AF-Corse-Sportchef über DTM-Entdeckung Lawson: "Beim ersten Test sprachlos"

Wie Liam Lawson das AF-Corse-Team schon beim ersten Test beeindruckte und welche Qualitäten Sportdirektor Ron Reichert beim Beinahe-Champion sieht

AF-Corse-Sportchef über DTM-Entdeckung Lawson: "Beim ersten Test sprachlos"

Obwohl es am Ende für Red-Bull-Youngster Liam Lawson nicht mit dem DTM-Titel in der Premierensaison klappte, war der 19-Jährige für viele der moralische Sieger und ganz klar die große Entdeckung der Saison. AF-Corse-Ferrari-Sportdirektor Ron Reichert wusste hingegen schon vor Lawsons Sensationssieg beim DTM-Auftakt in Monza, dass er es mit einem besonderen Fahrer zu tun hat.

"Wir haben natürlich verfolgt, was Liam macht", so Reichert im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Aber dann saß er beim alleresten Test im Auto, und wir waren alle sprachlos", verweist er auf den Privattest von AF Corse in Spa-Francorchamps Anfang April vor den offiziellen Tests in Hockenheim und auf dem Lausitzring.

"Es gibt ein paar Fahrer auf dieser Welt, bei denen man einfach sieht: Das ist pures Talent. Für mich ist Liam einer der auserwählten Fahrer, der es auf jeden Fall in die Formel 1 schaffen sollte. Nachdem ich ihn das erste Mal hab fahren sehen, war ich also nicht sehr überrascht von seiner Performance."

Reichert: "Da ist Lawson für sein Alter außergewöhnlich"

Doch was zeichnet Lawson, der sich nach nur einer Saison wieder aus der DTM verabschieden wird, besonders aus? "Liams Stärke ist sein Ehrgeiz", antwortet der 29-jährige Sportdirektor. "Er ist nicht hier zum Spaß oder zum Partymachen, sondern um abzuliefern, um schnell Auto zu fahren."

Wie sich das äußert? "Er ruft mitten in der Woche an und sagt: 'Ich habe mir immer wieder meine Onboard angeschaut ...'. Und dann kommt er mit den kleinsten Kleinigkeiten. Er stellt viel Fragen an die Ingenieure: 'Könnt ihr von Runde 15 noch einmal Kurve 3 evaluieren, da habe ich ein bisschen was anderes versucht ...'", gibt Reichert zwei Beispiele, wie akribisch Lawson arbeitet.

"Da merkt man, dass er sich zwischen den Rennwochenenden nicht einfach ein schönes Leben macht, sondern meistens daheim sitzt und studiert, was am Rennwochenende passiert ist. Er schaut sich auch die Onboards der anderen Fahrer an. Und sagt: 'Der hat ein bisschen eine andere Linie gewählt. Was hätten wir da besser machen können?'", gibt der Sportdirektor Einblicke. "Da ist er vor allem für sein Alter sehr außergewöhnlich."

"Noch nie eine Ausrede für irgendwas gesucht"

Doch noch eine andere Tugend zeichnet Lawson laut Reichert aus: seine Ehrlichkeit. "Liam hat noch nie eine Ausrede für irgendwas gesucht", meint der Deutsche. "Wenn er was falsch macht, ist er der erste, der sagt: 'Das habe ich versaut'. Er entschuldigt sich dafür - und zwar ehrlich. Davon war ich sehr überrascht."

Zumal Lawson, der in Milton Keynes fernab seiner Heimat lebt, dieses Jahr ganz auf sich alleine gestellt war und sich in einer entscheidenden Phase seiner Karriere befindet. "Er wurde ins kalte Wasser geworfen - mit einem Team, mit dem er noch nie gearbeitet hat, alleine in Europa. Denn er kann nicht zurück zur Familie in Neuseeland."

Das sei für einen 19-Jährigen nicht die "einfachste Situation, die man sich vorstellen kann", so Reichert. "Und dann eben nicht nach Ausreden zu suchen, ist für mich sehr beeindruckend."

Nürburgring-Tief: So arbeitete AF Corse mit Lawson

Dabei hatte Lawson nach seinem beeindruckenden Saisonstart mit dem Sieg in Monza einige durchwachsene Rennwochenenden und musste sich am Nürburgring zu Saisonmitte heftige Kritik gefallen lassen, nachdem er in einem übermotivierten Manöver die beiden Abt-Audi-Piloten aus dem Rennen schoss.

Doch wie ist es dem Youngster gelungen, sich danach so rasch vom Tief zu erholen? "Wir haben uns danach lange unterhalten - die Führung von Ferrari mit ihm", verweist Reichert auf das enttäuschende Wochenende in der Eifel, als Lawson punktelos blieb.

"Wir haben zu ihm gesagt: 'Liam, das ist DTM! In den letzten Jahren gab es schon viele Hochs und Tiefs'. Ich erinnere mich, dass es auch schon mal drei, vier schlechte Rennwochenenden in Folge gab - und danach drei, vier gute. Wir haben ihm da so ein bisschen Einblick gegeben und haben gesagt: 'Liam, es ist, wie es ist. Du hattest einen super Start, und wir machen da Beste draus. Aber wenn du jetzt aufgibst, dann wird es für dich die Karriere entscheiden'."

Doch Resignation sei für Lawson "nie ein Thema" gewesen, so Reichert. "Er hat gesagt: 'Kein Problem, wir werden zurückschlagen. Wir machen unsere Arbeit und werden sehen, wo wir am Ende des Saison landen'. Von dem her: In jeder Hinsicht ein beeindruckender Junge."

Mit Bildmaterial von Red Bull.

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