"Unhaltbar": Zwei Teamchefs verlieren die Fassung über 24h-Spa-BoP
Die Teamchefs von Comtoyou Racing und WRT gehen mit der SRO nach den 24 Stunden von Spa 2026 ins Gericht, nachdem sie sich bei der BoP benachteiligt fühlten
BMW und Aston Martin waren die klaren Verlierer der Spa-BoP
Foto: SRO/JEP SRO/JEP
Während das Porsche-Team Lionspeed seinen ersten Sieg feierte, hinterließ die Balance of Performance (BoP) beim 24-Stunden-Rennen von Spa 2026 im Lager von BMW und Aston Martin einen Nachgeschmack. WRT-Teamchef Vincent Vosse und sein Gegenstück bei Comtoyou, Jean-Michel Baert, kritisieren die BoP bei Endurance-Info scharf.
Die sportliche Ausgangslage vor dem Rennen habe zwei Fußballmannschaften entsprochen, von denen eine mit Socken und die andere mit professionellen Fußballstollen spiele, so Jean-Michel Baert. Der Teamchef, der 2024 noch den obersten Platz auf dem Treppchen erklomm, musste in diesem Jahr zusehen, wie alle vier seiner Aston Martin Vantage GT3 vorzeitig die Segel strichen.
Sein Frust ist nicht gegen die SRO als Veranstalter gerichtet, sondern gegen eine technische Abwicklung, die ihn ratlos und wütend zurücklässt. "Die Motorleistung ist das Ergebnis von Gesprächen zwischen den Herstellern [im Falle von Aston Martin ist das Prodrive] und dem BoP-Ausschuss. Wir haben keinerlei Möglichkeit, auf die Kennfelder Einfluss zu nehmen."
"Wir sind nur Passagiere in einer Diskussion zwischen dem Hersteller und den Regelhütern", wettert der Belgier. "Das Ergebnis? Unsere Kunden und Fans werden bestraft." Die Overboost-Strafen in der Superpole empfindet Baert als inakzeptabel, da die Teams selbst keinen Zugriff auf die Kennfelder haben. "Ich weiß nicht einmal, wie die Motorabstimmungen aussehen sollen, da wir nicht über die Simulationen des Herstellers verfügen."
Auch die BoP an sich frustriert ihn: "Wir verlangen nicht, zum Sieger gemacht zu werden. Wir verlangen lediglich, nicht ein Rennen zu verlieren, ohne jemals die Chance gehabt zu haben, es zu gewinnen. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass ich wenigstens die Chance auf einen Sieg bekommen hätte. Außerdem hätte ich mir einen Austausch mit der SRO über die Situation gewünscht, auf den ich immer noch warte."
"Seit Donnerstag haben wir gemeldet, dass wir ein riesiges Problem mit der Höchstgeschwindigkeit hatten. Wir verlieren in Sektor 1 allein eine Sekunde, obwohl es dort nur eine einzige Kurve gibt, nämlich La Source. Der Rest wird mit Vollgas gefahren und wir verlieren 14,5 km/h!"
Vosse platzt der Kragen: "Situation ist unhaltbar"
Auch der WRT-Rennstall, der Inbegriff für Erfolg in der GT3-Szene, spart nicht mit Kritik. Vincent Vosse, der mit seinen drei BMW M4 GT3 den Sieg fest im Visier hatte, wirkte nach dem Rennen desillusioniert. Platz sechs für das Trio Rossi, Hesse und Harper war das Maximum der Gefühle - viel zu wenig für die Ansprüche der erfolgsverwöhnten WRT-Truppe.
Der Sieger des Rennens von 2002 redet Tacheles: "Wir waren nicht wirklich dabei. Wir gewinnen Meisterschaften, aber das liegt vor allem an perfekten Boxenstopps und einwandfreien Strategien. Hier konnten wir nur gewinnen, wenn die anderen Fehler machen oder technische Probleme haben."
Für den Belgier ist klar: Der BMW M4 GT3 Evo war gegen die Übermacht von Ferrari und Porsche, sowie den taktisch perfekt agierenden Mercedes-AMG, chancenlos. Mit BMW und Aston Martin traf es zwei Autos mit Frontmotor, die über einen Turbolader verfügen. Lediglich der Mercedes-AMG GT3 war mit seinem Saugmotor als einziges Fahrzeug mit Motor vor dem Fahrer konkurrenzfähig. Dass zwei Autos in der BoP rausfallen, passiert bei der SRO höchst selten.
Eigentlich sollte eine BoP-Anpassung am Samstagmorgen vor dem Rennen alles beheben. Doch im Endeffekt profitierte Porsche am meisten und gewann prompt das Rennen. BMW und Aston Martin erhielten Anpassungen, die aber nicht weit genug gingen.
Für den WRT-Chef ist das ein Armutszeugnis für den Regulierer: "Solche Anpassungen macht man nur, wenn die Ausgangsbasis schlecht ist oder die BoP nicht stimmt. Doch auch bei dieser BoP-Anpassung vor dem Rennen gab es wohl Fehler."
"Ich habe nie darum gebeten, eine bessere BoP zu erhalten als die anderen. Unser Team hat ebenso wie unsere Fahrer nichts mehr zu beweisen. Aber mit unserem Kader müssen wir die Möglichkeit haben, um Polepositions, Siege und die schnellsten Runden im Rennen zu kämpfen."
"Ferrari und Porsche haben sich deutlich von den anderen Herstellern abgehoben. Mercedes-AMG fuhr ein perfektes Rennen und wurde Zweiter, genau wie bei unserem zweiten Platz bei den 24 Stunden von Le Mans [in der Hypercar-Klasse].
Der BMW M4 GT3 Evo hat im Winter einen neuen Turbolader erhalten, der nun voll und ganz der Serie entspricht. Während BMW die Sache herunterspielte, ist in den bisherigen Rennen bereits aufgefallen, dass der bisherige Topspeed-Vorteil auf den Geraden nicht mehr so groß ausfällt wie in der Vergangenheit. Bei den 24 Stunden vom Nürburgring gab es bereits Klagen von Rowe Racing.
WRT droht bereits mit Konsequenzen: "Diese Situation ist unhaltbar geworden und wird nicht ohne Folgen bleiben." Die SRO verwies auf Anfrage von Motorsport-Total.com auf ein Interview mit Stephane Ratel, das in Kürze veröffentlicht werden soll.
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