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Revolution im GT-Sport: Interview mit den Machern der GT Summer Series 2026

Gedlich Racing plant für 2026 eine neue Rennserie mit radikalem Ansatz. Ein Interview über Ladedruck, Zusatzgewichte und den Schutz der Gentlemen-Driver

Revolution im GT-Sport: Interview mit den Machern der GT Summer Series 2026

Mit der GT Summer Series bekommt der deutsche GT-Rennsport ab der Saison 2026 eine neue Plattform

Foto: Gedlich Racing

Der moderne GT-Sport hat ein Problem: Was einst als Spielwiese für wohlhabende Amateure begann, wird zunehmend von Vollprofis dominiert. Die neue "GT Summer Series", die im April 2026 startet, will diesem Trend mit einer ungewöhnlichen technischen Maßnahme entgegenwirken. Statt nur die Fahrzeuge anzugleichen, wird die Balance of Performance (BoP) direkt an den Status des Fahrers gekoppelt. Robin Selbach (Geschäftsführer Gedlich Racing) und Jann Jöge (Vertrieb) erklären im Interview, wie das technische Handikap-System funktionieren soll.

Frage: Herr Selbach, der GT3- und GT4-Markt boomt, aber die Kritik an der Professionalisierung wächst. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation für echte Amateure?

Robin Selbach: Es ist ein echter Segen für Motorsportenthusiasten, dass GT Autos heutzutage für viele Piloten zugänglich sind. GT-Fahrzeuge aller Klassen sind sehr sicher und überaus gut beherrschbar, auch für Amateurpiloten und Gentlemen-Fahrer, die erst im fortgeschrittenen Alter mit dem Fahren begonnen haben und nicht die Gunst erfahren haben, mit 8 Jahren in den Kartsport zu gehen. Allerdings haben die Späteinsteiger einfach nicht die Voraussetzungen wie die jungen Wilden, was ihre persönliche Entwicklung angeht. Zumeist sind es im Leben erfolgreiche Menschen, die nur eine begrenzte Menge ihrer Lebenszeit in ihre Leidenschaft investieren können. Es ist völlig klar, daß sie niemals den fahrerischen Stand erreichen können wie ein junger Athlet, der praktisch nichts anderes macht als Rennauto zu fahren.

Frage: Die GT Summer Series will dieses Ungleichgewicht technisch korrigieren. Was ist der Plan?

Jann Jöge: Die GTSS richtet sich vor allem an Amateure und Gentlemen-Fahrer. Wir wissen aus sechs Jahren Winter Series sehr genau, was Amateurfahrer wollen. Das möchten wir in der Summer Series erweitern und bringen eine Balance of Performance, die den Status des Fahrers berücksichtigt. Wir haben uns ein klares Ziel gesetzt: Amateure sollen durch mehr Freistellungen bei der Fahrzeugtechnik verbesserte Chancen auf vordere Positionen bekommen.

Robin Selbach, Geschäftsführer Gedlich Racing

Robin Selbach, Geschäftsführer Gedlich Racing

Foto: Gedlich Racing

Frage: Heißt das im Umkehrschluss, dass "junge Wilde" faktisch ausgeladen werden?

Selbach: Es ist durchaus vorstellbar, daß sich Profiteams beim einen oder anderen GTSS-Rennen auf ihre anderen Rennserien vorbereiten oder junge Fahrer im echten Renngeschehen ausbilden. Natürlich dürfen sie bei uns starten, sie müssen aber mit technischen Beschränkungen rechnen, um die Chancengleichheit zu sichern. Uns ist vor allem wichtig, dass Fahrer respektvoll und fair miteinander umgehen und dass unsere Amateure eine gute Chance haben, mitzuhalten.

Frage: Wie soll diese "Driver-BoP" technisch im Detail funktionieren?

Selbach: Es wird für jede Fahrerkombination auf jeder Strecke ein eigenes BoP-Setting geben. Wenn also zum Beispiel ein Gentleman alleine alle Rennen eines Wochenendes fährt, bekommt er die größten Freistellungen. Das kann ein erhöhter Ladedruck sein oder ein größerer Restriktor für den Lufteinlaß. Auch ein leichteres Zusatzgewicht ist denkbar. Ein mit Profis oder jungen Wilden besetztes Auto muß hingegen mit weniger Leistung und/oder mehr Gewicht fahren. Autos, die gemischt besetzt sind, fahren während der Sprints mit getrennten Settings - je nachdem, welcher Fahrer auf dem Auto sitzt. Teilen sich zwei unterschiedliche Fahrer ein Endurance-Rennen, so wird die Einstufung in der Mitte liegen.

Jann Jöge, Vertrieb und Organisation Premium Motorsportevents bei Gedlich Racing

Jann Jöge, Vertrieb und Organisation Premium Motorsportevents bei Gedlich Racing

Foto: Gedlich Racing

Frage: Wie stellen Sie sicher, dass diese Maßnahmen auch umgesetzt werden?

Selbach: Aus der GT Winter Series haben wir eine Menge Erfahrung, was die Überwachung der Fahrzeuge angeht. Unser Partner stattet die Fahrzeuge mit Dataloggern aus und weiß genau, was während der Fahrt los ist. Außerdem haben wir ein sog. Scrutineering, wie es international üblich ist. Technische Kommissare kontrollieren zu jeder Zeit, dass jedes Auto mit dem richtigen Setting der technischen Einstufung ausgestattet ist. Verstöße werden nach den Gesetzen des internationalen Motorsports geahndet. Es ist genauso in unserem Interesse wie im Interesse aller Teilnehmer, daß technische Gleichberechtigung besteht. Optimale Umsetzung unseres Konzepts zur Chancengleichheit ist ein wesentlicher Eckpfeiler für den Erfolg der Serie.

Frage: Wird sich dieser Ansatz auch im Punktesystem widerspiegeln?

Jöge: Auch unser Wertungssystem ist ein Teil der Chancengleichheit, die wir bereitstellen werden. Es gibt eine eigene Wertung für mit Amateuren/Gentlemen besetzte Autos. Diese Piloten bekommen eine eigene Siegerehrung und eigene Trophäen. Dasselbe gilt für die Kombination Pro/Am, also den Mix aus Amateuren und professionellen Fahrern. Außerdem gibt es ein Punktesystem, in das die Anzahl der Starter in der Klasse einfließt. Nach dem Prinzip "Viel Feind, viel Ehr´" ist es naturgemäß viel schwieriger, einen Klassensieg zu erringen, wenn viele Autos in derselben Klasse starten. Das hat Einfluß auf die Meisterschaftstabelle und ist besonders fair.

Kalender der GT Summer Series 2026

17.04. - 19.04.2026: Hockenheimring (Deutschland)

29.05. - 31.05.2026: Oschersleben (Deutschland)

25.06. - 28.06.2026: Nürburgring (Deutschland)

27.08. - 30.08.2026: Spa-Francorchamps (Belgien)

02.10. - 04.10.2026: Hockenheimring (Deutschland)

Gedlich Racing Testtage 2026

17.04.2026: Hockenheimring

28.05.2026: Oschersleben

14.07.2026: Nürburgring Sprint-Strecke

15.07.2026: Red Bull Ring

16.07.2026: Oschersleben

18.08.2026: Nürburgring Grand-Prix-Strecke

29-30.09.2026: Portimao

01.10.2026: Hockenheimring

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