Antworten zum undurchsichtigen IGTC-Finale: Wie Honda den Sieg verlor

Das vielleicht noch größere Rätsel als BMW vs. Audi war, warum Honda von P1 auf P4 zurückfiel - Wie ein eklatanter Strategiefehler im Livestream nicht erkannt wurde

Antworten zum undurchsichtigen IGTC-Finale: Wie Honda den Sieg verlor

Die Zuschauer gingen mit großen Fragezeichen aus den 9 Stunden von Kyalami heraus. Warum fuhr ein Audi mitten in der FCY auf die Seite, um einen BMW passieren zu lassen, was Rennen und Titel entschied? Und warum fiel der Honda so weit zurück?

Hier analysieren wir letztere Frage. Es zeigt sich, dass JAS sich den Sieg selbst gekostet hat und nicht - wie es im Livestream irrtümlich behauptet wurde - ein langsam fahrender Mattia Drudi.

Warum hat Honda nicht gewonnen?

Als sich Bertrand Baguette sich seinem Frust über den schleichenden Car-Collection-Audivon Mattia Drudi im TV-Interview Luft machte, übersah er, dass das Kind längst in den Brunnen gefallen war.

Den Fehler hat das JAS-Team nämlich schon wesentlich früher gemacht: Beim Wechsel von Slicks auf Regenreifen 80 Minuten vor Schluss. Hierzu muss man ein wenig in die Boxenstoppregeln eintauchen. Jeder Boxenstopp ist zeitlich genormt. Es gibt jedoch für jedes Team eine gewisse Anzahl von "Joker"-Boxenstopps, die nicht an die Mindeststandzeit gebunden sind.

Dabei darf man allerdings nicht tanken. Diese Joker-Stopps sind insbesondere für den Wechsel von Slicks auf Regenreifen und umgekehrt vorgesehen. Jedoch ist man nicht gezwungen, diesen Joker in Anspruch zu nehmen. Man kann den Wechsel auch mit einem normalen Stopp kombinieren. Der Joker ist eher für den Fall gedacht, dass ein Auto gerade an der Box war und nun auf Regenreifen wechseln muss.

Und hier hat das Honda-Team den rennentscheidenden Fehler gemacht: Man nahm den Joker in Anspruch und wechselte lediglich die Reifen. Walkenhorst und WRT hingegen kombinierten den Boxenstopp 80 Minuten vor Schluss mit einem regulären Service. Sie hielten also die Mindeststandzeit und standen länger, bekamen aber einen vollen Tank.

Der Honda NSX GT3 musste hingegen nochmal an die Box kommen, um aufzutanken. Das tat JAS zeitgleich mit Walkenhorst 62 Minuten vor Schluss. Der Honda war nun aber an die Mindeststandzeit gebunden, während der Walkenhorst-BMW #34 Warum BMW und nicht Audi das Rennen gewann nur durch die Box fuhr, um die Fahrzeit zu reseten. Mit anderen Worten: Man hat den Stopp von Regen- auf Trockenreifen zuvor zusätzlich eingelegt!

Honda wurde hier außerdem zum Verhängnis, dass nach dem Stopp 80 Minuten vor Schluss, wo man Zeit gespart hatte, die FCY in eine SC-Phase umgewandelt wurde. Dadurch verlor der Honda einen zwischenzeitlichen Vorsprung von 25 Sekunden.

Doch selbst mit diesem Polster hätte es niemals zum Sieg gereicht - und der Rennleiter hat schon zuvor stets nach einer FCY auf SC geschaltet. Das hätte Honda antizipieren müssen.

Bertrand Baguette, Renger van der Zande, Mario Farnbacher

Acht der neun Stunden war der JAS-Honda dominant

Foto: SRO

Womöglich ist JAS einem Denkfehler aufgesessen: Man verzichtete beim Stopp 80 Minuten vor Schluss aufs Nachtanken, weil man nicht 80 Minuten mit einer Tankfüllung schaffen würde. Das gilt aber nur für den Rennbetrieb. Beim Zuckeln mit 80 km/h dürfte die Reichweite der Tanks mehrere Stunden betragen haben. Und das Problem mit der maximalen Stintzeit von 65 Minuten ließ sich durch "Reseten" der Uhr mittels einfacher Boxendurchfahrt regeln.

Dass der Honda nach seinem letzten Stopp rundenlang hinter dem langsamen Mattia Drudi unter FCY festhing, spielte bereits gar keine Rolle mehr. Denn der Honda war alleine durch den Boxenstopp aus den Podiumsplätzen gefallen. JAS hat sich selbst um den Sieg gebracht.

Warum herrschte so eine Konfusion?

Einen Anteil daran, dass die Situation im Livestream nicht ausreichend aufgeklärt wurde, hatten die Kommentatoren. Sie haben den "Full Service" des Hondas 62 Minuten nicht richtig eingeordnet. Zwar wurde der Boxenstopp entsprechend als solcher kommentiert, aber augenscheinlich war den Kommentatoren nicht bewusst, dass der Honda durch diesen Stopp gerade das Rennen verliert.

Es hieß: "Sie müssen nun warten, bis alle anderen ihren Stopp einlegen, um wieder in Führung zu gehen." Allerdings gab es gar keinen weiteren Boxenstopp mehr zu diesem Zeitpunkt für die anderen Fahrzeuge. Sie mussten nur einmal durch die Box fahren, um ihre Fahrzeit zu reseten.

Dass der Honda dann hinter dem langsam fahrenden Mattia Drudi hängen blieb und dies durch Rundenzeiten zu verifizieren war, erweckte bei den Kommentatoren den Eindruck, dass das Rennen hier erst verloren ginge.

Dass Bertrand Baguette sich im Interview bei 46 Minuten Restzeit so aufregte, hat diesen Eindruck beim Zuschauer nur noch bestärkt. Weder den Kommentatoren noch Bertrand Beguette war klar, dass das Rennen für Honda schon vorher verloren gewesen ist.

Warum waren die Autos unter FCY so unterschiedlich schnell?

Die Bedingungen waren so katastrophal, dass die Fahrzeuge teils gar nicht den FCY-Speed von 80 km/h halten konnten! "Manche Leute sind mit 50 statt 80 km/h gefahren", sagt Walkenhorst-Teammanager Königbauer gegenüber 'Motorsport.com'.

"Wir hatten unter FCY teilweise Zeitenunterschiede von 20 Sekunden! Wer hier etwas mehr Mut hatte, konnte durchaus etwas aufholen."

Der Audi schien besonders empfindlich auf Aquaplaning zu reagieren - das zeigt nicht zuletzt der Dreher von Mattia Drudi nach dem Restart 68 Minuten vor Schluss. Das könnte erklären, warum der junge Italiener unter FCY so langsam gefahren ist.

Mit Bildmaterial von SRO.

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