GTWC Endurance NLS7

NLS und GTWC Magny-Cours parallel: Dieser Fahrer wagt irres Doppel

Tanz auf zwei Hochzeiten, die fast 500 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt liegen - Dylan Pereira wagt ein verrücktes Doppel, und das ohne Flugzeug

Heiko Stritzke

Heiko Stritzke

Bearbeitet: 31.07.2026, 12:11

Link kopieren

Auf Facebook teilen

Auf Twitter teilen

Auf WhatsApp teilen

Auf Linkedin teilen

Auf Pinterest teilen

Auf Viber teilen

Als bevorzugte Quelle hinzufügen

NLS und GTWC Magny-Cours parallel: Dieser Fahrer wagt irres Doppel

Dylan Pereira pendelt am Wochenende mindestens 1.200 Kilometer zwischen zwei Rennen

Foto: SRO/JEP SRO/JEP

Ein Fahrer wird mehr als alle anderen am Samstag hoffen, dass das 6h-ADAC-Ruhr-Pokal-Rennen der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) pünktlich startet (NLS 2026 hier im Livestream!): Dylan Pereira wagt an diesem Wochenende ein verrücktes Doppel bei zwei Rennen, die 475 Kilometer Luftlinie auseinanderliegen.

Neben der NLS, in der er auf dem Black-Falcon-Porsche #48 (Assenheimer/T. Müller/Pereira) als Siegkandidat in der SP9 Pro-Am an den Start geht, bestreitet der Luxemburger auch die beiden GTWC-Sprintrennen in Magny-Cours (hier im Livestream!). Hier teilt er sich mit Alex Aka einen Audi R8 LMS GT3 Evo II des Teams Attempto. Das Duo triumphierte in Misano zweimal im Gold-Cup und kämpft damit um den Titel.

Doppeleinsätze sind bei Sportwagenfahrern keine Seltenheit, doch in der Regel finden sie bei weit kleineren Distanzen statt. Oder es gibt ein Fluggerät, wie etwa bei DTM-Fahrern, die 2024 und 2025 per Luftbrücke zwischen Le Mans und Zandvoort pendelten. Das steht Pereira nicht zur Verfügung.

Er wird am Freitagabend von Magny-Cours mindestens 600 Kilometer mit dem Auto zum Nürburgring zurücklegen, dort am Samstag Zeittraining und Startstint fahren, und dann wieder zurück nach Magny-Cours fahren.

Logistischer Drahtseilakt auf vier Rädern

Der Zeitplan für dieses Rennwochenende liest sich dementsprechend wie ein Hochgeschwindigkeits-Ablaufplan: Nach dem Pre-Test am Donnerstag in Magny-Cours absolviert Pereira am Freitagmittag noch das erste Freie Training in Frankreich. Direkt im Anschluss geht es im Auto gen Norden an den Nürburgring, wo er gegen 22:00 Uhr erwartet wird.

"Am Samstagmorgen bekomme ich um 7:30 Uhr extra ein eigenes Briefing. Im Qualifying fahre ich dann vier, fünf Runden Nordschleife, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Falls wir am Ende noch eine Zeit brauchen, setze ich noch eine fliegende Runde auf neuen Reifen", schildert Pereira im Gespräch mit Motorsport-Total.com.

Duschen nach dem Stint? Keine Zeit!

Direkt nach dem Zeittraining geht es für den Luxemburger in die Startaufstellung der NLS. Pereira wird den Startstint auf dem Porsche 911 GT3 R (992) absolvieren und je nach Rennverlauf eventuell noch einen zweiten Stint dranhängen. Doch sobald er aus dem Cockpit steigt, zählt jede Sekunde.

"Ich muss sofort nach dem Stint aus dem Auto und Richtung Magny-Cours aufbrechen. Zeit zum Duschen bleibt keine - absolut keine! Es geht direkt los", stellt Pereira klar. "Man weiß nie, was unterwegs passiert. Ein Stau von einer Stunde kann immer vorkommen. Alle Minuten, die wir mitnehmen können, müssen wir nutzen. Wenn nötig, dusche ich eben erst nach dem Rennen in Magny-Cours."

Mit einer geschätzten Fahrtzeit von sieben Stunden bleibt kaum Puffer. Die Ankunft im Fahrerlager von Magny-Cours ist gegen 20:30 Uhr geplant - exakt 30 Minuten vor dem Start des ersten GTWC-Sprintrennens um 21:00 Uhr. Ab 21:25 Uhr muss Pereira fahrbereit sein, um die zweite Hälfte des Dämmerungsrennens nach dem Pflichtfahrerwechsel von Aka zu übernehmen.

Ein entscheidender Vorteil bei diesem Ritt: Pereira muss nicht selbst am Steuer des Straßenautos sitzen. "Mein Vater fährt mich. Sonst wäre es noch viel schwieriger. So kann ich unterwegs in Ruhe etwas schlafen und verpasse trotzdem nichts."

Renn-Stream im Auto und Abstimmung per Smartphone

Auf der stundenlangen Autobahnfahrt wird Pereira das Geschehen am Nürburgring nicht aus den Augen verlieren. "Wir haben sieben Stunden Fahrt, das heißt, das NLS-Rennen läuft nach meiner Übergabe noch fünf Stunden. Ich werde mir das Rennen im Livestream auf YouTube anschauen, das Team unterstützen und per WhatsApp in Kontakt bleiben."

Gleichzeitig läuft die Vorbereitung auf den nächtlichen GTWC-Einsatz in Magny-Cours bereits im Fond des Pkw. Da er das zweite Freie Training am Freitagabend verpasst, hält er engen Kontakt zu Aka:

"Ich werde mich auf dem Hinweg [am Freitagabend] mit ihm abstimmen und fragen, wie sich das Auto verändert hat. Gibt es mehr Übersteuern oder Untersteuern? So weiß ich genau, worauf ich achten muss. Nach zwei, drei Runden im Rennen hat man dann ohnehin sein eigenes Gefühl aufgebaut."

Dylan Pereira, Alex Aka

Dreamteam: In Misano gewannen Dylan Pereira und Alex Aka beide Rennen im GTWC-Gold-Cup

Foto: SRO/JEP

Der Marathon endet damit allerdings noch nicht: Am Sonntag schlägt Pereira in Magny-Cours wieder den gewohnten Rhythmus ein - diesmal mit Zeittraining und Startstint beim zweiten GTWC-Rennen. Diese Rennen finden dann wieder zu gewohnten Zeiten statt - Qualifying am Vormittag, 60-Minuten-Rennen am Nachmittag. (Schwerer Feuerunfall von Pereira bei der GTWC 2024 in Barcelona)

Der 29-Jährige ist dabei der einzige Fahrer, der die Doppelbelastung auf sich nimmt. "Grundsätzlich war von Anfang an klar, dass es eine Terminüberschneidung geben wird", erklärt Pereira die Ausgangslage.

"Wir mussten entscheiden, was mehr Sinn macht. Aber da wir in beiden Meisterschaften um die Titel mitkämpfen können, habe ich mir die Zeitpläne genauer angeschaut und gesagt: Das geht, das könnte man irgendwie hinbekommen!"

Der Luxemburger stieß mit seiner ungewöhnlichen Idee bei seinen Arbeitgebern keineswegs auf taube Ohren. "Beide Teams stehen voll hinter mir und wollen das Beste für mich. Wenn einer gesagt hätte 'Du fährst nur für uns', ginge es nicht. Aber so war es eine extrem einfache Entscheidung, sich darauf einzulassen."

Wir wollen Deine Meinung!

Was würdest Du gerne auf Motorsport.com sehen?

An unserer 5-Minuten-Umfrage teilnehmen

- Das Motorsport.com-Team

Weiterlesen :

Diese Story teilen oder speichern

Link kopieren

Auf Facebook teilen

Auf Twitter teilen

Auf WhatsApp teilen

Auf Linkedin teilen

Auf Pinterest teilen

Auf Viber teilen

Vorheriger Artikel Valentino-Rossi-Interview: "Mache weiter, solange ich konkurrenzfähig bin"

Nächster Artikel Vincent Vosse im Interview: "Ich hasse es, wenn so etwas passiert!"

Mehr von

Heiko Stritzke



Gigantenduell Valentino Rossi vs. Max Verstappen: Ungleicher GT3-Kampf

GTWC Endurance

GTWC Endurance 2 h

Gigantenduell Valentino Rossi vs. Max Verstappen: Ungleicher GT3-Kampf



Max Verstappen: FAQ zu seinem Start in der GTWC Europe

Formel 1

Formel 1 1 T.

Max Verstappen: FAQ zu seinem Start in der GTWC Europe



GTWC Europe Portimao: Alle Infos zum Finalrennen mit Max Verstappen

GTWC Endurance

GTWC Endurance 1 T.

GTWC Europe Portimao: Alle Infos zum Finalrennen mit Max Verstappen

Mehr von

Dylan Pereira



Acht Siege in Folge: Dylan Pereira holt Titel im Porsche-Carrera-Cup Asien

Porsche-Carrera-Cup

Porsche-Carrera-Cup 27.08.2025

Acht Siege in Folge: Dylan Pereira holt Titel im Porsche-Carrera-Cup Asien



Dylan Pereira in der Feuerhölle: "Gott war auf meiner Seite"

GTWC Sprint

GTWC Sprint

Barcelona

15.10.2024

Dylan Pereira in der Feuerhölle: "Gott war auf meiner Seite"



Walkenhorst holt zwei neue Siegfahrer für restliche NLS-Läufe 2023

NLS

NLS 31.05.2023

Walkenhorst holt zwei neue Siegfahrer für restliche NLS-Läufe 2023

Mehr von

Attempto Racing



Audi-Team Attempto erklärt DTM-Aus nach zwei Jahren: "Kostet uns viel mehr"

DTM

DTM 15.03.2024

Audi-Team Attempto erklärt DTM-Aus nach zwei Jahren: "Kostet uns viel mehr"



Attempto-Teamchef kritisiert Audi nach Dakar-Strafe: "Person aus Amt nehmen!"

Rallye Dakar

Rallye Dakar 08.03.2024

Attempto-Teamchef kritisiert Audi nach Dakar-Strafe: "Person aus Amt nehmen!"



Mit Tresor und Orange1: Attempto-Audi jetzt doch in der DTM 2023!

DTM

DTM 11.04.2023

Mit Tresor und Orange1: Attempto-Audi jetzt doch in der DTM 2023!

Aktuelle News



Formel-1-Ersatzfahrer in kuriosen Massencrash in verwickelt

Super Formula

SF Super Formula 7 Min.

Formel-1-Ersatzfahrer in kuriosen Massencrash in verwickelt



Gesichtet: Toto Wolff im 10-Millionen-Mercedes in Monaco

Formel 1

F1 Formel 1 26 Min.

Gesichtet: Toto Wolff im 10-Millionen-Mercedes in Monaco



Keine schnelle Rettung: McLaren braucht "fundamentale Änderungen" am MCL40

Formel 1

F1 Formel 1

Singapur

1 h

Keine schnelle Rettung: McLaren braucht "fundamentale Änderungen" am MCL40



Gigantenduell Valentino Rossi vs. Max Verstappen: Ungleicher GT3-Kampf

GTWC Endurance

GTWC GTWC Endurance 2 h

Gigantenduell Valentino Rossi vs. Max Verstappen: Ungleicher GT3-Kampf

Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!

Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.

Du hast 2 Optionen:

Jetzt registrieren Schon registriert? Dann hier einloggen!

Adblocker deaktiviert?
Dann versuche es mit Seite neu laden

Benachrichtigungs-Einstellungen

Registrieren