Analyse

Formel 1

Williams-Team laut Villeneuve schon "tot": Welche Köpfe rollen bald?

Es sei "ein großer Fehler" gewesen, Claire Williams zur Teamchefin zu machen, findet Jacques Villeneuve - Krise wird zum Überlebenskampf

Christian Nimmervoll Oleg Karpov

Veröffentlicht: 11.07.2018, 17:28

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Claire Williams, Stellvertretende Teamchefin, Williams; Paddy Lowe, Williams Formula 1

Ganze vier Punkte hat das Williams-Team in der Formel-1-Saison 2018 bisher gesammelt. Zum Vergleich: Sauber, auf dem vorletzten Platz der Konstrukteurs-WM, hat schon viermal so viel, nämlich 16. Kein Wunder, dass die Kritiker langsam aus ihren Löchern kommen und mit Steinen werfen. Einer davon ist Jacques Villeneuve.

Auf unsere Frage, ob er Chancen für Williams sieht, wieder nach vorne zu kommen, entgegnet er: "Nein! Das Team ist tot." Er zögert: "Ich sehe nichts ... Es gibt einfach kein Management." Dazu muss man wissen: Villeneuve war 1997 zwar der bisher letzte Williams-Weltmeister, hat beim Team aber Hausverbot, seit er Lance Stroll immer wieder medial angegriffen und ihn sogar als schlechtesten Formel-1-Rookie aller Zeiten bezeichnet hat.

Villeneuve, das ist kein Geheimnis, hat kein besonders gutes Verhältnis zu Teamchefin Claire Williams. Er vertritt die Meinung, dass ihr Frank Williams nie die Kontrolle übertragen hätte sollen: "Es gab damals ja auch eine Alternative: entweder eine Erbin - oder einen Erben. Und sie haben Claire anstelle von Jonathan gewählt. Ein großer Fehler! Man muss ja nur schauen, wo das Team heute steht."

Frank Williams hat drei Kinder: die beiden Söhne Jonathan und Jamie und eben Claire. Claire lernte ihr Motorsport-Handwerk als Pressesprecherin des Formel-1-Teams. Jonathan war eine Zeit lang Miteigentümer des iSport-GP2-Teams, in dem unter anderem Timo Glock seinen Durchbruch in die Formel 1 geschafft hat.

 

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Als es galt, einen künftigen Teamchef für den Formel-1-Rennstall zu bestimmen, fiel die Wahl auf Claire. Jonathan, so ist es überliefert, wurde von seinem Vater für zu schwach gehalten, seine Nachfolge anzutreten. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass jetzt auf der Suche nach einem "starken Mann" viele von Jonathan sprechen.

"Wenn es in einem Team so läuft", sagt Villeneuve im Interview mit 'Motorsport-Total.com', "musst du dir zuerst die Spitze der Pyramide ansehen. Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an. Die sind ja komplett blind, wenn es darum geht, überhaupt zu realisieren, wo das Team steht. Man muss zugeben können, dass man Mist gebaut hat. Ich sehe nicht, wie das Team da wieder rauskommen soll. Ich sehe es einfach nicht."

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Köpfe rollen. Viele würden am liebsten Claire Williams und Paddy Lowe zuallererst absägen - aber das sind die, die gerade davon sprechen, dass sie die Umstrukturierung selbst leiten wollen. Claire Williams redet davon, dass "harte Entscheidungen" getroffen werden müssen. Aber man werde sich dafür Zeit lassen.

Anstatt Superhirne von außen einzukaufen, möchte sie intern bei Williams nach frischen Talenten suchen und diese fördern. Für sie steht fest: "Es ist wahrscheinlich ziemlich klar, dass die Aerodynamik der Schlüssel ist." Das fällt in Lowes Verantwortungsbereich - und der sitzt laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' nicht mehr fest im Sattel.

Alexander Wurz, Berater des Williams-Teams, sagt im 'ORF': "Wenn du nach der alten Methode weiterentwickelst, die zu einem sehr schlechten Auto geführt hat, wird sich nix bewegen. Da musst du schon einen Reset drücken in der Aerodynamik-Abteilung." Was er damit konkret meint (oder wen er damit meint), lässt er offen.

Lowe räumt offen ein, dass die aktuelle Situation "in vielerlei Hinsicht" die schwierigste Herausforderung seiner Karriere ist, und er gibt sogar zu, sich bereits bei den Fahrern dafür entschuldigt zu haben, ihnen kein anständiges Rennauto gebaut zu haben. Der vorläufige Tiefpunkt war das Heimrennen in Silverstone, wo Stroll/Sirotkin den FW41 kaum auf der Strecke halten konnten.

Auf Nachfrage, ob er das Gefühl habe, dass seine Position im Team sicher sei, antwortet Lowe: "Ja. Ich werde weiterarbeiten, so hart ich kann. Volles Engagement." Gleichzeitig gibt er zu: "Ich würde heute das eine oder andere anders machen als noch vor einem Jahr. Aber ich denke, das ist oft so im Leben."

Ob nun Claire Williams gehen muss, Paddy Lowe oder auch wer anderer: Die sportliche Krise des Williams-Teams ist gleichzeitig eine Existenzkrise. Denn Ende 2018 geht das Budget von Titelsponsor Martini verloren (zehn Millionen Euro), und der Totalabsturz in der Konstrukteurs-WM vom fünften auf den letzten Platz wird ebenfalls teuer (weitere 20 Millionen).

Das wird "unweigerlich", räumt sogar Claire Williams ein, Auswirkungen haben. Zumal das Team finanziell gesehen schon jetzt nicht auf Rosen gebettet ist. Und wenn zum 30-Millionen-Minus dann auch noch einer der beiden Paydriver abspringen sollte, wäre das fast schon ein Todesurteil. Oder zumindest das allerletzte Alarmsignal, dass es so nicht weitergehen kann ...

Mit zusätzlichen Informationen von Dieter Rencken & Adam Cooper

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