Interview: Wo geht die Reise für Emil Frey Racing hin?

Lorenz Frey-Hilti zeichnet im Interview mit 'Motorsport.com' die Schwierigkeiten der Rennserienfindung nach - Wie viele Ferraris es werden

Interview: Wo geht die Reise für Emil Frey Racing hin?
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DTM, ADAC GT Masters, GT-World-Challenge (GTWC) Europe oder doch etwas ganz anderes? Emil Frey Racing hat derzeit die Qual der Wahl und überall scheint es einen Haken zu geben. Teamchef Lorenz Frey-Hilti erklärt im Interview mit 'Motorsport-Total.com' die Vor- und Nachteile der veränderten Serienlandschaft - und wie es zum Markenwechsel von Lamborghini zu Ferrari kam.

Frage: "Herr Frey-Hilti, Sie haben einen spektakulären Markenwechsel bekanntgegeben, das Einsatzfeld ist aber noch offen. Welche Felder stehen für das Meisterteam des ADAC GT Masters 2022 zur Diskussion?"

Lorenz Frey-Hilti: "Wir stecken bezüglich des Einsatzfeldes noch mitten im Entscheidungsprozess. Die Neuausrichtung der DTM im Zuge des Zusammenschlusses mit dem ADAC ist eine Herausforderung - zumal wir uns im ADAC GT Masters sehr wohl gefühlt haben und in dessen altem Format gerne weitergefahren wären. Da hat sich jetzt einiges geändert. Dadurch gibt es momentan noch viele Unklarheiten, auch bezüglich der Fahrerwahl."

"Deshalb können wir aktuell noch nichts Konkretes sagen. Vieles hängt von den Fahrern, unseren Sponsoren und Partnern ab. Daneben herrscht auch ständiger Austausch mit dem Veranstalter. Wir haben vor allem großen Respekt vor den noch schwer abzuschätzenden Einsatzkosten in der DTM.

Frage: "Wenn die DTM zu teuer ist, gäbe es ja noch immer das ADAC GT Masters ..."

Frey-Hilti: "Das ADAC GT Masters, das für uns als gute Plattform bisher gedient hat, ist für uns weniger interessant geworden. Wir wollen uns mit der besten Konkurrenz messen und am Wochenende in der Hauptserie mitfahren. Gerade bei den vier Veranstaltungen an den DTM-Wochenenden ist das nicht mehr der Fall."

"Wir merken das auch bei den Fahrern, dass das ADAC GT Masters für einige nicht mehr in Frage kommt. Das gilt auch für unsere Sponsoren und Partner, wenn sie hören, dass wir nur noch in Zelten untergebracht und nicht mehr der Hauptfokus sind. Und die Frage, ob die Rennen im Live-Fernsehen ausgestrahlt werden oder nicht."

"Es sind viele Fragen noch offen, auf die wir noch keine genauen Antworten erhalten haben. Es heißt zum Beispiel, man kommt im Fernsehen, aber wie und wo ist noch nicht bekannt. Das ist alles noch ein bisschen schwammig leider. Ich nehme an, dass viele Teams vor der gleichen Herausforderung stehen. Wir werden binnen kurzer Zeit mehr sagen können."

Fahrerfrage ebenfalls offen

Frage: "Es fallen ja schon einmal einige Lamborghini-Werksfahrer weg. Wie sieht es mit euren jüngeren Piloten wie Konsta Lappalainen oder Arthur Rougier aus?"

Frey-Hilti: "Wir sind ein langfristig denkendes Unternehmen. Wir haben in unserer Zeit einige Fahrer aufbauen dürfen und mit mehreren Werksfahrer zusammengearbeitet. Das ist für uns aktuell eine schwierige Ausgangslage. Wir haben junge Talente, mit denen wir schauen müssen, ob wir noch weiter zusammenarbeiten können oder eben nicht. Das hat je nach Serie leider auch oft mit deren Fahrer-Ratings zu tun. Da müssen wir schauen was geht."

"Es wird auch davon abhängen, wie viele Fahrer in welcher Serie wir überhaupt benötigen. Das geht von einem Fahrer in der DTM bis hin zu drei in der GT-World-Challenge."

Frage: "Wie haben Sie und ihr Team die Wochen seit der DTM-Übernahme durch den ADAC erlebt?"

Frey-Hilti: "Wir finden es sehr gut, dass der ADAC direkt nach dem Entscheid den Kontakt mit den Teams gesucht hat. Ich war an diesen Gesprächen persönlich nicht beteiligt, das hat bei uns Jürg Flach gemacht. Das finde ich wirklich sehr gut vom ADAC und auch, dass sie mit den meisten Teams gesprochen und sie schnell in den Prozess integriert haben."

"Natürlich liegt es am Veranstalter, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich persönlich hätte mir eine andere Lösung gewünscht. Ich weiß nicht, wie die Hersteller integriert sind und was sie bezüglich der DTM wollen und was sie beitragen. Aber als privates Team ist das Konstrukt einfach nicht nachhaltig. Das haben wir in den vergangenen Jahren gesehen."

"Darum verstehe ich bis heute nicht, warum man an diesem Konstrukt festhält, obwohl man selbst ein Veranstaltungskonzept aufgebaut hat, das für mich viel nachhaltiger aufgestellt ist. Ein Konzept, das auch die Schwankungen der Hersteller ausgleicht. Aber wenn man es komplett auf die Hersteller ausrichtet, ist das Konzept natürlich Schwankungen unterworfen."

"Was mir als Teamchef außerdem ein wenig Sorgen macht, sind die vielen Unfälle, so wie in der DTM im letzten Jahr gefahren worden ist. Das macht mir ein bisschen Bauchweh."

"Daneben wird das ADAC GT Masters ein wenig degradiert. Hier wird eine stabile Serie geschwächt. Uns hat das Preis-Leistungs-Verhältnis und das Format sehr gefallen. Auf der anderen Seite ist man immer ein wenig verunsichert, wenn etwas neu ist. Vielleicht wird das ein Riesenerfolg. Das wird die Zukunft zeigen."

Öffnet Ferrari neue Türen?

Frage: "Kommen wir zum Markenwechsel: Das kam für einige überraschend ..."

Frey-Hilti: "Zunächst möchte ich betonen, dass wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit Lamborghini hatten und auf vier erfolgreiche Jahre mit ihnen zurückblicken können. Die Diskussionen mit Ferrari haben angefangen, weil die Emil Frey Gruppe einen Ferrari-Standort in München übernehmen und dort im Retail-Bereich tätig werden durfte."

"Das Thema war natürlich, dass wir sehr gern mit einer Marke im Motorsport fahren würden, die wir auch im Handel vertreten dürfen. Natürlich sind wir mit der Volkswagen-Gruppe in vielen Ländern tätig, aber nicht mit der Tochtergesellschaft Lamborghini. Daher war Ferrari für uns sehr interessant."

Frage: "Ferrari dürfte ein gewisses Interesse an einer DTM-Präsenz haben ..."

Frey-Hilti: "Als wir die Gespräche aufgenommen haben, war das mit der neuen DTM noch nicht bekannt. Das war für alle eine neue Situation. Das Interesse am ADAC GT Masters war bei ihnen sehr groß, weil sie dort schon lange nicht mehr vertreten gewesen sind. Und natürlich auch die DTM. Aber der letztjährige Einsatz in der DTM war vor allem dank Red Bull, so wie ich das verstanden habe."

"Wir sind sehr interessiert, in einer deutschen Meisterschaft mitzufahren - sei es DTM oder ADAC GT Masters. Wir müssen jetzt mögliche Optionen mit unseren Partnern und Sponsoren, aber auch den Fahrern ausloten und uns in Kürze entscheiden."

Frage: "Besteht die Möglichkeit, in die GT-World-Challenge Europe zurückzukehren?"

Frey-Hilti: "In der GT-World-Challenge ist Ferrari bereits vertreten, vor allem in der Endurance. Auch da schauen wir, was für uns am meisten Sinn macht. Die Zeit läuft nicht gerade für uns. Auch hier gehen die Einschreibungen bereits los. Wir telefonieren fast stündlich, um möglichst schnell die Meisterschaft fix zu haben, dass wir uns gut auf die jeweilige Meisterschaft konzentrieren können."

"Der Ferrari ist für uns ein ganz neues Produkt, mit dem wir noch keine Erfahrung haben. Wir sind vom Produkt nach den ersten Sichtungen sehr überzeugt. Uns bleibt aber wenig Zeit das Fahrzeug auszutesten und das richtige Set-up für die jeweiligen Rennstrecken zu finden."

"Aber ich bin guten Mutes, weil wir doch schon zwei oder drei Markenwechsel machen durften und das in kurzer Zeit in den Griff bekommen haben. Ich bin optimistisch, dass wir das mit Ferrari auch gut zusammenbringen werden und gute Unterstützung von ihnen erhalten, dass wir möglichst schnell konkurrenzfähig sind. Der Vorteil ist, dass wir die Reifen gut kennen, weil alle genannten Serien jetzt mit Pirelli fahren werden. Das ist ein wichtiges Thema. Aber jedes Fahrzeugkonzept nimmt die Reifen anders heran."

"Wir sind seit 2012 im GT3-Sport aktiv und haben Erfahrung mit verschiedenen Fahrzeugkonzepten. Ich hoffe, dass wir dadurch diese kurze verbleibende Vorbereitungszeit möglichst effektiv nutzen können."

Reziproker Weg zu Iron Lynx "reiner Zufall"

Frage: "Ein Übergangjahr GT Open wie 2019 kommt nicht in Frage?"

Frey-Hilti: "Nein, das ist nicht geplant. Das ist eine berechtigte Frage, die wir uns auch gestellt haben. Wir haben uns dann aber entschieden, dass wir direkt in einer der kompetitivsten Rennserien antreten wollen."

"Wir wollen mit unseren Sponsoren und Partnern natürlich eine gewisse Medienwirkung erzielen und gute Resultate erbringen. Die GT Open ist auch sehr kompetitiv, aber die ADAC und GT-World-Challenge haben ein wesentlich engeres Feld und eine größere Reichweite."

Frage: "Wie viele Ferraris wird Emil Frey Racing 2023 einsetzen?"

Frey-Hilti: "Es ist alles noch ein bisschen in der Schwebe. Es gibt ein wahnsinnig großes Interesse am neuen 296 GT3 Ferrari und bereits extrem viele Bestellungen. Wir werden in Kürze genau Bescheid wissen. Sehr wahrscheinlich werden wir mit zwei Fahrzeugen antreten und nicht mehr mit drei."

"Die unglaubliche Nachfrage zeigt, was Ferrari sich über die Jahre aufgebaut hat. Es ist keine einfache Herausforderung, Fahrzeuge in Zeiten zu bauen, in denen die Zulieferer ihre Lieferschwierigkeiten hatten. Es sieht aber so aus, dass wir in Kürze mit der Ankunft des ersten Fahrzeugs rechnen dürfen.

Frage: "Iron Lynx geht genau den umgekehrten Weg wie Emil Frey Racing. Ist das reiner Zufall oder hat es eine Rolle bei Ihrer Entscheidung gespielt?"

Frey-Hilti: "Es war ein reiner Zufall, dass sie gerade von Ferrari zu Lamborghini und wir umgekehrt gewechselt sind."

Lamborghini von Emil Frey Racing

Mit Lamborghini holte Emil Frey Racing im ADAC GT Masters 2022 den Teamtitel

Foto: ADAC Motorsport

Mit Bildmaterial von Emil Frey Racing.

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