BMW erklärt Turbowechsel bei M4 GT3 mit "Kosten": Von der FIA gezwungen?
Ein neuer Turbolader erforderte im Winter eine Nachhomologation des BMW M4 GT3 Evo: Offiziell um die Kosten zu senken, aber war der Wechsel wirklich freiwillig?
War die Änderung des Turboladers beim BMW M4 GT3 Evo wirklich freiwillig?
Foto: ADAC Motorsport
Wurde dem BMW M4 GT3 Evo dieses Jahr der Ladedruck radikal gekürzt? Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man 2026 die Balance of Performance (BoP) in der DTM oder bei den 24h Nürburgring betrachtet. Doch wie Motorsport-Total.com herausgefunden hat, wurde der Bolide im Winter mit einem neuen Turbolader ausgestattet, was den Unterschied im Vergleich zu den vergangenen Jahren erklärt. Aber wieso kam es zur Nachhomologation bei der FIA?
"Die Einführung war eigentlich schon ab 2025 geplant", erklärt BMW-Motorsportleiter Andreas Roos im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Aber weil die Entwicklungszeit zu lang war - und auch wegen der Applikation - haben wir uns dann mit der FIA und den Veranstaltern darauf geeinigt, dass die Einführung erst 2026 stattfindet."
Genau genommen fand die Premiere des neuen Turboladers im M4 GT3 Evo bereits Ende November 2025 beim GT-Weltcup in Macao statt. Die 12h von Bathurst wurden im Februar 2026 noch einmal mit dem alten Turbolader gefahren, weil die für die BoP zuständige SRO Motorsports Group ihren traditionellen BoP-Test erst danach austrug.
BMW-Motorsportleiter: "Hauptgrund war, Kosten zu senken"
"Der Hauptgrund war, die Kosten nach unten zu kriegen, denn es ist jetzt 1:1 der Serien-Turbolader, wie er im M3 oder im M4 überall verbaut ist", bezeichnet Roos den Turbolader-Wechsel als "Cost-Down-Maßnahme". Zudem habe man auf Effizienz und alternative Kraftstoffe geachtet, deren regenerative Anteile laut Roos für Turbomotoren teilweise eine Herausforderung darstellen. "Wir haben versucht, das in der Applikation robuster zu machen", sagt er.
Was die Fahrbarkeit angeht, rechnet Roos nicht mit grundlegenden Änderungen. "Vielleicht ein bisschen durch die Applikation und dadurch, dass das Brennverfahren ein bisschen umgestellt wurde", sagt er. Das bringe in einem Bereich "vielleicht einen leichten Vorteil", könne sich aber in einem anderen auch "negativ" auswirken. Insgesamt sei das aber "vernachlässigbar".
Auffällig ist beim neuen Turbolader neben dem Ladedruck, der nun teilweise um rund 0,3 bar geringer ausfällt, auch ein geänderter Lambdawert, der den Benzin-Luft-Anteil im Brennraum bestimmt. Statt einem Lambda von 1,1 wird nun in der DTM mit einem Lambda von 0,9 gefahren, was auch bei anderen Turboboliden üblich ist. Das bedeutet, dass das Benzingemisch nicht mehr so mager ist - und der BMW nicht mehr so wenig Sprit verbraucht wie bisher.
Roos dementiert Zusammenhang mit Manthey-Vorwürfen
Aber was sagt Roos zu den Gerüchten im Fahrerlager, die Umstellung habe mit Vorwürfen der Konkurrenz zu tun, der BMW könne hin und wieder unerwartet zusätzliche Leistung abrufen? "Nein, das stimmt nicht - das hat damit überhaupt nichts zu tun", stellt Roos klar. "Es war unser Ansatz zusammen mit der FIA, das zu ändern."
Offenbar gibt es tatsächlich keinen Zusammenhang mit den Manthey-Vorwürfen aus dem Vorjahr beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und beim DTM-Finale in Hockenheim. Aber ganz freiwillig dürfte die Änderung dennoch nicht stattgefunden haben.
Zwang die FIA BMW zu einer Umstellung?
Denn wie Motorsport-Total.com aus unterschiedlichen Quellen unabhängig voneinander erfahren hat, habe die FIA eine Änderung des bisherigen Turboladers eingefordert, weil es sich offenbar nicht - wie vom Reglement und von der Homologation verlangt - um einen Turbolader handelte, wie er 1:1 in der Serie genutzt wird.
Der bisherige Lader soll zwar von außen genauso ausgesehen haben, beim Innenleben sei das aber, wie man hört, nicht zu 100 Prozent der Fall gewesen. Eigentlich hätte der Wechsel bereits im Vorjahr während der Rennsaison stattfinden sollen, dann entschied man sich aber auch wegen potenzieller Auswirkungen auf die BoP für eine Beibehaltung bis zum Ende der Saison, weil es sich beim Turbolader um ein elementares Teil des Fahrzeugs handelt.
Aber hat es sich bei der Unregelmäßigkeit um Vorsatz gehandelt? Nach dem Verständnis von Motorsport-Total.com ist es durchaus möglich, dass es bei der Homologation des Boliden zu einem Missverständnis mit BMW kam und die FIA trotz damaliger Prüfung erst im Jahr 2025 auf die Angelegenheit aufmerksam wurde.
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