Nächster AMG-Pilot: Aron erleidet bei 27g-Crash in Bathurst Rückenfrakturen
Ralf Aron meldet sich nach seinem Bathurst-Horrorcrash aus dem Krankenhaus: Wie es ihm geht, warum er Konsequenzen fordert und in welche Serie er sich einreiht
Ralf Aron kracht mit voller Wucht in den Porsche von Johannes Zelger
Foto: YouTube/GT YouTube/GT
Nach dem Horrorunfall von Mercedes-AMG-Werksfahrer Ralf Aron beim 12h-Klassiker von Bathurst gibt es jetzt erste Details über seinen Gesundheitszustand: Der 27-jährige Craft-Bamboo-Pilot hat sich bei seinem Frontalcrash mit dem Tsunami-RT-Porsche von Johannes Zelger zwei Frakturen am Rücken zugezogen. Dabei war Aron laut Angaben des Teams einer Verzögerung von 27g, also dem 27-fachen Körpergewicht, ausgesetzt.
"Angesichts der Umstände geht es mir gut, und mein Zustand ist stabil", meldet sich Aron in einer Nachricht auf Instagram erstmals nach dem Unglück zu Wort. "Ich habe zwei Brüche im Rücken erlitten, aber ich kann meinen Körper wieder vollständig bewegen und habe auch mein Gefühl zurück, wofür ich sehr dankbar bin", so der Este, der sich für die vielen Nachrichten und die Unterstützung bedankt.
"Besonders danken möchte ich auch dem medizinischen Team vor Ort, das sich unmittelbar nach dem Unfall um mich gekümmert hat", schreibt Aron, der in einer Klinik behandelt wird. "Ihre Professionalität und schnelle Reaktion haben einen großen Unterschied gemacht."
"Situation in Bathurst war ernst": Aron fordert Konsequenzen
Zudem sei er "sehr froh, dass Johannes Zelger den Unfall unverletzt überstanden hat", verweist Aron auf den Italiener, der sich an der unübersichtlichen Stelle gedreht hatte und dessen Porsche auf der Strecke stand, als die von ihm angeführte Spitzengruppe herannahte.
Der Craft-Bamboo-Mercedes-Pilot konnte nicht mehr ausweichen und knallte mit voller Wucht in den Porsche. Aron konnte zwar aus eigener Kraft aussteigen, legte sich dann aber neben der Strecke auf den Rücken, wodurch der Verdacht auf Verletzungen bestand. Das Rennen musste abgebrochen werden.
Aron schreibt, er sei sich der "Risiken bewusst", auf Straßenkursen zu fahren, aber "die Situation in Bathurst war ernst. Aus diesem Grund möchte ich mich mit der Rennleitung treffen und offen diskutieren, um meine Erfahrungen und meine Sichtweise zu teilen", kündigt er an.
Warum gab es keine gelben Flaggen?
"Es geht nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Es geht darum, zu verstehen, was passiert ist, und sicherzustellen, dass wir solche Situationen in Zukunft verhindern können, damit das Rennen auf dieser schönen Strecke für alle so sicher wie möglich ist."
Was Aron damit meint? Nach dem Crash gab es heftige Diskussionen, dass die Piloten offenbar nicht ausreichend gewarnt wurden: Am vorletzten Streckenposten vor dem Unfall wurden keine Flaggensignale gezeigt. Erst am Posten direkt bei den verunfallten Fahrzeugen wurde Doppelt Gelb geschwenkt.
Zudem hatte Aron Probleme mit dem Funk, wodurch er kaum Chancen hatte, den folgenschweren Crash zu verhindern.
Siebter AMG-Crash mit Rückenverletzungen seit 2022
Auffällig: Arons Unglück reiht sich als siebter Pilot in eine Serie von Crashes mit dem Mercedes-AMG GT3 ein, bei denen es ebenfalls zu schweren Rückenverletzungen kam.
Den Anfang machte am 6. Mai 2022 der Nürburgring-Crash von Manuel Metzger beim zweiten Qualifying für das Qualifiers-Event, bei dem es zur Fraktur eines Brustwirbel kam. Am 28. August 2022 erwischte es Mercedes-Werksfahrer Jules Gounon, der sich in der IMSA-Serie in Virginia den vierten und fünften Brustwirbel brach.
Am 8. Oktober 2022 donnerte der damalige Winward-Mercedes-Pilot David Schumacher beim DTM-Samstagsrennen in Hockenheim in Folge einer Kettenreaktion frontal gegen eine Betonmauer und brach sich dabei den ersten Lendenwirbel. Am 31. Januar 2023 krachte Lucas Auer beim ersten Training für das 24h-Rennen von Daytona ebenfalls frontal in eine Betonmauer und zog sich Lendenwirbel-Brüche zu.
Am 29. Juni 2023 verlor der 50-jährige australische SunEnergy1-Teambesitzer Kenny Habul beim Pre-Qualifying für die 24 Stunden von Spa-Francorchamps in der Eau Rouge die Kontrolle über seinen Mercedes, schlug mit der linken Front in die Mauer ein und brach sich den ersten Lendenwirbel.
Und genau vor einem Jahr traf es den 58-jährigen Teambesitzer Stephen Grove in Bathurst, als dessen Mercedes-AMG GT3 nach einer Kollision mit Landsmann Habul in die Luft katapultiert wurde und hart am Asphalt aufschlug. Auch wenn es zunächst hieß, er habe keine schweren Verletzungen erlitten, spricht er auf der australischen Website V8 Sleuth von einer Wirbelkörperfraktur eines Brustwirbels.
Aron bedankt sich bei Mercedes-AMG
Der Mercedes-AMG GT3 verfügt - anders als die meisten GT3-Autos - über eine besonders robuste Kohlefaser-Sitzkiste mit Sechspunktgurt, die mit dem Stahl-Überrollkäfig und der Aluminium-Fahrzeugstruktur verschraubt ist. In sie wird die an den Piloten angepasste Sitzschale hineingeschäumt.
Mercedes-AMG hatte nach Auers Unfall Anfang 2023 eine Untersuchung eingeleitet und höhere Sicherheitsvorkehrungen angekündigt, um weitere Verletzungen zu verhindern. Ob all das bei Arons Unfall eine Rolle gespielt hat, ist Stand heute unklar.
Aron, der von Leidensgenosse Auer ins Krankenhaus begleitet wurde, bedankt sich jedenfalls bei Mercedes-AMG dafür, "dass sie ein so starkes Auto gebaut und mir den Schutz gegeben haben, der es mir ermöglichte, aus eigener Kraft auszusteigen".
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