Audi-Nachteil bei erster DTM-BoP wegen nicht gelieferter Daten? "Ist Blödsinn"

Wieso den Audi-Teams vorgeworfen wird, bei den Tests und auch beim Training in Monza nicht alle Daten geliefert zu haben - und wie man bei Abt darauf reagiert

Audi-Nachteil bei erster DTM-BoP wegen nicht gelieferter Daten? "Ist Blödsinn"

Nach dem Samstagsrennen beim DTM-Saisonauftakt in Monza, bei dem Kelvin van der Linde als bester Audi-Pilot Fünfter wurde, zeigte man sich im Lager der Ingolstädter mit der Balance-of-Performance-Einstufung der DTM unzufrieden: Die AVL müsse "ihre Hausaufgaben machen", forderte Rosberg-Teamchef Kimmo Liimatainen, während auch das Abt-Fahrertrio das Topspeed-Manko beklagte. Doch DTM-Boss Gerhard Berger zeigt wenig Verständnis.

"Die müssen sich schon selbst bei der Nase nehmen", sagt der Österreicher in einem Videointerview auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com. "Das erste Rennen haben sie selbst weggeschmissen. Sie hätten die Daten bei den Testfahrten nur wie die anderen sauber abgeben müssen. Dann hätten wir sie viel besser einschätzen können."

Am Sonntagmorgen wurde die Einstufung überarbeitet - und Abt-Pilot van der Linde holte die Pole und den Sieg vor Markenkollege Nico Müller. Aber was steckt hinter der Kritik des Österreichers? Tatsächlich war die für die Balance of Performance zuständige AVL bis zum ersten Renntag der DTM-Saison 2021 nicht gerade mit Daten aus dem Audi-Lager gesegnet.

Federweg- und Transponder-Daten im Fokus

Beim Test auf dem Lausitzring, bei dem die AVL ihre BoP-Runs durchführte, um Daten für die Simulationen und die erste Einstufung in Monza zu sammeln, fehlten zunächst wiederholt die Federwegdaten, die laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' von besonderer Bedeutung sind.

Das liegt daran, dass sie in Wechselwirkung mit der Aerodynamik und dem Gewicht des Autos stehen - und dadurch überprüft werden kann, ob geblufft wird. Ein Beispiel: Bei Tempo 200 km/h, einem Basis-Set-up und einer gewisser Feder-Kennlinie muss das Auto an der Vorderachse zwei Millimeter einfedern. Tut es das nicht, stimmt etwas nicht.

Zudem fehlten beim ersten Freien Training in Monza auch die Transponderdaten von allen drei Abt-Boliden, die neben den Sektorzeiten auch die Topspeeds zeigen. Dadurch war Rosberg-Pilot Nico Müller der einzige echte Gradmesser im Audi-Lager, da sein Rookie-Teamkollege Dev Gore noch nicht auf Topniveau ist. Und zur Überprüfung, ob die AVL bei der BoP ins Schwarze getroffen hat, waren die Daten durchaus relevant.

Abt-Sportdirektor über Bluff: "Sollte bei anderen schauen"

Hat man im Audi-Lager also geblufft und Daten bewusst zurückgehalten? "Das ist doch Blödsinn", winkt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier ab. "Die Firma Abt ist eher eine unterstützende Firma, was die DTM angeht, als eine verhindernde Firma. Darum wundert mich Gerhards Aussage ein bisschen."

Allein die Tatsache, dass am Samstag im Qualifying "fünf Mercedes vorne waren und der Ferrari das Rennen dominierte" spreche gegen einen Bluff. "Da sollte man bei den anderen schauen, ob sie geblufft haben - und nicht bei uns."

Lag es an der Software des Datenaufzeichnungsgeräts?

Doch welche Erklärung hat er dafür, dass die AVL beim Lausitzring-Test erst nach gewisser Zeit alle Daten der Audi-Teams erhielt? Das führt Biermaier auf Abstimmungsprobleme mit dem Datalogger von Memotec zurück. Dabei handelt es sich um ein Datenaufzeichnungsgerät, in das die Sensorendaten einfließen - und danach ausgelesen werden.

"Da Memotec immer wieder neue Boxen anbringt, zum Beispiel für das Boxenstopp-Timing, müsste man die Software immer anpassen", erklärt er. "Aber das wurde von Audi nicht angepasst. Das hat am Anfang nicht funktioniert." Nach dem Update durch Audi im Laufe des Tests "wurden die Daten sauber geliefert", sagt Biermaier. "Von den drei Tagen hat es mindestens 50 bis 60 Prozent der ganzen Testzeit funktioniert."

Keine Transponderdaten im Training: "War unser Fehler"

Aber warum waren die Transponder im ersten Training in Monza nicht aktiviert und lieferten keine Sektorenzeiten und Topspeeds? "Ein Transponder war nicht verbaut, und zwei waren nicht aktiviert", geht Biermaier ins Detail. "Wir haben ein, zwei neue Leute im Team. Das war unser Fehler, wir haben das vergessen."

Dass man aber keine Einblicke in die Audi-Performance geben wollte, dementiert Biermaier: "Wir hatten nichts zu verstecken. Außerdem gab es immer noch die Daten von Nico Müller, der im ersten Training schneller war als Kelvin van der Linde. Und die BoP wurde ja mit den Daten vom Lausitzring gemacht."

ITR reagiert und schließt Reglementlücke

Fakt ist: Keiner der Zwischenfälle war in irgendeiner Form regelwidrig. Denn der ITR wurde erst durch die fehlenden Abt-Transponderdaten bewusst, dass man vergessen hatte, die Aktivierung im Reglement verpflichtend zu verankern. "Da haben wir beim Schreiben des Reglements einen Fehler gemacht", bestätigt ITR-Technikchef Michael Resl. "Man würde sagen, die Nutzung sei selbstverständlich. Nein, wenn es nicht im Reglement steht, dann ist es eine Frage der Interpretation."

Nach dem ersten Training reagiert die ITR mit einem Bulletin, um die Nutzung der Transponder ab sofort auch während der Freien Trainings vorzuschreiben. Und auch von den Abt-Autos wurden im zweiten Freien Training die entsprechenden Transponder-Daten geliefert.

Interessant ist, dass auch beim privaten Monza-Test zwei Wochen vor dem DTM-Saisonauftakt bei beiden Audi-Teams die Rundenzeiten-Daten komplett gefehlt hatten, während die Mercedes-AMG-Teams und T3-Lamborghini ihre Zeiten über die Transponder preisgaben. "Warum muss ich den anderen unsere Zeiten zeigen?", erklärt Biermaier die Herangehensweise. "Ich gehe dort privat hin - und wir haben unsere Zeiten sauber gestoppt. Das reicht uns."

Mit Bildmaterial von ABT Sportsline.

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