IGTC 8h Indianapolis: Audi-Sieg nach Ferrari-Pech in turbulentem Rennen

Sainteloc-Audi gewinnt die 8 Stunden von Indianapolis nachdem der führende AF-Corse-Ferrari in der letzten Stunde nach zuvor starkem Manöver crasht

IGTC 8h Indianapolis: Audi-Sieg nach Ferrari-Pech in turbulentem Rennen

Christopher Haase, Markus Winkelhock und Patric Niederhauser im Audi R8 LMS GT3 von Sainteloc Racing haben am Sonntag die zweite Auflage der 8 Stunden von Indianapolis, das zweite Rennen der Saison 2021 der Intercontinental-GT-Challenge (IGTC), für sich entschieden.

FOTOS: 8h Indianapolis 2021

41 Autos traten auf dem Grand-Prix-Kurs im Infield des Indianapolis Motor Speedway an, elf davon kämpften in der Topklasse um den Gesamtsieg im Rennen.

ERGEBNIS: 8h Indianapolis 2021

Es war ein turbulentes Rennen mit zahlreichen Gelbphasen, von deren Timing mehr als einmal das jeweils führende Auto auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Eine halbe Stunde vor Schluss schienen die Positionen bezogen und es lief auf einen Ferrari-Sieg hinaus. Doch dann kam es anders.

 

Beim IGTC-Saisonauftakt, der in diesem Jahr erst Ende Juli in Form der 24 Stunden von Spa stattfand, hatte sich der Ferrari mit der Startnummer 51 durchgesetzt. Im damals von Iron Lynx eingesetzten 488 GT3 waren Alessandro Pier Guidi, Nicklas Nielsen und Come Ledogar zum Sieg gefahren.

Ferrari und Mercedes von Gelb auf falschem Fuß erwischt

In Indianapolis nun startete das Trio Pier Guidi/Nielsen/Ledogar von der Pole, wobei der Ferrari diesmal nicht unter der Nennung von Iron Lynx, sondern von AF Corse lief. Pier Guidi gewann den Start, der durchaus turbulent verlief. Anschließend bestimmte der Italiener das Geschehen bis zum ersten Fahrerwechsel, der während der zweiten Gelbphase vorgenommen wurde. Aufgrund unglücklichen Timings dieser Gelbphase fiel der #51 AF-Corse-Ferrari aber ans Ende der Top 10 zurück.

Für kurze Zeit übernahm der #71 AF-Corse-Ferrari, gefahren von Callum Ilott, Antonio Fuoco und Alessio Rovera, das Kommando im Rennen. Aber: Aufgrund eines Vergehens beim Boxenstopp (Tanken, als das Auto aufgebockt war) gab es eine Durchfahrtsstrafe. Die Spitze übernahm der ASP-Mercedes (Raffaele Marciello, Daniel Juncadella, Timur Boguslawski). Diesem Auto ereilte aber das gleiche Schicksal wie dem von der Pole gestarteten Ferrari.

Das Timing der dritten Gelbphase passte der ASP-Crew überhaupt nicht. Während andere unter Gelb an die Box kamen, musste Spitzenreiter Juncadella eine Runde länger warten. So verlor der Mercedes die Führung aus dem gleichen Grund wie es zuvor dem #51 Ferrari widerfahren war.

Kollision Mercedes vs. Audi im Kampf um P2

Während der Sainteloc-Audi (Christopher Haase, Markus Winkelhock, Patric Niederhauser) die Spitze übernahm, standen sich die Verfolger gegenseitig im Weg. Denn im Kampf um die zweite Position kollidierten Maro Engel im Craft-Bamboo-Mercedes (Engel/Stolz/Gounon) und Charles Weerts im WRT-Audi (Vanthoor/Weerts/Mies) in Kurve 11 am Ende des Infields. Für den Audi gab es eine Durchfahrtsstrafe. Später im Rennen gab es mit Christopher Mies am Steuer noch eine Kollision mit einem GT4-Auto in der Einfahrt zur Boxengasse.

 

Indes gab es kurz nach der Kollision zwischen Engel und Weerts eine enge Szene in Kurve 13 zwischen Markus Winkelhock im führenden Sainteloc-Audi und Alessio Rovera im aufholenden #71 AF-Corse-Ferrari. Alles ging gut und der Ferrari holte sich die Führung im Rennen zurück. Und: Auch für diesen Audi gab es wenig später eine Durchfahrtsstrafe. Grund: Unterschreitung der Mindestzeit bei einem Boxenstopp.

Im Ferrari-Lager befand sich neben dem 488 GT3 mit der Startnummer 71 auch das von der Pole gestartete Schwesterauto mit der Startnummer 51 auf Aufholjagd. Die wurde an zweiter Stelle liegend kurzzeitig unterbrochen, als es in Kurve 13 eine Kollision mit einem überrundeten GT4-Auto gab, die für Ferrari-Pilot Nicklas Nielsen in einem Dreher endete. Obendrein gab es noch eine Stop-and-Go-Strafe, weil die Rennkommissare Nielsen als Verursacher der Kollision ausmachten. Raus aus der Entscheidung war man damit aber noch nicht.

Callum Ilott: Starkes Manöver bringt Führung - Missverständnis kostet Sieg

Nachdem in der zweiten Rennhälfte vorübergehend der Craft-Bamboo-Mercedes, der Sainteloc Audi und der ASP-Mercedes Führungsarbeit verbucht hatten, schien die Vorentscheidung gefallen zu sein.

Denn nachdem man boxenstoppbedingt die Führung wieder verloren hatte, machte Callum Ilott als Schlussfahrer im #71 AF-Corse-Ferrari von sich reden. Mit einem beherztem Manöver im Infield kurz nach einem der zahlreichen Restarts ging das GT-Greenhorn sowohl an Raffaele Marciello im ASP-Mercedes als auch an Patric Niederhauser im Sainteloc-Audi vorbei und damit in Führung.

 

Eine halbe Stunde vor Schluss führte Ilott noch immer und schien dem Sieg für sich und seine Kollegen Antonio Fuoco und Alessio Rovera entgegen zu fahren. Dann aber kam es zu einem folgenschweren Missverständnis. Am Ende der Start/Ziel-Gerade fuhr der Aston Martin von Automatic Racing aus der GT4-Klasse, der zum wiederholten Mal zur Überrundung anstand.

Spitzenreiter Ilott entschied sich für das Überrundungsmanöver vor Kurve 1 aber nicht für die Innenbahn. Stattdessen probierte er, sich auf der Außenbahn zwischen dem Aston Martin und der Außenmauer durchzuquetschen. Die Lücke war zu eng, es kam zur Kollision und damit war der führende Ferrari draußen.

 

Die Führung erbte ein Audi, und zwar jener von WRT mit Dries Vanthoor, Charles Weerts und Christopher Mies, der in der ersten Rennhälfte mit dem Craft-Bamboo-Mercedes kollidiert war und eingangs der zweiten Rennhälfte die Kollision mit einem GT4-Porsche in der Boxeneinfahrt hatte. Mit dem Sieg wurde es aber auch für WRT nichts, denn 26 Minuten vor Schluss des Rennens gab es eine Durchfahrtsstrafe. Als Begründung wurde ein "Nichtbefolgen von Instruktionen" angegeben.

So übernahm schließlich der Sainteloc-Audi mit Schlussfahrer Patric Niederhauser die Spitze. Und die gab er bis ins Ziel nicht mehr ab. Auf dem zweiten Platz mit zwölf Sekunden Rückstand kam der ASP-Mercedes mit Marciello/Juncadella/Boguslawski ins Ziel. Den dritten Platz belegten Jordan Pepper, Andrea Caldarelli und Mirko Bortolotti im ersten der beiden K-PAX-Lamborghini.

Der von der Pole gestartete #51 AF-Corse-Ferrari mit Pier Guidi/Nielsen/Ledogar kam nach der umstrittenen Strafe infolge der Kollision von Nicklas Nielsen beim Überrunden nur auf P4 der Topklasse ins Ziel. Und der WRT-Audi mit Vanthoor/Weerts/Mies schloss nach der späten Durchfahrtsstrafe auf P5 ab.

Der zweite WRT-Audi (Robin Frijns, Nico Müller, Mattia Drudi) wurde schon in der ersten Stunde des Rennen vom Inception-McLaren aus der Pro-Am-Klasse (Iribe/Madsen/Millroy) abgeräumt. Am 720S GT3 hatte es wiederholt Bremsprobleme gegeben, so auch am Ende der Start/Ziel-Gerade, wo der Audi unglücklich mitgerissen wurde.

 

Während Haase/Winkelhock/Niederhauser im Sainteloc-Audi das turbulente Rennen für sich entschieden, ging auch der Klassensieg im Silver-Cup an Sainteloc Racing. Hier setzten sich Aurelien Panis, Lucas Legeret und Nicolas Baert in ihrem Audi R8 durch. Im Gesamtklassement des Rennens belegten sie den starken vierten Platz noch vor den Polesettern von AF Corse.

Der Sieg in der Pro-Am-Klasse ging an Dennis Olsen, Kyle Washington und James Sofronas im GMG-Porsche. Und die GT4-Klasse wurde gewonnen von Bill Auberlen, James Clay und Chandler Hull im BimmerWorld-BMW.

Mit den 9 Stunden von Kyalami am 4. Dezember geht die IGTC-Saison 2021 nach nur drei von ursprünglich mal fünf geplanten Rennen zu Ende. Sowohl die 12 Stunden von Bathurst als auch die 10 Stunden von Suzuka wurden aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgesagt.

Mit Bildmaterial von SRO.

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