"Bullshit-Driving": Gounon rechnet knallhart mit van der Linde ab
Das 12h-Rennen von Bathurst endet im Chaos - Mercedes-Pilot Jules Gounon erhebt schwere Vorwürfe gegen Kelvin van der Linde
Jules Gounon tobt nach den 12h von Bathurst
Foto: Gruppe C Photography
12h von Bathurst endete mit einem Streit - allerdings nicht sportlicher Natur. Nach einer Kollision im Kampf um den Sieg finden Jules Gounon und Kelvin van der Linde keinen gemeinsamen Nenner. Während Gounon wütet, rechtfertigt van der Linde sein Alles-oder-Nichts-Manöver.
Der Mount Panorama ist bekannt für seine Dramen, doch das diesjährige Rennen der Intercontinental GT Challenge (IGTC) hinterlässt einen besonders bitteren Beigeschmack. Im Zentrum der Kontroverse: Gounon (75 Express Mercedes-AMG) und van der Linde (Team WRT BMW), die sich 40 Minuten vor Ende der 12-Stunden-Hatz gegenseitig um die Siegchancen brachten.
Der Auslöser: Taktik-Poker vs. Brechstange
Die Ausgangslage nach der neunten und letzten Safety-Car-Phase war hochexplosiv. Während Gounon auf frischen Reifen und mit vollem Tank zum Angriff blies, verteidigte van der Linde die Führung mit stumpfen Waffen. Der BMW-Pilot war zuvor durch einen strategischen Kniff ohne Stopp an die Spitze gespült worden, schleppte aber alte Pneus und eine strikte Spritvorgabe mit sich herum.
Beim Restart in Kurve 1 sah Gounon seine Chance und setzte innen an - dann krachte es. Der Mercedes rutschte ab, der BMW wurde schwer beschädigt. Nutznieser war die GruppeM-Mannschaft, die lachend vorbeizog und den Sieg einfuhr.
Gounon tobt: "Wie er es immer tut"
Für Jules Gounon, der am Ende nur auf Rang sieben ins Ziel humpelte, war die Schuldfrage bereits unmittelbar nach dem Aussteigen geklärt. Der Franzose sparte nicht mit scharfer Kritik am Fahrstil seines Konkurrenten.
"Für mich ist klar: Die FIA-Regularien besagen überall auf der Welt, dass man sich unter der Bremse nur einmal bewegen darf", so ein sichtlich bedienter Gounon gegenüber Sportscar365. "Er hat sich auf der Geraden einmal nach links bewegt und zog dann wieder nach rechts zurück."
Gounon fühlte sich in eine Falle manövriert, aus der es kein Entkommen gab: "Ich dachte, ich hätte meine Chance, weil ich einen sehr guten Restart hatte. Mit der Power des BMW ist es verdammt schwer, sie zu überholen. Ich setzte zum Manöver an, er sah es, reagierte und zog nach innen. Ich war aber schon im ABS-Bereich und konnte nichts mehr tun, außer ihn zu treffen."
Das Fazit des Mercedes-Stars fiel vernichtend aus: "Es ist einfach Bullshit-Driving von seiner Seite, so wie er es immer tut. Heute hat uns das den Sieg gekostet."
Van der Linde verteidigt "15-Prozent-Chance"
Kelvin van der Linde, dessen BMW M4 GT3 nach dem Kontakt sogar die Spiegelei-Flagge (technischer Defekt) sah und auf Platz 13 zurückfiel, zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt. Für ihn war das aggressive Verteidigen die einzige Option, um den unwahrscheinlichen Siegtraum am Leben zu erhalten.
"Wir kämpfen hier um eines der größten Langstreckenrennen im Kalender und haben ein massives Risiko heraufbeschworen, um das Auto überhaupt in diese Position zu bringen", rechtfertigt sich der Südafrikaner.
Er gab zu Protokoll, dass er von Gounons kompromisslosem Vorgehen überrascht war: "Ehrlich gesagt habe ich von ihm erwartet, dass er weiß, dass er frischere Reifen und zu diesem Zeitpunkt wohl das deutlich schnellere Auto hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er in Kurve 1 alles auf eine Karte setzt."
Dass der BMW am Ende gegen die versammelte Elite ohnehin kaum eine Chance gehabt hätte, ist van der Linde bewusst - doch bereuen will er den Versuch nicht.
"Realistisch gesehen lagen unsere Chancen bei etwa 15 Prozent, aber für so ein großes Rennen muss man das Risiko eingehen. Es hat am Ende nur eine Kurve gehalten, was schade ist. Aber wir können zumindest nach Hause gehen und sagen, dass wir es versucht haben."
Keine Strafen, aber tiefe Gräben
Die Rennleitung sah trotz der heftigen Vorwürfe von Gounon von einer Bestrafung ab und wertete die Kollision als Rennunfall. Während die GruppeM-Mercedes-Crew den Sieg feierte, blieb den beiden Protagonisten nur der Frust.
Besonders pikant: Van der Linde verwies auf das Schwesterauto mit der Startnummer 46 (Farfus/Marciello/Rossi), das ein fast perfektes Rennen fuhr und dennoch "nur" Dritter wurde. Ein Indiz dafür, dass der BMW an diesem Tag aus eigener Kraft wohl kaum für den Sieg gut gewesen wäre - was Gounons Zorn über das zerstörte Rennen nur noch weiter befeuern dürfte.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.