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A2RL wagt in Imola den Schritt auf die internationale Bühne

Die autonome Rennserie A2RL wird international: In Imola stellen sich die fahrerlosen Rennwagen erstmals außerhalb Abu Dhabis einer neuen Herausforderung.

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Foto: A2RL

Die Abu Dhabi Autonomous Racing League (A2RL) geht in ihre dritte Saison - und erstmals verlässt die Serie mit ihren autonomen Rennwagen den Nahen Osten. Nach zwei Veranstaltungen auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi steht nun eine ganz andere Herausforderung bevor: Imola.

Zwei Saisons mit Tests und Rennen in der virtuellen wie in der realen Welt haben die autonome Renntechnologie erheblich vorangebracht. Nun soll sich zeigen, wie gut sie auf einer Rennstrecke funktioniert, die den Teams bislang nicht aus der Praxis vertraut ist.

Für die fünf Pro-Teams der A2RL bedeutet Imola deshalb einen wichtigen nächsten Schritt. Die Strecke ist anspruchsvoll, schnell und verzeiht nur wenige Fehler. Gleichzeitig verfügen die Teams inzwischen über deutlich mehr Erfahrung als bei den Anfängen der Rennserie.

Von den ersten Fahrversuchen zum echten Racing

In den ersten beiden A2RL-Saisons mussten sich Teams aus aller Welt zunächst mit der noch jungen Technologie des autonomen Rennsports vertraut machen. Die Premiere auf dem Yas Marina Circuit war deshalb vor allem eines: ein öffentlicher Test unter Rennbedingungen.

Die Teams wussten grundsätzlich, welche Aufgabe vor ihnen lag. Wie sie diese technisch bewältigen konnten, mussten sie jedoch erst herausfinden. Auch ASPIRE als Organisation hinter A2RL machte damals keinen Hehl daraus, dass die Serie zunächst ein Entwicklungsprojekt war.

Schon die zweite Veranstaltung, die 18 Monate später erneut in Abu Dhabi stattfand, zeigte jedoch erhebliche Fortschritte. Die Geschwindigkeiten waren höher, Überholmanöver wirkten nicht mehr zögerlich, sondern deutlich entschlossener, und auch die sogenannte Racecraft - also das Verhalten der Fahrzeuge im direkten Zweikampf - hatte sich stark verbessert. Sogar einen klassischen Rennzwischenfall gab es.

Kurz gesagt: Die autonomen Rennwagen hatten ihre ersten unsicheren Schritte hinter sich gelassen.

240 km/h - aber ohne Fahrer

Zum Einsatz kommen EAV-25-Rennwagen auf Basis eines Super-Formula-Fahrzeugs. Sie erreichen Geschwindigkeiten von rund 240 km/h und wären auch mit einem menschlichen Fahrer ausgesprochen leistungsfähig.

Mechanisch hat sich für die dritte A2RL-Saison wenig verändert. Neu sind im Wesentlichen ein Getriebe samt angepassten Übersetzungen sowie Änderungen am Mapping.

Der entscheidende Unterschied befindet sich dort, wo normalerweise der Fahrer sitzt: Diesen Platz nimmt der sogenannte autonome Stack ein. Sensoren, Prozessoren und Kameras liefern die Informationen, auf deren Grundlage die Software das Auto steuert.

Das System muss dabei letztlich Aufgaben übernehmen, die sonst ein Fahrer erledigt: die Umgebung erfassen, Entscheidungen treffen und das Fahrzeug möglichst schnell am Limit bewegen.

Imola ist die dritte Veranstaltung für A2RL

Imola ist die dritte Veranstaltung für A2RL

Foto: A2RL

In der Theorie klingt die Aufgabe vergleichsweise einfach: schnell fahren und dabei keinen Unfall bauen. In der Praxis ist sie hochkomplex. Zumal jedes Team selbst entscheiden kann, auf welche Daten und Hardware es setzt. Dadurch entwickeln die Fahrzeuge unterschiedliche Charakteristiken und sogar verschiedene "Fahrstile".

Diese Unterschiede lassen sich bei Tests und Rennen ähnlich beobachten wie bei menschlichen Fahrern. Und genau das macht einen wesentlichen Teil des Reizes der A2RL aus.

Motorsport als Entwicklungslabor

Hinter den A2RL-Teams stehen keine klassischen Rennmannschaften. Stattdessen arbeiten Wissenschaftler, Forscher, Ingenieure und Universitäten an den Fahrzeugen. Die Serie verbindet damit zwei Welten, die zunehmend enger zusammenrücken: Motorsport und Technologieentwicklung.

A2RL versteht sich deshalb nicht nur als Wettbewerb, sondern auch als Entwicklungsplattform. Technologien, die im Rennbetrieb eingesetzt werden, sollen weiterentwickelt, präsentiert und für andere Anwendungen erprobt werden.

Ein Beispiel ist LiDAR. Mit dieser Technik erfassen die Fahrzeuge ihre Umgebung mithilfe von Laserimpulsen. Auf der Rennstrecke kann das System dazu beitragen, ein Überholmanöver zu ermöglichen. Ähnliche Technik kommt jedoch auch für autonome Taxis, Straßenfahrzeuge und zahlreiche weitere Anwendungen infrage.

Der Motorsport bietet dafür besondere Bedingungen: eine kontrollierte Umgebung, in der technische Systeme unter hoher Belastung bis an ihre Grenzen gebracht werden können. Der direkte Wettbewerb mehrerer autonomer Fahrzeuge verschärft diese Anforderungen zusätzlich.

Alessandro Tucci, Executive Director des House of Grand Challenges bei ASPIRE, der Organisation hinter A2RL, erklärt: "Autonomie ist eine wachsende, wichtige Technologie. Sie wird künftig so viele Aspekte des Lebens prägen - sei es für diejenigen, die Komfort wollen, oder für jene, denen sie eine zuvor unzugängliche Welt eröffnet."

"Motorsport als Testumgebung dafür zu nutzen, ist nicht nur ein sicherer Ort, um sie zu entwickeln, sondern auch eine sehr öffentliche Möglichkeit zu zeigen, wie schnell sich Technologie weiterentwickeln kann."

"A2RL ist die einzige Serie, in der diese Technologie und die Köpfe dahinter in einem sehr öffentlichen Rahmen bis an die äußersten Grenzen getestet werden können - sie zeigt nicht nur, was wir leisten können, sondern stärkt auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Technologie. Sie wissen, dass wir die besten Interessen von Motorsport und Technologie im Blick haben. Nach Imola zu gehen zeigt, dass sie jederzeit an jede Strecke angepasst werden kann."

Der Abstand zum Menschen schrumpft

Wie groß die Herausforderung ist, zeigte sich schon bei der ersten A2RL-Veranstaltung. Damals trat ein autonom gesteuertes Fahrzeug in einer Demonstration gegen ein Auto an, das der frühere Formel-1-Fahrer Daniil Kwjat steuerte.

Das Ergebnis war eindeutig: Zwischen Mensch und Maschine bestand noch ein erheblicher Unterschied. Immerhin bewies das autonome Fahrzeug bereits, dass es eine Runde zuverlässig absolvieren konnte.

Nur eineinhalb Jahre später hatte sich das Bild deutlich verändert. Bei der Veranstaltung 2025 lag das autonome Fahrzeug über eine Runde hinweg weniger als eine Sekunde hinter dem von einem Menschen gesteuerten Auto.

Warum ausgerechnet Imola?

Obwohl A2RL in Abu Dhabi beheimatet ist, war eine internationale Ausrichtung von Beginn an vorgesehen. Unterschiedliche Strecken, Länder und Bedingungen sollen die Technologie vor immer neue Aufgaben stellen. Imola ist nun der erste Schritt.

Und die Wahl fiel nicht zufällig auf die italienische Traditionsstrecke. Alessandro Tucci erklärt: "Wir sind international geworden, um die Grenzen der autonomen Technologie weiter zu verschieben. Imola wurde wegen seiner Schwierigkeit gewählt und weil es Fahrer sowohl heute als auch bekanntermaßen in der Vergangenheit herausfordert, und derzeit auch die autonome Technologie, die wir für die Zukunft entwickeln."

"Die Technologie wird ständig weiterentwickelt und vorangetrieben - sie befindet sich an der Spitze dessen, was möglich ist. Die enorme Herausforderung eines Tages wird bald etwas sein, das gefunden, verfeinert und gelöst wurde. Dies ist der einzige Ort, an dem eine solche Entwicklung möglich ist."

Bei der dritten Veranstaltung begibt sich A2RL auf die internationale Bühne

Bei der dritten Veranstaltung begibt sich A2RL auf die internationale Bühne

Foto: A2RL

Ganz unvorbereitet kommen die Teams allerdings nicht nach Italien: Imola existiert längst als digitaler Zwilling. Denn wie es sich für eine technologisch geprägte Rennserie gehört, spielt die Simulation bei der Vorbereitung eine zentrale Rolle. Die Teams können Imola bereits virtuell befahren.

Josh Roles, Head of Operations bei A2RL, erklärt: "Es ist ein Beleg für die Digital-Twin-Simulationssoftware, die wir haben, und für die digitale Online-Meisterschaft, die wir mit den Teams durchführen, denn wir haben die Rennstrecke von Imola in den digitalen Zwilling integriert."

"Die Teams testen schon seit geraumer Zeit in der digitalen Umgebung. Das Ergebnis ist, dass der Übergang vom digitalen Zwilling zur Rennstrecke für uns enorm, enorm vorteilhaft und eine große Lernerfahrung war."

Grundlage dafür ist ein sogenannter digitaler Zwilling der Rennstrecke. Imola wird mithilfe von LiDAR vermessen und anschließend virtuell nachgebildet. So können die Teams ihre Systeme stundenlang testen, Runden absolvieren und die Strecke analysieren, ohne dabei reale Fahrzeuge einsetzen zu müssen.

Auch Rennen gegeneinander sind in dieser virtuellen Umgebung möglich. Dadurch können die Systeme bereits vor dem ersten realen Aufeinandertreffen lernen, wie sich die Konkurrenz verhält.

Nur zehn Tage reale Streckenzeit

Die Simulation kann reale Testfahrten allerdings nicht vollständig ersetzen. Und genau hier unterscheidet sich das Imola-Projekt erheblich von den bisherigen Veranstaltungen.

Auf dem Yas Marina Circuit standen den Teams über Wochen oder sogar Monate Testmöglichkeiten zur Verfügung. In Imola beschränkt sich die reale Streckenzeit vor dem Rennen auf zehn Tage.

Hinzu kamen bei den Tests schwierige Wetterbedingungen. Regen zwang die Teams dazu, ihre Fahrzeuge nicht nur an einen anderen Asphalt, sondern erstmals auch intensiv an eine nasse Fahrbahn anzupassen. Damit mussten auch die autonomen Systeme lernen, mit Regenbedingungen umzugehen - eine weitere Premiere für A2RL.

Erstmals Teil eines größeren Rennwochenendes

Auch das Veranstaltungsformat verändert sich. Das Rennen in Imola findet im Rahmen eines größeren Motorsport-Wochenendes statt. A2RL tritt damit nicht als alleiniger Veranstalter auf, sondern präsentiert seine Technologie einem bereits vorhandenen Motorsport-Publikum.

Das bringt zusätzliche Anforderungen mit sich: Teams und Fahrzeuge müssen sich erstmals stärker an den Zeitplan einer übergeordneten Veranstaltung halten. Gleichzeitig gibt es einen entscheidenden Vorteil: eine offene Boxengasse und damit erheblich mehr nutzbare Streckenzeit.

Fans können sich registrieren, um in Imola dabei zu sein

Fans können sich registrieren, um in Imola dabei zu sein

Foto: A2RL

Roles sagt: "Die Teams sind von insgesamt etwa einer Stunde und 20 Minuten pro Tag auf acht Stunden verfügbarer Streckenzeit gekommen. Wir haben eine fast siebenfache Steigerung der Streckenverfügbarkeit gesehen."

Damit entstehen allerdings neue Aufgaben. Die Teams müssen beispielsweise Kraftstoffmengen kalkulieren, Verkehr auf der Strecke berücksichtigen und geeignete Abstände zwischen den Fahrzeugen herstellen.

Roles erklärt: "Sie müssen ihre Kraftstoffmengen verstehen. Sie müssen den Verkehr auf der Strecke und Abstände und Dinge verstehen, die sie testen wollen. Es war also enorm vorteilhaft. Aus Sicht der Streckennutzung war es großartig, und es ist etwas, das mit Sicherheit fortgeführt wird."

Kann TUM den dritten Sieg holen?

Für A2RL ist Imola damit weit mehr als nur ein weiteres Rennen. Die dritte Veranstaltung markiert den bislang größten Entwicklungsschritt der Serie: eine neue Strecke, neue Bedingungen und erstmals die Integration in ein klassisches Motorsport-Wochenende.

Das Rennen findet am Samstag, 5. September 2026, in Imola statt. Der Besuch ist nach vorheriger Registrierung kostenlos. Highlights werden am Sonntag, 6. September, auf YouTube veröffentlicht. Motorsport Network berichtet außerdem auf seinen Plattformen.

Sportlich steht zudem eine interessante Frage im Mittelpunkt: Das Team der Technischen Universität München (TUM) gewann die beiden bisherigen A2RL-Veranstaltungen 2024 und 2025. Folgt in Imola der "Hattrick"?

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