"Es war nicht akzeptabel": FIA-Präsident Ben Sulayems schwieriger Einstieg

Der frühere Rallye-Pilot Mohammed Ben Sulayem ist neuer FIA-Präsident, doch der Einstieg in den Motorsport war für ihn alles andere als einfach

"Es war nicht akzeptabel": FIA-Präsident Ben Sulayems schwieriger Einstieg

Mohammed Ben Sulayem hat es geschafft: Der 60-Jährige wurd am 17. Dezember zum neuen Präsidenten des Automobil-Weltverbands FIA gewählt und tritt damit die Nachfolge von Jean Todt an. In gewisser Beziehung wird damit Kontinuität gewahrt. Denn wie der frühere Beifahrer Todt hat auch Ben Sulayem als erfolgreicher Fahrer einen Hintergrund als aktiver Rallyesportler.

Während Todt aber aus Frankreich, einem Mutterland des Motorsports stammt, kommt ben Sulayem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo Rennsport in seinen jungen Jahren eine absolute Ausnahmeerscheinung war. Und nicht nur deshalb war sein Einstieg in den Motorsport alles andere als einfach.

"Ich habe immer die Geschwindigkeit geliebt, hatte immer eine Leidenschaft für Autos. Aber wissen Sie, Fußball war bei uns der Nationalsport. Und es war nicht leicht für mich, es war wirklich schwierig", erinnert sich Ben Sulayem im Gespräch mit der lateinamerikanischen Ausgabe von 'Motorsport.com'.

Rallyesport war in den Emiraten nicht akzeptiert

"Ich kam gerade von meiner Ausbildung in den USA, ich habe dort studiert. Dort waren gerade Weihnachten und Neujahrsferien", blickt Ben Sulayem zurück. "Ich kam also zurück und wollte in eine andere Stadt fahren, und auf dem Weg dorthin sah ich eine Ansammlung von Autos. Ich dachte: 'Ich hoffe, es ist kein großer Unfall'."

"Als ich dann stehen blieb, sah ich Autos in einer Reihe mit Nummern an der Seite. 'Was ist hier los?', fragte ich. Und sie sagten, es sei ein Rallye. Ich wusste nicht, was das war. Ich fing an zu fragen und erfuhr, wer es organisierte", so Ben Sulayem über seine ersten Berührungspunkte mit dem Sport.

"Als ich mein Studium beendete hatte und im Sommer zurückkam, begann ich mit dem Rallyesport, aber es war wirklich schwer, weil es nicht akzeptabel war. Es war ein gefährlicher Sport. Wissen Sie, wenn eine Sportart keinen Hintergrund und keine Geschichte in Ihrem Land hat, ist es sehr schwer, sie zu akzeptieren."

Versteckspiel ging nur bis zu den ersten Siegen gut

Doch das war nicht die einzige Schwierigkeit, auch seine familiäre Herkunft machte Ben Sulayem das Leben schwer. "Ich habe meinen Nachnamen versteckt, weil mein Vater Finanz- und Wirtschaftsminister und sehr bekannt war. Also habe ich meinen Namen versteckt und nur die ersten beiden Namen genannt." Eine Strategie, die nicht wenige Rennfahrer verfolgen.

Mohammed ben Sulayem

14 Mal wurde Mohammed Ben Sulayem Rallyemeister des Nahen Osten

Foto: Motorsport Images

Lange ließ sich dieses Versteckspiel allerdings nicht aufrecht halten. "Dann gab es ein Problem, weil ich anfing zu gewinnen, und es erschien mein Foto in der Zeitung", sagt Ben Sulayem. "Aber nach einer Weile fingen die Leute an, das zu akzeptieren, weil ich gewann und beständig Ergebnisse erzielte. Das war also der Anfang."

Es folgte eine Karriere, die auf regionaler Ebene ihres Geleichen sucht. Zwischen 1986 und 2002 gewann Ben Sulayem nicht weniger als 14 Mal den Titel in der Rallyemeisterschaft des Nahen Osten (MERC). Mit 60 Siegen belegt er hinter Nassar Al-Attiyah Rang zwei der ewigen Bestenliste der Meisterschaft.

"Zu gewinnen war gut, aber was mich am Gewinnen hielt, war die Angst vor dem Verlieren und nicht nur der Wille zu gewinnen", blickt Ben Sulayem auf seine aktive Karriere zurück.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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