprung schon zu Beginn des Rennens. Das erste Renndrittel war gezeichnet von massenweise Code-60-Phasen, dem Äquivalent in der 24h Series zur Full Course Yellow in anderen Langstreckenserien. Die gesamte Strecke darf dann nur noch mit 60 km/h befahren werden.

Der Organisator Creventic hat für diese Situation eine spezielle Regel bezüglich Boxenstopps. Wird unter Code 60 gestoppt, wird nur die halbe Spritmenge nachgetankt. Aus diesem Grunde ist es nicht immer einfach, unter Code 60 die richtige strategische Entscheidung zu treffen.

Der zweitplatzierte WRT-Audi verlor in der Nacht Zeit auf den Sieger

Der zweitplatzierte WRT-Audi verlor in der Nacht Zeit auf den Sieger

Foto: Alexander Trienitz

Dass es dann innerhalb der ersten acht Stunden zu sage und schreibe 14 Code-60-Phasen kam (insgesamt 22), war zu befürchten. 79 Autos auf 5,377 Kilometern führten zu einer enormen Fahrzeugdichte, sodass sich Zwischenfälle zu Beginn nahezu im Minutentakt ereigneten. Zum Vergleich: Die Fahrzeugdichte pro Streckenkilometer entsprach 373 Startern beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

WRT machte in dieser Phase alles richtig und ging als führendes Team aus den ersten acht Stunden bereits mit einem klaren Vorsprung hervor. Die beiden R8 LMS GT3, die noch auf Evo-I-Stand waren (für das neue Evo-II-Paket kam Dubai zu früh), lagen zunächst noch nahe beieinander. Die #7 fuhr sich dank höherem Tempo und eines schnelleren Wechsels der Bremsbeläge während der Nacht einen Vorsprung von einer Runde heraus.

"Wir hatten etwas Glück [bei der Strategie], aber haben uns das auch erarbeitet", sagt Mies unmittelbar nach dem Rennen. WRT leistete sich im ganzen Rennen nicht einen Fehltritt.

HRT verliert Siegchance schon beim ersten Boxenstopp

Das einzige Fahrzeug, das den Speed der Audis mitgehen konnte und die Zielflagge sah, war der HRT-Mercedes #4 (Haupt/Al Qubaisi/Marciello/Metzger; 4.). Die Mannschaft von Hubert Haupt rannte jedoch das ganze Rennen über einem Rückstand hinterher, den man sich nach 45 Minuten eingefangen hatte.

HRT verlor schon in der ersten Stunde zu viel Zeit, um gewinnen zu können

HRT verlor schon in der ersten Stunde zu viel Zeit, um gewinnen zu können

Foto: Alexander Trienitz

In der zweiten Code 60 kam der Mercedes-AMG in Führung liegend zu einem Boxenstopp rein. Die halbe Spritmenge war einkalkuliert. Nicht aber, dass die Tankstelle voll besetzt war. In der 24h Series wird nicht am Boxenplatz nachgetankt, sondern auf einem Freifeld vor der Boxenanlage. Es gilt das Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst".

Raffaele Marciello stellte sich zunächst in die Reihe, doch dann brach das Team den Boxenstopp ab. Der Italiener nahm eine weitere Runde in Angriff, dann ging ihm bei der erneuten Anfahrt zur Box der Sprit aus. Hinzu kam eine Strafe für Verlassen der Strecke mit Vorteil. Diesen Nachteil konnte HRT nie wieder aufholen.

Das Podium verpasste man knapp gegen SPS. Manuel Metzger lieferte sich einen sehenswerten Kampf mit Maro Engel zweieinhalb Stunden vor Schluss. Nach einer Viertelstunde packendem, aber fairem Kampf konnte sich zunächst Metzger durchsetzen. Doch SPS arbeitete an einer besonderen Strategie und sparte sich einen Splash am Ende. Das reichte, um Platz drei zurückzugewinnen, der Vorsprung betrug im Ziel 7,697 Sekunden.

Dahinter folgte mit dem HRT-Mercedes #777 (Al Zubair/Dontje/Stolz/Konrad; 5.) ein weiterer AMG, der sechste Rang ging mit dem Herberth-Porsche #92 (S. Grove/B. Grove/de Pasquale/Müller) an den einzigen Porsche 911 GT3 R in den Top 10.

Im Kampf um P7 ließ der Attempto-Audi #99 (Scholze/Engstler/Aka/Schöll/Hutchison; 7.) den CP-Mercedes #85 (Putman/Espenlaub/Quaife/Lewis; 8.) um lediglich 1,582 Sekunden im Ziel hinter sich. CP Racing kämpfte weit über seiner Gewichtsklasse, denn das Team mit den Initialen von Charles Putman war in der GT3-Am gemeldet, die man souverän gewann.

 

Mit zwei Runden Abstand folgte mit dem SPS-Mercedes #20 (Pierburg/Kurtz/Loggie/Jufall; 9.) das zweitplatzierte Fahrzeug der GT3-Am, erst auf Gesamtrang zehn fand sich mit dem MP-Mercedes #19 (H. de Jong/D. de Jong/de Heus/van Lagen) der Klassensieger der GT3-Pro-Am.

BMW M4 GT3 mit Kinderkrankheiten

Am Ende waren ausschließlich deutsche Hersteller in den Top 15 zu finden. Das lag unter anderem daran, dass der Barwell-Lamborghini #77 (Amstutz/Ineichen/Breukers/Bortolotti; DNF) die Zielflagge nicht sah.

Nachdem man aus dem ersten Renndrittel ebenfalls mit einem strategisch bedingten Nachteil herausgekommen war, machte der Lamborghini in der Nacht sukzessive Zeit gut. Mirko Bortolotti drehte in 1:59.110 Minuten die mit Abstand schnellste Runde des Rennens - die Nächste war eine halbe Sekunde langsamer. In den Morgenstunden musste Adrian Amstutz mit Elektronikproblemen aufgeben.

Ein Debakel erlebte das Team Dinamic Motorsport, das mit Hoffnungen auf den Sieg angereist war. Beide Porsche 911 GT3 R schieden mit Unfällen aus. Murad Sultanow beendete das Rennen für den Dinamic-Porsche #54 (Minski/Dienst/Sultanow/Seefried/Bachler; DNF) nach fünf Stunden, als er in der Mauer landete.

 

In der achten Stunde erwischte es dann das Schwesterfahrzeug #67 (Pampanini/Calamla/Monaco/Cairoli; DNF). Matteo Cairoli hatte einen schweren Unfall mit dem KTM X-Bow GTX #714 von Robert Schiftner. Beide Fahrer blieben unverletzt, die Fahrzeuge wurden aber so schwer beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr möglich war.

Auch die brandneuen BMW M4 GT3 kamen nicht ohne Probleme über die Distanz. Der Schubert-BMW #30 (Yelloly/Witt/Lenerz/Liebhauser; 38.) hatte auf Platz fünf liegend eine Kollision. Die Reparatur der Aufhängung kostete 85 Minuten. Danach war das Rennen ein Testeinsatz.

Die beiden M4 GT3 von ST Racing kamen ebenfalls nicht ohne Probleme über die Distanz. Die #28 (Miller/Wittmer/Montour/Hull/Gottsacker; 21.) überhitzte, weil die nicht gerade kleinen Kühlöffnungen des BMWs sich mit Styropor von den Schildern an der Strecke zusetzten. P21 war das beste Ergebnis beim ersten offiziellen Renneinsatz des BMW M4 GT3 außerhalb der Erprobungsphase.

Für den BMW M4 GT3 lief der erste Renneinsatz in Kundenhand nicht problemlos

Für den BMW M4 GT3 lief der erste Renneinsatz in Kundenhand nicht problemlos

Foto: Alexander Trienitz

Der ST-BMW #1 (Tan/Morris/Lazzaro/Gottsacker/Maxson; 24.) kam ebenfalls nach einem längeren Boxenstopp ins Ziel. Hier hatte sich der Luftfilter mit Sand zugesetzt - ein Problem, das man nicht sofort fand und deshalb 16 Runden verlor. Am Samstagvormittag herrschte ein leichter Sandsturm.

Die 24 Stunden von Dubai waren der Saisonauftakt zur 24h Series 2022, die über acht Rennen geht. Schon in der kommenden Woche steht am 21. und 22. Januar der nächste Lauf mit den 6 Stunden von Abu Dhabi auf dem Programm.

Weitere Klassensieger 24h Dubai 2022

992-Pro: Team GP-Elite #934 (Groeneveld/J. van Kuijk/D. van Kuijk/van Splunteren) - Porsche 911 GT3 Cup

992-Am: HRT Performance #929 (H. Skoog/P. Skoog/Persson/Bergström) - Porsche 911 GT3 Cup

GTX: PK Carsport #704 (Guelinckx/B. Longin/S. Longin/Lowette) - Audi R8 LMS GT2

991: Bas Koeten Racing #991 (Bessem/Hilders/Herber/Meijer) - Porsche 911 GT3 Cup

GT4: Dragon Racing #408 (R. Goethe/O. Goethe/Hall/Grogor) - Mercedes-AMG GT4

TCR: BBR #159 (Kusiri/Kusiri/Asiralertsiri/Sathienthirakul/Promsombat) - Cupra TCR DSG

TCX: Les Deux Arbres (S. Zacchla/P. Zacchla/Leconte/Lepesqueux/Bouchut) - Ligier JS2 R

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

geteilte inhalte
kommentare
Herberth Motorsport: Das steckt hinter dem "geilen Sound" in der 24h-Series
Vorheriger Artikel

Herberth Motorsport: Das steckt hinter dem "geilen Sound" in der 24h-Series

Nächster Artikel

Gesamtsieg bis Kernschrott: ADAC GT Masters-Teilnehmer in Dubai

Gesamtsieg bis Kernschrott: ADAC GT Masters-Teilnehmer in Dubai
Kommentare laden