AMG-Young-Driver-Test: Audi-Meister Ricardo Feller im Winward-Mercedes!

Aufregender Young-Driver-Test der AMG-Teams in Le Castellet: Wie Feller und ein Ex-Formel-1-Pilot im Mercedes überraschten und wie es David Schumacher & Co. ging

AMG-Young-Driver-Test: Audi-Meister Ricardo Feller im Winward-Mercedes!

Das Lineup für den Young-Driver-Test der Mercedes-AMG-Teams in Le Castellet, der am Mittwoch und am Donnerstag über die Bühne ging, war mit Piloten wie David Schumacher oder Jonathan Aberdein von Vornherein vielversprechend. Doch die Überraschung war groß, als dann ausgerechnet Audis frischgebackener ADAC-GT-Masters-Champion Ricardo Feller im Winward-Mercedes auftauchte.

Der 21-jährige Schweizer, der gemeinsam mit Christopher Mies im Land-Audi den Titel holte, gilt als heiße GT3-Aktie, verfügt aber aktuell über keinen Werksvertrag bei einem Hersteller. Bei AMG scheint man den Youngster, der kurzfristig für den Test nachnominiert wurde und am Donnerstag bei Winward zum Einsatz kam, auf der Rechnung zu haben.

Doch auch noch ein anderer bekannter Name saß völlig unerwartet im Mercedes-AMG GT3: Ex-Formel-1-Pilot Esteban Gutierrez. Der 30-Jährige Formel-1-Tester der Silberpfeile nutzte die Gelegenheit und testete gemeinsam mit Testpilot Fabian Schiller im DTM-Auto von Arjun Maini. Man darf gespannt sein, ob er 2022 nach einem DTM-Cockpit greift, um endlich wieder Rennen zu fahren.

ABS-Problem: Hughes beschädigt bei Crash HRT-Mercedes

Wie der Test in Le Castellet lief? Das wechselhafte Wetter an beiden Tagen stellte die DTM-Teams HRT, Winward, GruppeM und GetSpeed, die neben zahlreichen anderen AMG-Teams testeten, vor große Herausforderungen.

Vor allem beim Team von Hubert Haupt ging der Test mit einem Schrecken los, als Formel-2-Pilot Jake Hughes bei seinem ersten Versuch am Mittwochmorgen in der ersten Kurve mit blockierenden Reifen abflog, in die Reifenstapel einschlug und den Boliden beschädigte.

"Das war definitiv kein Fahrfehler, sondern Jake hatte ein ABS-Problem", stellt HRT-Geschäftsführer Ulrich Fritz im Gespräch mit 'Motorsport.com' klar. "Er hat sich nicht wehgetan, und das Auto war nach drei Stunden wieder fit, aber das hat natürlich nicht geholfen. Schon gar nicht dem Fahrer, der sich bei schlechten Bedingungen das erste mal reinsetzt und gleich einen Unfall hat. Das ist schlecht für das Selbstvertrauen."

Nun müsse man das Problem "gemeinsam mit AMG untersuchen, denn so etwas darf nicht passieren", so Fritz. "Aber das Programm wurde dadurch nicht massiv gestört."

So lief der HRT-Test von David Schumacher

Die Bedingungen waren am Vormittag ohnehin nur bedingt brauchbar gewesen, um Erkenntnisse zu gewinnen. "Es war nicht unfahrbar, aber untestbar", sagt Fritz. "Die Menge an Wasser, die auf der Strecke war, war sehr unterschiedlich." Daher habe man den Plan, Hughes und Lirim Zendeli am Mittwoch und Schumacher und David Beckmann am Donnerstag einzusetzen, verworfen.

David Beckmann, David Schumacher, Jake Hughes, Lirim Zendeli

Formel-Piloten bei HRT: Schumacher, Zendeli, Beckmann und Hughes

Foto: HRT

Stattdessen durften sich Schumacher und Beckmann am Donnerstagmorgen auf ebenfalls feuchter Strecke einschießen, ehe man vor der Mittagspause auf trockener Strecke mit den Performance-Runs begann. Dabei durfte jeder Pilot eine Qualifying-Simulation und einen Longrun absolvieren. Das Set-up der Boliden wurde von AMG vorgegeben.

Das Fazit von Fritz, der als ehemaliger Mercedes-DTM-Chef weiß, was ein Champion mitbringen muss: "Man sieht, dass alle vier extrem gut ausgebildet sind, was zeigt, dass die Formel 2 und die Formel 3 eine sehr gute Schule ist. Die steigen ein und sind mehr oder weniger an den Zeiten der Referenzfahrer dran - gerade ein Jake Hughes, der noch nie in so einem Auto gesessen ist."

David Schumacher "aufgeschlossen und professionell"

Was Fritz dem Quartett in Zukunft zutraut? "Alle vier haben unter Beweis gestellt, welches Potenzial in ihnen steckt. Von ihnen kann jeder in einer DTM bestehen." Vor allem bei David Schumacher fiel Fritz auf, dass dieser sich "sehr aufgeweckt" präsentierte und "sehr aufgeschlossen und professionell an die Themen" herangeht.

Und auch der Sohn von Ex-DTM-Pilot Ralf Schumacher zeigte sich durchaus angetan. "Ich habe sehr viel gelernt, vor allem der Longrun hat sehr viel gebracht. Ich persönlich habe mich schon ein wenig an das Auto gewöhnt. Insgesamt bin ich sehr zufrieden", sagt der 20-Jährige. Zudem habe der Test "richtig Spaß gemacht".

Was es mit Carrie Schreiners HRT-Test auf sich hat

Für eine Überraschung sorgte Carrie Schreiner, die in einem unbeklebten Mercedes-AMG GT3 des HRT-Teams auf die Strecke ging. Ist die 23-jährige Deutsche ebenfalls eine DTM-Kandidatin? "Das hat nichts mit dem DTM-Fahrertest zu tun", winkt Fritz ab.

"Ich bin mit Carrie schon länger in Kontakt, denn sie hat mal einen Formel-E-Test bei uns gemacht. Sie kam Mitte der Saison auf uns zu und hat gemeint, sie würde gerne einmal einen Mercedes probieren. Das haben wir dort gemacht. Sie fuhr aber ein anderes Programm."

Doch HRT war nicht das einzige Team, das in Le Castellet für die DTM testete. Die Winward-Truppe brachte am Mittwoch mit Ex-DTM-Pilot Jonathan Aberdein einen alten Bekannten, der sich mit dem argentinischen TCR-Piloten Esteban Guerrieri abwechselte.

Winward-Teamchef von Guerrieri und Aberdein "erstaunt"

"Beide sind ein Programm durchgefahren, das eine Qualifying-Simulation und einen Longrun beinhaltet", bestätigt Winward-Teamchef Christian Hohenadel im Gespräch mit 'Motorsport.com' das mit HRT abgestimmte Programm. "Das haben wir im Trockenen und im Nassen gemacht. Es ist sehr schwierig, die Zeiten im Nassen zu vergleichen, aber ich kann sagen, dass sie auch im Vergleich zu den Referenzfahrern auf einem sehr guten Level waren."

Dass sowohl Aberdein als auch Guerrieri so rasch auf Touren kamen, war für Hohenadel "erstaunlich, weil ja beide andere Fahrzeugkonzepte gewohnt sind. Esteban kommt vom Fronttriebler, was mit Sicherheit die Umstellung nicht einfach macht. Aber auch Jonathan war sehr gut dabei. Er saß erst das zweite Mal in einem GT3 und ist Carbonbremsen gewohnt."

Dass beide Vollprofis sind, fiel dem Winward-Teamchef beim Umgang mit den Reifen auf. "Beim S8-Reifen von Michelin ist das Warm-Up ganz entscheidend, um ihn ins richtige Arbeitsfenster zu bringen", erklärt er. "Dafür gibt es verschiedene Werkzeuge. Du merkst, dass sie das gewohnt sind und einen professionellen Hintergrund haben, auch wenn sie Fahrzeug und Reifen nicht kennen. Die wissen genau, worum es geht."

Mit Bildmaterial von DTM.

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