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Robert Reid: Motorsport kann nicht nur elektrisch betrieben werden

In der aktuelle Folge unserer Interview-Reihe #ThinkingForward spricht Robert Reid, Kandidat für den FIA-Vizepräsidenten, über die Ziele seiner Kampagne

Robert Reid: Motorsport kann nicht nur elektrisch betrieben werden

Robert Reid gewann 2001 als Beifahrer von Richard Burns mit Subaru die Rallye-Weltmeisterschaft. In der vergangenen Woche wurde das 20. Jubiläum gefeiert. Seitdem hat der Schotte als Sportfunktionär Karriere gemacht und in mehreren FIA-Kommissionen, darunter auch in der Sicherheitskommission gearbeitet.

Bei den FIA-Wahlen in drei Wochen kandidiert er für den Posten des stellvertretenden Präsidenten für Sport unter Mohammed ben Sulayem. Bei einem Sieg würde er zum "Beifahrer" des mächtigsten Amtes im Motorsport, des FIA-Präsidenten.

Jean Todt, der derzeitige FIA-Präsident, begann seine Karriere ebenfalls als Rallye-Beifahrer. Was also qualifiziert den Kartenleser für den "heißen Stuhl"?

Job des Beifahrers schafft gute Grundlage für spätere Karriere

"Als Beifahrer sage ich immer, dass es nicht unbedingt das Schönste ist, die Wertungsprüfungen zu fahren. Es macht zwar Spaß, aber was ich wirklich genieße, ist das Multitasking", sagt Reid. "Das Lesen des Aufschriebs, die Vorbereitung, das gleichzeitige Managen einer ganzen Reihe verschiedener Szenarien: die Wettercrews, die Reifenwahl, die Servicezeiten, die Menge an Kraftstoff im Auto, das Managen des Tempos des Fahrers."

"Das ist ein gutes Rüstzeug für viele verschiedene Möglichkeiten nach der sportlichen Karriere. Man muss sehr genau auf die Details achten und in der Lage sein, viele verschiedene Dinge gleichzeitig zu managen, die im Allgemeinen unterschiedliche Prioritäten und Fristen haben. Und ich denke, dass man auch die Vorschriften kennt und aus dem früheren Leben wahrscheinlich auch weiß, wie man sie umgehen kann!"

Der Erfolg von Burns und Reid in der Weltmeisterschaft 2001, den sie bei ihrer Heimrallye in Großbritannien errangen, brachte den Sport in die Schlagzeilen. Es war ein goldenes Zeitalter für den Rallyesport, mit Colin McRae und anderen legendären Fahrern und mehreren Herstellern im Wettbewerb.

Der Rallyesport liegt Reid besonders am Herzen

Aktuell erfreut sich die Formel 1 weltweit immer größerer Beliebtheit, wie die jüngste globale Formel-1-Fanumfrage gezeigt hat. Glaubt Reid, dass der Rallyesport jemals wieder an dieses "goldene Zeitalter" anknüpfen kann?

Richard Burns und Robert Reid

Robert Reid saß viele Jahre auf dem "heißen Sitz" von Richard Burns

Foto: Motorsport Images

"Das hoffe ich sehr. Sowohl Mohammad als auch ich haben einen Rallye-Hintergrund. Wir sind beide leidenschaftliche Rallyefans, nicht nur für uns persönlich, sondern generell für den Motorsport betrachtet", sagt er. "Im Jahr 2001 war an drei von vier Tagen ein WRC-Auto auf der Titelseite der Zeitung The Times zu sehen. Ich erinnere mich, dass ich danach mit Damon Hill sprach und er sagte: 'Ihr bekommt mehr Zeitungsartikel als ich bei meinem Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft!'"

"Es wäre großartig, wenn die Spitze des Sports zu diesen Tagen zurückkehren würde. Aber ich denke, die Herausforderung liegt eher bei den regionalen Meisterschaften und den nationalen Rallyes, womit wir wieder bei den Kosten wären, die zu hoch sind sind. Und wir müssen die Regionen stärken. Und wir müssen sicherstellen, dass die Formate für diese Regionen den Fahrzeugtypen und den Bedürfnissen in den Regionen entsprechen, denn das ist die Ebene, auf der wir das Interesse wecken."

"Motorsport wird immer teurer sein als Fußball"

"Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Motorsport für die Teilnehmer immer teurer als Fußball sein wird. Aber wir müssen auch so viel wie möglich tun, um die Kosten zu senken. Wir haben eine Kampagneninitiative zur 'Verdoppelung des Motorsports' innerhalb von vier Jahren, was besonders ehrgeizig erscheinen mag, aber ich denke, dass dies besonders in den Entwicklungsländern eine riesige Chance ist. Aber das wird nur mit niedrigen Kosten möglich sein, insbesondere für den Einstieg in den Motorsport."

Robert Reid und Richard Burns

2001 wurden Robert Reid und Richard Burns Rallye-Weltmeister

Foto: Motorsport Images

Im Mittelpunkt der Vision beider FIA-Präsidentschaftskampagnen steht der Gedanke, dass der Motorsport sich der Bedrohungen durch Umwelt- und andere Faktoren bewusst sein sollte, aber auch mutig seine Rolle als Teil der Lösung behaupten sollte: als Brutstätte von Technologien, die dazu beitragen, die Welt auf den richtigen Weg für die Zukunft zu bringen.

"Wir haben eine umfassende Konsultation durchgeführt und über 2000 Stunden mit Clubs in der ganzen Welt gesprochen", sagt Reid. "Einer der wichtigsten Punkte, die dabei zur Sprache kamen, waren die Veränderungen, die sich auf die Gesellschaft im Allgemeinen und auf den Sport auswirken, wie zum Beispiel die Verbrauchergewohnheiten, die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums, die veränderte Einstellung zur Vielfalt und natürlich die Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen."

Motorsport muss Teil der Lösung sein

"Für mich hat der Motorsport traditionell eine Vorreiterrolle eingenommen, war immer einflussreich. Ich denke, wir müssen weiterhin sicherstellen, dass wir angesichts dieser Herausforderungen proaktiv und nicht reaktiv handeln. Und wir müssen zeigen, dass der Motorsport ein Teil der Lösung sein kann. Deshalb ist es unsere Vision, die globale Stimme des Motorsports und der Mobilität zu sein. Wir müssen wirklich sicherstellen, dass wir in Zukunft an den wichtigsten Tischen sitzen."

"Als wir mit vielen Clubs auf der ganzen Welt gesprochen haben, wurde deutlich, dass alle außerhalb Europas zu uns sagen: 'Lasst nicht zu, dass der Motorsport nur noch auf Elektrofahrzeuge umgestellt wird, denn wir werden auch in den nächsten 20 Jahren noch Verbrennungsmotoren verwenden.'"

"Die Infrastruktur ist in den vielen Regionen der Welt einfach nicht vorhanden. Wir müssen also Lösungen finden, die alle unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen. Wir haben eine große Chance, weil wir so viele verschiedene Disziplinen haben. So können wir verschiedene Lösungen in verschiedenen Disziplinen anbieten."

"Motorsport in der Zukunft? Sicher, unterhaltsam, aufregend, integrativ - das sind alles Begriffe, die ich verwenden würde. Wir müssen Menschen willkommen heißen, die aus Spaß an der Sache teilnehmen wollen, aber wir müssen auch einen Weg zu internationalen Wettbewerben für diejenigen bieten, die weiterkommen wollen."

"Wir müssen also diese Entwicklungspyramide vervollständigen und dafür sorgen, dass es Wege gibt. Ich sehe ein riesiges Potenzial für ein weltweites Wachstum des Sports, verbunden mit der Möglichkeit, Lösungen im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit zu finden. Ich glaube, dass die Zukunft des Motorsports sehr rosig ist."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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