"Aero-Autos mehr mein Ding": Wie Sophia Flörsch ihre Zukunft plant

GT3- oder LMP2-Auto? Wohin wird es Sophia Flörsch in der Saison 2022 ziehen? Die 20-Jährige fühlt sich in Aero-Autos deutlich wohler

"Aero-Autos mehr mein Ding": Wie Sophia Flörsch ihre Zukunft plant

Sophia Flörsch hat in der Saison 2021 ein Doppelprogramm in zwei völlig unterschiedlichen Autos bestritten. In der DTM startete sie in einem GT3-Audi von Abt mit zahlreichen Fahrhilfen und geringem aerodynamischen Einfluss. In der Langstrecken-WM (WEC) fuhr sie einen LMP2-Boliden, bei dem die Aerodynamik eine wichtige Rolle spielt. Aufgrund ihrer Wurzeln im Formelsport fühlt sich Flörsch im Prototypen wohler, was aber nicht heißt, dass die DTM für sie Geschichte ist.

Abt und Schaeffler haben das Projekt in der DTM erst einmal für zwei Jahre ausgelegt, was aber nicht bedeutet, dass die Rennfahrerin aus Grünwald einen festen Startplatz im Team hat. Das Signatech-Frauenteam war in der Saison 2020 in der europäischen Le-Mans-Serie (ELMS) und im Jahr 2021 in der WEC aktiv, jedoch endet das Projekt am Ende der aktuellen Meisterschaft. Daher ist noch unklar, wohin die Reise für Flörsch im Jahr 2022 gehen wird.

Autos mit hohem Abtrieb liegen der Deutschen definitiv besser: "Ich würde schon sagen, dass die Aero-Autos noch mehr mein Ding sind. Einfach, weil ich es die letzten Jahre, seitdem ich 15 bin, gewohnt bin. Ich fühle mich da mehr Zuhause, weil ich mehr Kilometer abgespult habe." An dieser Stelle würde also ein weiteres LMP2-Projekt im Langstrecken-Sport Sinn ergeben, jedoch hat die 20-Jährige die DTM noch nicht abgeschrieben.

Überschneidungen verhindern Doppelprogramm

"Die DTM ist auch auf einem extrem hohen Niveau und als Fahrer auf jeden Fall ein Umfeld, in dem du sein willst", so die Rennfahrerin. "Daher müssen wir für das kommende Jahr schauen, was am meisten Sinn macht - ob Langstrecke im LMP2 oder wieder DTM. Beides wird glaube ich schwer zu kombinieren sein, da es im kommenden Jahr mit der ELMS und auch der WEC Überschneidungen gibt."

Ferdinand Habsburg, Richard Bradley

Sophia Flörsch fuhr in der ELMS erstmals auf das Podium

Foto: Motorsport Images

Im Jahr 2022 gibt es gleich drei Terminkonflikte zwischen DTM und ELMS: Wenn die DTM im Juli auf dem Norisring gastiert, geht es für die ELMS nach Budapest in Ungarn. Das Rennwochenende auf dem Nürbrugring überschneidet sich mit dem Vier-Stunden-Rennen in Barcelona. Außerdem finden der DTM-Event in Spielberg und der ELMS-Lauf im belgischen Spa-Francorchamps am selben September-Wochenende statt.

DTM und WEC sorgen ebenfalls für Konflikte

Mit der WEC gibt es zudem zwei Überschneidungen: Wenn die DTM in Portimao in die neue Saison startet, geht es für die WEC-Teams für die Sechs-Stunden von Spa-Francorchamps nach Belgien. Wenn die DTM in den Ardennen gastiert, fährt die WEC im japanischen Fuji. So käme Flörsch im Jahr 2022 auf insgesamt fünf Terminüberschneidungen zwischen DTM und der Langstrecke.

Beitske Visser, Sophia Flörsch

Zwischen DTM und WEC wird es im Jahr 2022 zwei Überschneidungen geben

Foto: Motorsport Images

"Das ist relativ traurig, um ehrlich zu sein", so Flörsch, die gerne wieder ein Doppelprogramm in Betracht gezogen hätte. "An sich macht GT3 aber genauso viel Spaß. Es ist einfach eine andere Fahrweise." Da sich die beiden Autotypen aufgrund der unterschiedlichen Philosophien so unterschiedlich fahren lassen, musste sich Flörsch zu Beginn erst einmal an den GT3-Audi gewöhnen, was ihr "nicht so leicht gefallen" ist.

DTM eine völlig neue Herausforderung

"Ich habe mich im GT3 nicht wirklich Zuhause gefühlt", so die junge Rennfahrerin aus Deutschland. Für sie war es zu Beginn schwierig, herauszufinden, "wo das Limit" des Autos liegt und wie es "zu fahren ist". Deshalb habe sie sich nach den 24h von Le Mans "eigentlich nur auf die DTM fokussiert". Das hat Früchte getragen, denn Flörsch schaffte es in der DTM-Saison 2021 immerhin zweimal in die Punkte: in Assen und beim Finale auf dem Norisring.

"Im Grunde ist es so: Je mehr Kilometer du im Rennen fährst, je mehr Erfahrung du sammeln kannst und je mehr schnelle Autos du fahren kannst, desto besser ist es - vor allem im jungen Alter", stellt die 20-Jährige klar. "Ich glaube daher schon, dass so ein Doppelprogramm funktioniert, wenn man es richtig plant." Für Algarve fuhr sie im Jahr 2021 beim ELMS-Finale in Portugal mit und stürmte als erste Frau auf das Podium - die zusätzliche Belastung hat sie also nicht ausgebremst.

Aufgrund der Überschneidungen wird es im Jahr 2022 deutlich schwieriger, ein ähnlich intensives Programm wie im Jahr 2021 aufzubauen. "Wir müssen dementsprechend schauen, was Sinn macht und was da auch von den Partnern und Sponsoren entschieden wird", so Flörsch. "Die Wochen bis Ende des Jahres werden da wieder wichtig und nervenaufreibend - wie jedes Jahr wieder aufs Neue (lacht)."

Viel in der DTM gelernt

Sollte es für Flörsch in der DTM weitergehen, wird sie mit einer Menge Erfahrung in ihre zweite Saison starten. Die Deutsche sagt, sie habe in ihrem "ersten Jahr im Tourenwagen- und GT3-Sport sehr viel mitnehmen können". Insbesondere die Arbeit mit dem Team sei für die 20-Jährige "eine Überraschung" gewesen. Im Vergleich zur Formel 3, die laut Flörsch "schon auf einem hohem Niveau" ist, geht es in der DTM noch "viel tiefer ins Detail".

Flörsch

Wird Flörsch in der Saison 2022 in den Abt-Audi zurückkehren?

Foto: Motorsport Images

"Das ist schon noch einmal eine andere Liga, noch einmal professioneller", resümiert Flörsch. "Bei der WEC gehst du auch ins Detail, aber da sind andere Arten von Details. Da habe ich echt viel mitnehmen können." Nach 16 DTM-Rennen sieht die Rennfahrerin bei sich selbst noch Verbesserungspotenzial, insbesondere im Qualifying: "Aber es ist auch alles so eng beisammen."

"Egal ob Fahrer, Auto, Reifendrücke - es muss immer alles so perfekt sein wie möglich, damit du dann auch die letzten Zehntel rausholen kannst", so Flörsch über den Kampf um die Startpositionen. "An sich war es (DTM) für mich aber auf jeden Fall die richtige Entscheidung." Eine weitere Erkenntnis, die Flörsch gewonnen habe, ist, "als Nachwuchsfahrer immer offen für Neues" zu sein. Deshalb blickt sie in ihrer Karriere von Jahr zu Jahr, um die sinnvollste Entscheidung zu treffen.

Mit Bildmaterial von DTM.

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