GTWC-Sprint-Champion Weerts: Wie ihm das ADAC GT Masters geholfen hat

Dries Vanthoor und Charles Weerts verteidigen ihre Meisterschaft im GTWC-Sprint-Cup - Wie sich Weerts weiterentwickelt hat und welche Titel noch winken

GTWC-Sprint-Champion Weerts: Wie ihm das ADAC GT Masters geholfen hat

Schon ein Wochenende vor Saisonende stehen Dries Vanthoor und Charles Weerts als Meister des Sprint-Cups der GT-World-Challenge (GTWC) Europe fest. Das WRT-Duo sicherte sich in Brands Hatch mit einem (geerbten) Sieg und einem zweiten Platz den Titel zum zweiten Mal hintereinander.

Das Duo hat sich mittlerweile als Top-Paarung in allen möglichen GT3-Serien etabliert und ist kaum mehr aus der Szene wegzudenken. Der erst 20-jährige Weerts steht damit mit schon zwei internationalen GT3-Titeln da. Beinahe schon unheimlich, denn in seinem Alter macht man noch große Fortschritte, wie er auch selbst erklärt.

"An sich bin ich immer noch derselbe Mensch. Der große Unterschied zum vergangenen Jahr ist aber, dass ich dieses Jahr einen Audi-Vertrag habe. Deshalb hatte ich das Gefühl, es noch professioneller angehen zu müssen", sagt er gegenüber 'Motorsport.com'.

Und so setzte er sich über den Winter intensiv mit der Materie auseinander: "Verglichen mit vergangenem Jahr habe ich versucht, eine noch etwas professionellere Herangehensweise zu wählen. Das war der Hauptunterschied. Vor allem im Qualifying habe ich mich gesteigert. Dieses Jahr hatte ich zwei oder drei Poles. Vergangenes Jahr hatte ich da noch etwas hinter Dries zurückgehangen."

Misserfolge im ADAC GT Masters helfen bei Entwicklung

Geholfen hat ihm dabei auch die Tatsache, dass er sehr viele Kilometer im Audi R8 LMS GT3 absolviert. Der junge Belgier fährt beide GTWC-Europe-Meisterschaften, die Interkontinentale GT-Challenge (IGTC) und das ADAC GT Masters. Und gerade Letzteres hat ihm sehr geholfen.

Denn Weerts ist als herausragendes Talent den Erfolg gewohnt. Das ADAC GT Masters bringt aber selbst gestandene Werksfahrer an ihre Grenzen. "Es ist die wahrscheinlich härteste Meisterschaft, in der ich antrete. Die Abstände sind so klein und man hat überhaupt keinen Raum für Fehler. Viele der Jungs fahren auch in der GTWC. Aber alles ist im ADAC GT Masters deutlich enger."

Denn dieses verbindet das hohe Niveau des Starterfeldes der Endurance-Rennen der GTWC mit der Renndistanz der Sprintrennen. Im GTWC-Sprint-Cup lassen sich aber Fehler besser ausbügeln, weil das Fahrerfeld nicht ganz so stark ist wie in der Deutschen GT-Meisterschaft. Im Endurance Cup gibt allein schon die Renndistanz mehr Chancen, durch Fehler verlorenen Boden wiedergutzumachen.

Im ADAC GT Masters kann ein Fehler allerdings gleich den unwiederbringlichen Verlust von Punkten bedeuten. "Das hat auch dafür gesorgt, dass ich mal schlechte Wochenenden hatte, wo nichts in unsere Richtung gelaufen ist. Ein Beispiel ist Oschersleben dieses Jahr. Wir haben viel Pech gehabt. Das macht einen stärker. Alles, was ich dort gelernt habe, habe ich auch in der GT-World-Challenge angewendet."

Kampf um drei weitere Titel

Für Weerts ist in diesem Jahr noch einiges mehr möglich. Schon an diesem Wochenende geht es für ihn in den nächsten Titelkampf. Dann geht es um die Krone im GTWC-Endurance-Cup. "Wir auf Platz zwei, 15 Punkte hinter dem Tabellenführer. Aber wir wissen, dass das Ferrari-Team unheimlich gute Fahrer hat und konstant schnell ist. Das wird keine einfache Aufgabe."

Es geht gegen das Team IronLynx. Alessandro Pier Guidi, Nicklas Nielsen und Come Ledogar hatten Weerts, Vanthoor und Kevin van der Linde den Sieg bei den 24 Stunden von Spa in letzter Sekunde entrissen. Weil van der Linde dieses Wochenende in der DTM fährt, werden sie durch Robin Frijns unterstützt.

Dann gibt es den Titelkampf im ADAC GT Masters. Auf den Titel hat Weerts zwar keine Chance mehr, da er das Rennen am Red Bull Ring verpasst hat. Trotzdem will er Dries Vanthoor in jedem Fall zum Titel verhelfen: "Ich wäre superstolz, wenn er das schaffen würde. Er hätte es sowas von verdient - als Fahrer, aber auch als Mensch."

Ob er sich selbst dann auch als Meister fühlen würde? "Ja, ein bisschen schon. Wir verbringen so viel gemeinsame Zeit. Er ist mehr als ein Teamkollege für mich. Es liegt ja nicht an mir [dass ich Spielberg verpasst habe], deshalb würde es sich für mich schon ein bisschen wie ein Titel anfühlen. Natürlich sind wir noch weit weg von diesem Szenario." Vanthoor hat derzeit 20 Punkte Rückstand auf die Tabellenführer von SSR Performance.

Und dann wäre da noch die GTWC-Gesamtwertung aus Sprint- und Endurance-Cup zusammengerechnet. Die Meisterschaft bildet eigentlich das Herzstück der GTWC Europe, wird allerdings vom Standing her meist hinter den einzelnen Sprit- und Endurance-Titeln eingeordnet.

"Guter Punkt. Eigentlich verdient sie mehr Respekt, weil man in beiden Meisterschaften gut sein muss", findet Weerts. "Auch für mich war es immer am wichtigsten, Endurance, Sprint oder beide Meisterschaften zu gewinnen [und dann erst die Gesamtwertung]. Aber ich wäre schon zufrieden, wenn wir die auch holen würden."

Mit Bildmaterial von SRO/Dirk Bogaerts.

geteilte inhalte
kommentare
Dramatischer GT3-Unfall in Brands Hatch: McLaren fliegt in den Wald!

Vorheriger Artikel

Dramatischer GT3-Unfall in Brands Hatch: McLaren fliegt in den Wald!

Nächster Artikel

GTWC: In den Wald geflogener McLaren 720S GT3 in vier Tagen repariert

GTWC: In den Wald geflogener McLaren 720S GT3 in vier Tagen repariert
Kommentare laden