Wie Max Verstappen seinem GT3-Team sogar an F1-Wochenenden hilft
Zuschaltung aus der Ferne: Max Verstappen wirkt aktiv an den Rennwochenenden seines GT3-Teams, selbst wenn er F1-Rennen fährt - Was das bringt
Max Verstappen wirkt selbst an F1-Wochenenden an der Set-up-Arbeit des Verstappen-AMGs mit
Foto: SRO/JEP SRO/JEP
Einst wurde ihm Sim-Racing an den Formel-1-Wochenenden untersagt. Doch Max Verstappen hat längst eine neue Nebenbeschäftigung gefunden. Sein Fokus liegt abends oft hunderte Kilometer entfernt bei seinem eigenen Herzensprojekt: dem GT3-Team Verstappen Racing.
In der GT World Challenge (GTWC) Europe ist Verstappen nämlich weit mehr als nur der Namensgeber. Wie Dani Juncadella, der in Kürze gemeinsam mit Verstappen das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring bestreiten wird, verrät, ist der viermalige Weltmeister tief in die Datenanalyse eingebunden - und das sogar während laufender F1-Wochenenden.
Verstappen bringt einen technischen Ansatz in den GT-Sport, der für die Szene fast schon revolutionär ist. "Er hat einen extrem hohen technischen Anspruch; Dinge, die in der Formel 1 funktionieren, versucht er auf den GT3-Sport zu übertragen", sagt Juncadella gegenüber Motorsport-Total.com.
Juncadella, der alle zehn Rennwochenenden der GTWC Europe gemeinsam mit Verstappens Simracing-Kumpel Chris Lulham bestreitet und bei den fünf Endurance-Rennen durch Jules Gounon als drittem Fahrer unterstützt wird, beschreibt dabei, wie leidenschaftlich sich Verstappen einbringt:
"Das ist es, was ihn antreibt. Das ist derzeit seine berufliche Bestimmung", erklärt der Spanier die Rolle seines Chefs. "Er schaut sich auch von den Formel-1-Wochenenden aus unsere Daten an und sagt: 'Macht dies, macht das!' Es ist ziemlich cool, das mitzuerleben, denn es gibt dir als Rennfahrer eine Menge Motivation, über dich hinauszuwachsen. Bei diesem Maß an Leidenschaft, das er einbringt, habe ich das Gefühl, mein Bestes geben zu müssen, um ihn glücklich zu machen."
Manchmal schießt der Perfektionist dabei sogar über das Ziel hinaus. Juncadella schmunzelt: "Gelegentlich ist es fast schon 'Over-Engineering'. Ein GT3-Auto ist im Vergleich zur Formel 1 recht simpel. Da sage ich ihm manchmal: 'Max, geh nicht zu sehr ins Detail.' Aber es ist gut, eine andere Sichtweise zu haben. Bei einem Typen wie ihm zählt nicht nur sein fahrerisches Können, sondern auch sein Gehirn."
Dennoch sei der Input eines Fahrers mit seiner Denkweise und seiner Leidenschaft ein massiver Motivationsschub für das gesamte Team. Laut Juncadella ist Verstappen bei den GTWC-Rennen oft nervöser als bei seinen eigenen Rennen in der Formel 1 im Team Red Bull.
Mission Eifel: AMG-Oldie mit Geheimwaffe
Der nächste große Härtetest für das Projekt steht bei den 24 Stunden vom Nürburgring an. Hier tritt Verstappen Racing, betreut vom renommierten Team Winward, mit einer absoluten Star-Besetzung im Mercedes-AMG GT3 an, der vom erfahrenen Winward-Team eingesetzt wird: Verstappen höchstpersönlich, Juncadella, Gounon und Lucas Auer.
Obwohl der Mercedes-AMG GT3 technisch gesehen bereits zehn Jahre auf dem Buckel hat, sieht das Quartett gute Chancen auf den Gesamtsieg in der "Grünen Hölle". Juncadella betont die Zuverlässigkeit und Konstanz des Konzepts:
"Das Auto ist sehr etabliert. Auch wenn wir zuletzt [beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring] nicht die ganz großen Erfolge gefeiert haben, bist du mit dem AMG immer bei der Musik. Man erlebt selten ein Rennen, bei dem wir komplett chancenlos sind. Mit diesem Auto hast du immer eine Chance. Es mag nicht einfach sein, aber die Chance ist da."
Die Vorbereitung auf der Nordschleife war kurz - Juncadella konnte lediglich beim zweiten Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) Kilometer sammeln. Doch die enorme Erfahrung der Fahrerpaarung und der fast schon wissenschaftliche Support von Max Verstappen im Hintergrund könnten das Zünglein an der Waage sein.
Ein weiterer Grund zur Hoffnung ist die Einstufung des Autos. Mit zweimal 34,5 Millimetern ist der Luftmengenbegrenzer größer denn je - bei einem konstanten Gewicht von 1.355 Kilogramm seit der Einführung des Evo-Modells des AMG im Jahr 2020.
Die Größe der Restriktoren wuchs von zweimal 33 Millimeter im Jahr 2020 über zweimal 33,5 im Jahr 2021 auf zweimal 34 Millimeter in der Saison 2022 an. Diesen Wert behielt der AMG bis 2025. In diesem Jahr darf er mit zweimal 34,5 Millimetern antreten. Die Gesamtfläche zum Ansaugen vergrößerte sich daher von 1.710,6 Quadratmillimeter im Jahr 2020 auf 1.869,7 im Jahr 2026 - ein Zuwachs um 9,3 Prozent in der Fläche.
Natürlich musste dem AMG ein wenig geholfen werden, da seit dem Update 2020 eine ganze Generation neuer GT3-Fahrzeuge von anderen Herstellern debütiert hat. Doch mit der Kombination aus Verstappen, Winward Racing und der günstigen Einstufung des Mercedes-AMG GT3 könnte 2026 tatsächlich etwas gehen.
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