Mercedes-AMG GT Track Series bei Renndebüt: "Auto hat sehr gute Basis"

Der Mercedes-AMG GT Track Series fuhr in Spielberg in der GT2-European-Serie: Thomas Jäger und Bernd Schneider über Hintergründe und Herausforderungen

Mercedes-AMG GT Track Series bei Renndebüt: "Auto hat sehr gute Basis"
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Stephane Ratel und seiner SRO ist mit der Aufnahme des Mercedes-AMG GT Track Series in die neue GT2-Kategorie ein echter Coup gelungen. Die Klasse befindet sich gerade im Aufwind, sind doch inzwischen Modelle von rund einem halben Dutzend an Herstellern für den GT2-Rennsport homologiert.

Den ersten Einsatz in der GT2-European-Serie hat der Mercedes-AMG auch schon hinter sich. Ratel höchstpersönlich pilotierte das Fahrzeug zusammen mit AMG-Markenbotschafter Bernd Schneider im Mai beim Rennwochenende in Spielberg, wo die SRO-Rennserie im Rahmenprogramm des ADAC GT Masters auftrat.

Schneider, der an jenem Wochenende den GT Track Series zum ersten Mal steuerte, zeigte sich im Gespräch mit 'Motorsport.com' beeindruckt vom Fahrzeug. Der erste Eindruck sei "sehr gut" gewesen. Thomas Jäger und die weiteren Testfahrer hätten "ein gutes Auto hingestellt. Sonst wären wir auch nicht hierher gekommen. Das Auto hat schon eine sehr gute Basis."

Bernd Schneider: Reglement engt sehr ein

Doch mit dieser Basis konnte man in Spielberg nicht viel anfangen, Stichwort Balance of Performance. Sie gibt gewisse Parameter für die Fahrzeuge vor, weshalb viel Abstimmungsarbeit mit dem Mercedes-AMG GT Track Series erforderlich war.

"Es gibt immer noch Kleinigkeiten, vor allem weil uns das Reglement hier sehr einengt in Sachen Höhe, Sturz und Spur, wo wir ja bei der Entwicklung frei waren. Deswegen müssen wir schauen, dass wir für diese Vorgaben ein gutes Set-up hinbekommen", merkt Schneider daher an. Und auch die Leistung wurde in Spielberg per BoP stark reduziert.

Schneider könnte sich vorstellen, für Kunden mit wenig Rennstreckenerfahrung ebenfalls ein Mapping mit gedrosselter Leistung zur Verfügung zu stellen. "Dass sie dann eben nicht gleich mit 734 PS fahren, sondern vielleicht mit den 600 PS, die wir jetzt hier zur Verfügung haben, um sich dann zu adaptieren", argumentiert der fünffache DTM-Champion.

Mercedes-AMG GT Track Series überraschend in GT2-Klasse

Nach einer weiteren BoP-Runde am Spielberg-Freitag - der Mercedes-AMG GT Track Series war zunächst viel zu schnell eingestuft, weshalb Schneider der Konkurrenz im ersten Training 1,2 Sekunden einschenkte - hatte man Mühe, überhaupt die Top 10 zu erreichen. Die beiden Rennen beendeten Schneider und Ratel auf den Plätzen zehn und acht.

Dass Ratel das Fahrzeug für seine Serie homologieren lässt, überrascht Schneider indes nicht: "Er war immer ein Mann für Markenvielfalt und wenn es ein Produkt gibt, das irgendwie in seine Serie passt, dann versucht er auch immer, dieses Produkt in seine Serie zu bekommen."

"Ich habe anfangs nur nicht gedacht, dass es überhaupt reinpasst. Von daher war ich überrascht, dass es dann doch geht, dass man das Auto im GT2-Reglement so hin trimmt, dass es passt. Und es passt ja auch, wir sehen es an den Rundenzeiten", erklärt Schneider weiter. Doch angesichts der Features dieses Fahrzeugs war eine Homologation naheliegend.

Thomas Jäger: Hatten noch kein richtiges Trackday-Auto

"Du hast die gleichen Sicherheitsfeatures wie im GT3 und GT4, das war uns wichtig. Der Abtrieb ist irgendwo zwischen GT3 und GT4. Wir haben einen etwas größeren Flügel und Frontsplitter [als beim GT4], aber es ist nicht GT3-Niveau", sagt Thomas Jäger im Gespräch mit 'Motorsport.com'. Dabei war es gar nicht die Intention, das Auto für Renneinsätze zu bauen.

Die Affalterbacher entwickelten das Fahrzeug für interessierte Kunden zur Verwendung bei Trackdays, und in limitierter Auflage. Das 55-jährige Firmenjubiläum sollte damit gefeiert werden. Das betont auch Jäger nochmals: "In dem Segment sind wir noch nicht drin. Wir haben Rennautos, GT3, GT4, aber wir haben kein richtiges Trackday-Auto."

Mercedes-AMG GT Track Series

Mercedes-AMG hat den GT Track Series ursprünglich für Trackdays gebaut

Foto: Mercedes-Benz Group Media

"Nachdem die Nachfrage nach dem Black Series so groß war, von dem ja nur eine gewisse Anzahl an Fahrzeugen gebaut worden ist, haben wir dann gesagt: Es gibt eine große Anzahl von Black-Series-Kunden, die das Straßenauto nur wollen, um Trackdays zu fahren. Das war der Anstoß, eine Bewertung zu machen, ob wir nicht davon ein Trackday-Auto bringen können."

Leistung des Fahrzeugs fasziniert Jäger und Schneider

In weiterer Folge wurde ein Testträger gebaut, mit dem dann erste Probefahrten durchgeführt wurden. Diese Probefahrten haben den Stein endgültig ins Rollen gebracht. Vor allem angesichts der Leistungsdaten mit 734 PS und 850 Nm gerät Jäger ins Schwärmen.

"In Le Castellet fahren wir mit dem GT3 270 km/h, und als ich mit dem Auto das erste Mal gefahren bin, bin ich bei einer normalen Getriebeübersetzung mit 302 km/h im Begrenzer gelandet. Aber da waren noch 250 Meter bis zur Kurve. Längere Übersetzung rein: Fast 320 km/h. Dieser Unterschied oben raus ist wirklich unglaublich", erinnert sich Jäger.

Und auch Schneider zeigt sich begeistert von der Leistung des Fahrzeugs. Er bezeichnet sie als "definitiv sogar noch beeindruckender, als im CLK GTR." Und Jäger kommt zu einem kurzen Fazit, das alles sagt: "Es ist wirklich ein geiles Produkt!"

Mit Bildmaterial von Gruppe C GmbH.

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