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GTWC Endurance 24h Spa
Wie die 24 Stunden von Spa 2001 zum GT-Rennen wurden
Die 24 Stunden von Spa waren über Jahrzehnte das Tourenwagen-Rennen schlechthin - Wie Stephane Ratel das Rennen vor der Bedeutungslosigkeit rettete
Heiko Stritzke Rachit Thukral
Veröffentlicht: 27.06.2026, 04:00
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Der Spruing ins kalte Wasser: 2001 waren die 24 Stunden von Spa erstmals ein reines GT-Rennen
Foto: SRO/Peter SRO/Peter
Die 24 Stunden von Spa (hier im Livestream!) sind mittlerweile das GT3-Spektakel schlechthin im Sportwagen-Kalender. Doch noch ist das ein vergleichsweise junges Phänomen. denn seit der Wiederaufnahme des Rennens im Jahr 1964 war es für fast ein halbes Jahrhundert ein fixer Bestandteil des Tourenwagen-Kalenders.
Natürlich waren die Grenzen zwischen Tourenwagen und GT-Sportwagen in dieser Zeit immer wieder fließend. Der Porsche 911 holte in den 1960er-Jahren drei Siege und auch beim Sieg des Mazda RX-7 im Jahr 1981 lässt sich streiten, ob es ein Tourenwagen oder GT-Fahrzeug war. Gleiches gilt für den Sieg des legendären Nissan Skyline GT-R R32 "Godzilla" im Jahr 1991, der die werkseingesetzten BMW M3 E30 komplett wegfegte.
Dennoch war das Rennen das Tourenwagen-Event schlechthin und von 1966 bis 1988 Aushängeschild der Tourenwagen-Europameisterschaft (ETCC). Nach deren Ende fand das Rennen in der Blütezeit der Gruppe A auch als Standalone-Event noch immer Anklang bei den Herstellern, allen voran BMW mit der ikonischen Bastos-Lackierung.
Doch in den 1990er-Jahren setzte ein Bedeutungsverlust für das Rennen ein. Nach dem Ende der Gruppe-A-Zeit wurde im Jahr 1993 schon einmal ein erster Anlauf versucht, die in Europa gerade erst wiederentdeckten GT-Sportwagen zum Zugpferd zu machen.
GT-Sport war allerdings zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht professionell. Mit dem Porsche 911 RSR gab es nur ein einziges Auto, das wirklich etabliert war. Alle anderen Projekte waren privat aufgebaute Boliden, die mehr an der Box standen als auf der Strecke fuhren. Der Porsche-Cup kam beim Publikum nicht wirklich an.
Tourenwagen erst zu teuer, dann zu langsam
So wandte sich der Royal Automobile Club of Belgium (RACB) ab 1994 wieder den Tourenwagen zu und verbannte die Sportwagen ganz aus dem Rennen - wie übrigens auch der Veranstalter der 24 Stunden vom Nürburgring.
Mit der Super-Touring-Klasse hatte sich ein Nachfolger für die Gruppe A gefunden. Zwar waren die 2-Liter-Tourenwagen gegenüber der letzten Gruppe-A-Generation ein Downgrade, aber die Formel funktionierte zunächst. BMW war wieder mit einem dicken Werks-Aufgebot dabei und begann eine jahrelange Dominanz.
Doch den Erfolg aus der Gruppe-A-Zeit stellte sich nicht wirklich ein. "Die Super-Touring-Autos wurden immer ausgeklügelter, aber immer mehr in Richtung Sprintrennen entwickelt. Dadurch wurden sie immer teurer", sagt Stephane Ratel im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
Meisterschaften wie die Britische Tourenwagen-Meisterschaft (BTCC) zogen damals weltweite Aufmerksamkeit auf sich. So wurden die Fahrzeuge - mit der Ausnahme des BMW 320i - konsequent auf Sprints abgestimmt. "Es gab viele Hersteller, aber die Autos waren nicht dafür ausgelegt, 24 Stunden zu halten", so Ratel.
Als sich 1997 nur noch eine Handvoll Super-Touring-Fahrzeuge zum 24-Stunden-Rennen einfand, zog der RACB die Notbremse. Es wurde noch eine Stufe tiefer gegangen, auf Gruppe-N-Niveau, beziehungsweise die auf dieser aufbauende Superproduction-Klasse.
Das sicherte dem Rennen in den Jahren 1998 bis 2000 hohe Starterzahlen und verkörperte auch den Tourenwagen-Geist, den ursprünglich das Super-Touring-Reglement verfolgte: Modifizierte Serienautos ohne aerodynamische Hilfsmittel. Letztere waren 1995 in der Super-Touring-Kategorie noch zähneknirschend eingeführt worden, nachdem Hersteller mit beflügelten Serienautos getrickst hatten.
Doch das Publikum war nicht mehr bereit, Fahrzeugen mit gerade einmal 220 PS zuzuschauen, wenn man selbst mittlerweile leistungsstärkere Modelle für die Straße bekam. "Am Ende waren es nur noch Alltagsfahrzeuge, die 24 Stunden lang fuhren", so Ratel. "Sie mussten auf Modelle setzen, die immer weniger attraktiv waren."
Die Jahrhundert-Entscheidung
Nach zwei Peugeot-Siegen in den Jahren 1999 und 2000 hatte der RACB genug vom Schneckentempo - und setzte in einer riskanten Wette aufs richtige Pferd, indem er die SRO Motorsports Group kontaktierte. Denn zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass das Tourenwagen-Zeitalter in Spa endgültig vorbei sein und eine goldene GT-Ära beginnen sollte.
"Im Jahr 2000 kamen die damaligen Organisatoren und der Promoter, der das Ganze für den RACB ausrichtete, zu uns und fragten, ob wir nicht Lust hätten, mit dem GT-Sport nach Spa zu kommen", erzählt Ratel.
Für die SRO Motorsports Group war das ein perfektes Angebot zur richtigen Zeit. Sie hatte in den 1990er-Jahren den GT-Sport so rasant professionalisiert, dass die erste GT1-Klasse kurz zuvor an den explodierenden Kosten zugrunde gegangen war.
Die FIA-GT-Serie hatte dadurch einen mächtigen Rückschlag hinnehmen müssen. Doch selbst die "zweite Liga", angeführt von Dodge Viper GTS-R, Lister Storm und Porsche 911 GT2, war immer noch um Welten spektakulärer als die Superproduction-Klasse - und deutlich professioneller als alles, was 1993 in Spa angetreten war. Was gab es also Besseres, um der neuen Identität dieser Rennserie auf die Sprünge zu helfen, als ein echtes Highlight-Event im Kalender?
Ratel erklärt: "Natürlich waren wir begeistert, denn das war genau das, was wir brauchten. Jede wichtige Rennsport-Kategorie braucht ein absolutes Vorzeige-Event. Die IndyCars haben die Indy 500, die Sportwagen haben Le Mans, und früher hatte die Formel 1 Monaco. Jede Kategorie braucht dieses eine große Rennen, das das absolute Highlight der Saison bildet. Spa zu übernehmen, wurde für uns augenblicklich zum wichtigsten Meilenstein."
Viel Überzeugungsarbeit zu Beginn
Die Organisationsseite war das eine, die andere Herausforderung war es, überhaupt genügend Teilnehmer zu finden. Die damaligen GT-Fahrzeuge waren nämlich konsequent auf 500-Kilometer-Rennen oder eine maximale Renndauer von drei Stunden ausgelegt.
"Wir mussten damals auch erst unsere eigenen Teams überzeugen", erinnert sich Ratel. "Wir sind bis dahin 3-Stunden- oder 4-Stunden-Langstreckenrennen gefahren. Den Jungs dann zu sagen, dass sie plötzlich ein 24-Stunden-Rennen bestreiten sollen - mit all den zusätzlichen Kosten, die das mit sich bringt -, war keine einfache Umstellung."
Doch die Perspektive war zu verlorend, es musste durchgezogen werden. Die 24 Stunden von Spa wurden ab 2001 offizieller Teil der FIA-GT-Meisterschaft und mit doppelten Punkten belohnt.
Die Haltbarkeit der GT-Fahrzeuge war auf der langen Distanz zunächst wirklich ein Problem. Das führte unter anderem dazu, dass 2003 sensationell ein Porsche 996 GT3 RS aus der kleineren, eigentlich unterlegenen N-GT-Klasse das Gesamtrennen gewann.
Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten war allen Beteiligten schnell klar: GT war die einzig richtige Richtung für die Zukunft des Rennens. Alle Seiten profitierten: Das Rennen gewann schlagartig wieder an internationaler Bedeutung, die FIA-GT-Serie hatte ihr großes Aushängeschild, die Teams freuten sich über eine enorme Medienpräsenz, und die Zuschauer strömten wegen der spektakulären GT-Boliden zurück an die Strecke.
Im Jahr 2010 kam es noch einmal zu einer Mini-Krise: Die GT1-Klasse, die aus der ursprünglichen GT-Klasse hervorgegangen war, ging in der offiziellen GT1-Weltmeisterschaft auf, die jedoch in einem wirtschaftlichen Fehlschlag endete. Eine geplante GT2-Klasse kam nicht zustande, die Kategorie wurde an den ACO abgegeben, der daraus die GTE-Klasse machte, die sich bis 2023 hielt.
Doch mit der aufstrebenden GT3-Kategorie gab es den perfekten Ausweg. Als diese Krise gemeistert war, hatte der RACB so viel Vertrauen in das Konzept gewonnen, dass er Ratel und der SRO gleich die komplette Durchführung und Promotion des gesamten Events übertrug.
Als Promoter zu neuen Höhenflügen
"Heute promoten wir das Event komplett in Eigenregie, und es ist zweifellos das größte GT-Rennen der Welt geworden. Es ist ein außergewöhnliches Event", erzählt Ratel stolz. "Es ist das einzige Starterfeld mit über 70 Autos einer einzigen Fahrzeugkategorie, bei dem am Ende wirklich nur noch die Fahrer den Unterschied ausmachen."
"Wenn man die Fahrer des Autos, das auf der Poleposition steht, in das Auto des Letztplatzierten setzen würde, könnten sie das Rennen trotzdem gewinnen. Am Ende des Tages ist es hier wirklich nur eine Frage der Fahrerleistung. Die einzigen Klassen, die wir noch haben, basieren rein auf der offiziellen FIA-Fahrereinstufung."
"Aber von diesen mehr als 70 Autos sind in der Regel um die 25 reine Pro-Fahrzeuge, von denen die meisten direkt oder indirekt von den Automobilherstellern unterstützt werden. Wir haben rund acht Hersteller offiziell am Start - ein Aufgebot, das man sonst weltweilt nur in Le Mans sieht. Le Mans und Spa sind die beiden einzigen Rennen auf der Welt, bei denen die größte Anzahl an werkbezahlten Fahrern überhaupt im Grid steht."
Und noch etwas ist durch den radikalen Wandel hin zur GT3-Klasse passiert: Der Charakter des Rennens hat sich völlig verändert. "Früher waren Langstreckenrennen oft ziemlich langweilig", so Ratel. "Ich erinnere mich noch an unsere Anfangsjahre: Da hatte das führende Auto am Sonntagmorgen oft eine, zwei oder drei Runden Vorsprung auf den Zweiten."
"Danach ist im Grunde nichts Aufregendes mehr passiert. Wenn man sich dagegen die vergangenen zehn Jahre anschaut, hatten wir jedes Jahr zwischen drei und acht Autos - meistens fünf bis acht Fahrzeuge - die nach 24 Stunden noch immer in derselben Runde lagen."
"Es ist heute ein reines Sprintrennen von der ersten bis zur letzten Minute, bei dem der Vorsprung im Ziel oft nur wenige Sekunden beträgt. Es wird so unglaublich hart gekämpft. Und das Resultat ist, dass wir bei den vergangenen sechs Ausgaben sechs verschiedene Marken auf dem obersten Treppchen stehen hatten."
Mittlerweile ist das Rennen professioneller denn je und stellt selbst die spektakulärsten Tourenwagen-Jahre der Vergangenheit locker in den Schatten. Von der wegweisenden Entscheidung im Jahr 2000 haben letztendlich alle Seiten profitiert.
Übrigens: Durch die Umstellung auf ein GT-Rennen verloren die 24 Stunden von Spa ab 2001 ein Alleinstellungsmerkmal: Sie waren 2000 das letzte große 24-Stunden-Rennen, das stehend gestartet wurde. Ab 2001 wurde fliegend gestartet, da die GT-Boliden auf stehende Starts nicht ausgelegt waren.
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