Historischer Schulterschluss: ACO und SRO arbeiten in Asien zusammen

Stephane Ratels GT-Organisation und der Le-Mans-Veranstalter ACO tragen die asiatische Le-Mans-Serie und GTWC Asia gemeinsam aus - Geht da noch mehr?

Historischer Schulterschluss: ACO und SRO arbeiten in Asien zusammen

Die Sportwagenwelt findet zusammen: Der ACO, Veranstalter der 24 Stunden von Le Mans, der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) sowie der zwei kontinentalen Le-Mans-Serien in Europa und Asien, und die SRO, Ausrichter der 24 Stunden von Spa, der GT-World-Challenge (GTWC) auf vier Kontinenten sowie der Interkontinentalen GT-Challenge (IGTC), arbeiten in Asien zusammen.

Das asiatische Le-Mans-Endurance-Management (ALMEM), ein Ableger des ACO, und die SRO werden die asiatische Le-Mans-Serie (ALMS) künftig gemeinsam ausrichten. Die GTWC Asia bleibt weiterhin als Standalone-Serie bestehen, doc es gibt eine neue, übergreifende Wertung.

Aus dieser heraus wird es einen zusätzlichen Einladungsslot für GT3-Teams zu den 24 Stunden von Le Mans geben. So wird das Siegerteam einer kombinierten Wertung aus GTWC Asia und ALMS 2023 zu den 24 Stunden von Le Mans 2024 eingeladen.

Ein weiterer Einladungs-Slot nach Le Mans geht an das Siegerteam der GTWC Europe in der Pro-Am-Klasse oder im neuen Gold-Cup, was ebenfalls eine Neuigkeit darstellt. Dies ist eine Konsequenz der Adaption der GT3-Kategorie in die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).

2022 werden die beiden asiatischen Rennserien unabhängig voneinander koexistieren. Die ALMS wird auch 2022 mit jeweils zwei vierstündigen Rennen in Dubai und Abu Dhabi im Februar komplett im Nahen Osten ausgetragen. Mittelfristig sind zwei Rennen im Nahen Osten und zwei in Südostasien geplant.

Die GTWC Asia soll im Juli 2022 in Suzuka beginnen. Die GT3-Serie musste infolge der COVID-19-Pandemie zweimal infolge abgesagt werden. Für die SRO war das sehr ärgerlich, denn der GT3-Sport hatte gerade begonnen, sich in Asien zu etablieren. Ein 32 Fahrzeuge starkes Feld in Malaysia 2019 war vielversprechend, bevor die Pandemie zuschlug.

Gemeinsam will man nun die Chance zum Neuanfang nutzen, die sich durch die Pandemie und die neue Großwetterlage zwischen ACO und SRO in Europa ergeben hat. Mittelfristiges Ziel Ratels ist, eine übergreifende asiatische GTWC-Meisterschaft bestehend aus Sprint- und Endurance-Rennen zu schaffen, wie es auch in Europa der Fall ist. Die Endurance-Rennen würden dann im Rahmen der ALMS stattfinden.

Weitreichende Bedeutung

Der Zusammenschluss hat eine historische Dimension und ist der vorläufige Höhepunkt einer Annäherung der beiden Parteien, die in der Vergangenheit doch eher distanziert zueinanderstanden. Es ist auch das erste Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten, dass die großen drei europäischen Endurance-Player - ACO, SRO und FIA - wieder offiziell zusammenarbeiten.

In den 1990er-Jahren schuf Ratel die BPR-Serie, deren Boliden auch in Le Mans startberechtigt waren. Daraus wurde schnell die FIA-GT-Meisterschaft mit ihren spektakulären GT1-Raketen. Doch die eingestiegenen Hersteller rüsteten die Serie innerhalb von zwei Jahren kaputt. Ein Trauma, das Ratel bis heute verfolgt und der Grund ist, warum er kein direktes Herstellerengagement in seinen Serien mehr möchte.

SRO und ACO entwickelten sich auseinander, schrieben unterschiedliche Reglements für dieselben Fahrzeugklassen (GTS/GT und GT/N-GT), zusätzlich wechselte mit Patrick Peter eines der Gründungsmitglieder der BPR zum ACO und schuf dort eine eigene Serie für historische Fahrzeuge.

Julien Andlauer

GT3-Boliden in Le Mans: Ab 2024 auch beim großen Rennen

Foto: Motorsport Images

2010 kam es zum großen Split zwischen den beiden Parteien. Der ACO verbannte die GT1-Boliden ab 2011 aus Le Mans zugunsten der GTE-Klasse, die auf der damaligen GT2 aufbaute. Die GT1-Klasse hatte in den ACO-Serien bereits ein Nischendasein geführt. 2010 traten lediglich vier Autos in dieser Kategorie an.

Das war aber auch einer der Sargnägel in Ratels herstellerunabhängigen GT1-Weltmeisterschaft. Die SRO verbannte daraufhin die GT2-Kategorie aus allen ihren Serien - der GT-Split war perfekt. Von nun an machten die Werke GTE, während Ratel sich auf GT3- und GT4-Kundensport konzentrierte, was er seit den 1990er-Jahren als nachhaltigere Herangehensweise ansah.

Ein Jahrzehnt später wird er bestätigt. Die GTE-Klasse verschwindet nach 2023 von der Bildfläche und wird durch GT3-Kategorien ersetzt - in der IMSA mit Werksbeteiligung, in der WEC auf Ratels Drängen ausschließlich als Pro-Am-Kategorie. Die Hersteller sollen Hypercar machen.

Im Sommer gab es die nächste Meldung von nahezu historischem Ausmaß. Ratel beschrieb die Beziehung zum ACO als "sehr gut". Das hatte man vorher noch nie von ihm gehört. Der Schulterschluss in Asien hat durchaus Potenzial, auch in anderen Teilen der Welt neue Möglichkeiten zwischen den beiden Parteien zu schaffen. Man darf auf die Zukunft gespannt sein.

Mit Bildmaterial von SRO.

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