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Aston Martin und Thiim auf DTM-Titelkurs: Personalcoup als Schlüssel?

Aston Martin kämpft plötzlich um den DTM-Titel: Wie Nicki Thiim im Hintergrund die Fäden zog und Comtoyou den Sprung zum Topteam schaffte

Aston Martin und Thiim auf DTM-Titelkurs: Personalcoup als Schlüssel?

Nicki Thiim feiert seinen Norisring-Doppelerfolg mit Donuts für die Zuschauer

Foto: ADAC Motorsport

Aston-Martin-Werksfahrer Nicki Thiim und seine Comtoyou-Truppe sind Halbzeit-Champions der DTM! Aber wie wurde aus dem anfänglichen Nachzügler-Team aus Belgien in der DTM-Saison 2026 eine Siegertruppe, die um den Titel fährt? "Man darf nicht vergessen, dass es für uns erst die zweite Saison in dieser Meisterschaft ist", erinnert Thiim. Das Team habe sich "im Vergleich zum Vorjahr massiv verbessert".

Der Däne hatte bei dieser Entwicklung selbst seine Finger im Spiel: Als sich abzeichnete, dass sein Traum vom Start im Aston Martin dieses Jahr in Erfüllung geht, lotste er Mario Schuhbauer zum Team - jenen Mann, der 2024 seinen SSR-Teamkollegen Mirko Bortolotti als Teamchef zum DTM-Titel führte.

Aber wie kam es dazu, dass Schuhbauer nun bei Comtoyou das DTM-Projekt leitet? "Es ist spannend, vor allem mit Mario", antwortet Thiim. "Es gibt auch noch andere Leute, die ich an Bord holen wollte. Viele sind Freelancer - und sind an andere Projekte gebunden, aber speziell mit Mario bin ich immer in Kontakt geblieben."

"Schuhbauer bringt viel Ruhe ins Team"

Schuhbauer hatte seine Fühler 2025 nach dem Abgang beim aufgelösten Lamborghini-Topteam SSR bereits in Richtung Formel 1 ausgestreckt, entschied sich dann aber doch zu einer DTM-Rückkehr. "Die ausschlaggebende Schnittstelle war vielleicht sogar Nicki", meinte Schuhbauer nach dem Wechsel. "So kommt man dann ins Gespräch. Und dann ergibt das eine das andere."

Nicki Thiim

Thiim und Projektleiter Mario Schuhbauer feiern die Norisring-Sternstunde

Foto: ADAC Motorsport

Das bestätigt auch Thiim. "Ich habe bereits vor der Bekanntgabe offen mit ihm darüber gesprochen", sagt der 36-Jährige. "Wir wissen alle, dass man im organisatorischen Bereich, in dem Mario tätig ist, Leute braucht, die schon länger im Geschäft sind. Man versucht einfach alles, um die maximale Performance herauszuholen."

Speziell in der DTM, die anders funktioniert als die meisten GT3-Serien, brauche man das "Beste vom Besten". Daher habe Thiim versucht, "Leute ins Team zu bekommen, die einige Jahre in der DTM gearbeitet haben und erfolgreich waren". Das dürfte sich ausgezahlt haben, denn einem DTM-Kenner fällt auf: "Schuhbauer bringt viel Ruhe ins Team."

Kaum noch Fehler und sensationelle Boxenstopps

Auffällig ist auch, dass dem Team im Vergleich zum Vorjahr, als immer wieder Unachtsamkeiten passierten, kaum noch Fehler unterlaufen. Nur einmal erhielt Comtoyou diese Saison eine Strafe: als Thiim in Zandvoort mit Landgraf-Mercedes-Pilot Lucas Auer kollidierte.

Die deutlichste Verbesserung gelang der Comtoyou-Truppe aber bei den Boxenstopps. Die waren zwar im Vorjahr teilweise auch schon im Bereich von sieben Sekunden, aber immer wieder ging ein Stopp schief. Dieses Jahr bewegt man sich seit dem dritten Saison-Wochenende auf dem Lausitzring konstant unter sieben Sekunden - und zwar ohne neue Mechaniker von anderen Teams geholt zu haben.

"Wir arbeiten sehr intensiv und analytisch an den Stopps, haben sehr viel ausprobiert", erklärt Schuhbauer die Gründe. "Manche schielen bei den Boxenstopps immer auf die Bestzeit, aber das habe ich nie gemacht. Ich schaue immer auf die Durchschnittszeit der sechs Stopps pro Wochenende. Denn wenn ich immer eine halbe Sekunde schneller bin, aber ein Stopp komplett schiefläuft, verhaue ich mir das gesamte Wochenende."

Schuhbauer: "Haben wir uns gemeinsam erarbeitet"

Bei Comtoyou war der Schnitt auf dem Norisring 6,757 Sekunden - eine beeindruckende Zahl. Und bei Thiims Samstags-Sieg auf dem Norisring zauberte die Comtoyou-Crew sogar mit 5,8 Sekunden und schaffte es als einziges Team unter die Sechs-Sekunden-Schallmauer.

Ob die Verbesserung sein Verdienst sei? "Das haben wir uns gemeinsam erarbeitet", antwortet Schuhbauer, der wegen des Jobs nach Belgien zog "Natürlich habe ich Dinge eingebracht, die ich von SSR weiß, aber die Jungs haben so Lust drauf, starke Stopps zu machen", verweist der DTM-Projektleiter auf den Teamspirit. "Sie wissen schon, was sie tun - und sind unglaublich motiviert. Das zeigen sie auch in anderen Serien."

Dabei ist die Comtoyou-Truppe eindeutig in der Rolle des Davids, der gegen Goliath kämpft, denn während es sich andere Teams leisten können, für jede Meisterschaft eine eigene Crew zu nutzen, bestreiten die Belgier mit zwei Crews fünf Meisterschaften: In der DTM und in der Sprintserie der GT-World-Challenge Europe (GTWCE) kommen die gleichen Mechaniker zum Einsatz.

Technisch deutlich besser aussortiert als 2025

Aber auch die Erfahrung des Teams macht sich 2026 bezahlt: Während Comtoyou 2025 beim Set-up teilweise noch im Nebel stocherte, was den Aufwärmprozess der Pirelli-Reifen angeht, wirkt man nun deutlich besser aussortiert. Das zeigen auch die drei Polepositions für Thiim auf dem Lausitzring und dem Norisring.

"Mit meiner Erfahrung und meinem Wissen von den Strecken kann ich das Team deutlich weiterbringen", leistet auch Thiim, der die DTM-Strecken gut kennt, seinen Beitrag. "Die deutschen Strecken unterscheiden sich so stark von dem, wo wir normalerweise fahren." (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)

Überhaupt scheint das Team in der DTM angekommen zu sein - und zwar in der Riege der Topteams. Das könnte auch damit zu tun haben, dass die Serie nun intern eine höhere Priorität genießt. "Jean-Michel (Baert; Teambesitzer - Anm. d. Red.) und Teamchef Francois Verbist haben richtig Blut geleckt", fällt Schuhbauer auf. "Sie treiben das Team an und wollen es in der DTM nach vorne bringen."

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