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BMW-Leiter Dittrich: Warum DTM härtere Reifen braucht

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BMW-Leiter Dittrich: Warum DTM härtere Reifen braucht
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24.09.2019, 09:19

Warum BMWs DTM-Leiter Rudolf Dittrich der Meinung ist, dass die Klasse der Fahrer bei härteren Reifen mehr Gewicht bekommt und wie das DTM-Fahrerlager reagiert

Seit 2017 setzt die DTM wieder auf weichere Reifen. Das ist für BMWs DTM-Leiter Rudolf Dittrich aber der falsche Weg: Er glaubt, dass die Klasse der Piloten bei härteren Reifen besser zum Vorschein kommen würde. "Ich bin für stabile, eher härtere Reifen", sagt Dittrich im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Seine Erklärung: "Wir haben ja in den vergangenen Jahren den Volllast-Anteil reduziert - also die Zeit, in der du Vollgas gibst. Denn Vollgas geben können alle. Das ist uns über eine signifikante Reduktion der Aerodynamik gelungen. Dadurch musst du früher bremsen und später aufs Gas gehen."

Auch die 2019 eingeführten Turbomotoren, die um über 100 PS mehr Leistung haben und deutlich mehr Gefühl im Gasfuß verlangen, leisten dazu einen Beitrag. "Wir haben damit den Volllast-Anteil um über zehn Sekunden reduziert", erklärt Dittrich. "Wenn du jetzt noch härtere Reifen nehmen würdest, dann würde das auch in diese Richtung gehen."

BMW-Leiter Dittrich: Fahrer muss im Mittelpunkt stehen

Was das alles bringe? "Dass du den Zeit-Anteil erhöhst, in dem der Fahrer arbeiten muss", erklärt Dittrich. "Und davon bin ich ein Fan: dass der Fahrer möglichst im Mittelpunkt steht und gefordert ist - und sich im Verkehr die Reifen auch nicht so schnell ruiniert."

Dieter Gass, Rudolf Dittrich

Unterschiedlicher Meinung: Audi-Sportchef Gass und BMW-Leiter Dittrich

Foto: LAT

Denn der weiche Reifen lässt laut Dittrich nur eine Zeitlang spannende Zweikämpfe zu. "Wenn man einige Male attackiert, gehen diese bewusst weich gewählten Reifen relativ schnell in den Verschleiß", sagt Dittrich. " Das heißt nicht, dass sie dann massiv einbrechen, aber dann fehlt genau dieser Peak, der einem die Möglichkeit geben könnte, am anderen Piloten vorbeizukommen. Und dann geht für den Rest des Rennens nicht mehr viel."

Audi: Weicher Reifen für Fahrer herausfordernder

Doch was sagt Audi-Sportchef Dieter Gass zum Vorstoß des BMW-Leiters? Der Hesse outet sich als Fan weicherer Pneus. "Wir hatten jahrelang harte Reifen", sagt Gass auf Anfrage von 'Motorsport.com'. "Ich bin der Meinung, dass die guten Rennen in dieser Saison zu einem großen Teil auf den Reifenabbau zurückzuführen sind."

Dass ein härterer Reifen für die Piloten eine größere Herausforderung darstellen würde, könne man nicht klar sagen. "Ich glaube nicht, dass der harte Reifen herausfordernder ist. Der Fahrer stellt sich ja auf das Gripniveau ein und lotet es aus. Beide Arten von Reifen stellen den Fahrer vor Herausforderungen. Wenn ein Reifen herausfordernder ist, dann der weiche Reifen, weil es darum geht, ihn am Leben zu erhalten."

Laut Gass spielt aber der vom Reglement vorgeschriebene Mindestreifendruck eine entscheidende Rolle. "Das hat einen großen Einfluss darauf, wie konstant der Reifen ist. Wenn wir uns Rennen wie Assen anschauen, dann hat das meiner Meinung nach einen entscheidenden Beitrag zur Spannung geleistet", verweist er auf die Reifenschlacht in den Niederlanden, bei der zahlreiche Piloten mit plötzlich einbrechenden Pneus zu kämpfen hatten.

Di Resta widerspricht Dittrich: Weiche Reifen viel fordernder

Aber glaubt Aston-Martin-Routinier Paul di Resta, dass härtere Reifen die Piloten mehr fordern würden, weil man weniger Vollgas geben kann? "Da würde ich widersprechen", fackelt der Schotte im Gespräch mit 'Motorsport.com' nicht lange herum.

Paul di Resta

DTM-Routinier Paul di Resta spricht sich ganz klar gegen härtere Reifen aus

Foto: ITR

"Ich denke, der weichere Reifen macht es wesentlich schwieriger, das Fenster zu treffen, in dem das Fahrzeug funktioniert. Er belohnt Fahrer, die es drauf haben, einfach wesentlich mehr. Denn dieser Fahrer hat das Hirnschmalz, die Reifen richtig zu managen. Und ich weiß, dass jeder Fahrer derselben Meinung ist."

Hankook: Für Änderung 2020 bereits zu spät

Aber wie sieht man die Angelegenheit eigentlich bei Reifenhersteller Hankook? Derzeit stehe noch keine Entscheidung fest, in welche Richtung man in Zukunft gehen werde, stellt Hankook-Ingenieur Thomas Baltes klar. Für die kommende Saison sei es aber bereits zu spät, etwas zu ändern: "Man muss mit einem Dreivierteljahr Vorlaufzeit rechnen - und da sind wir schon weit drüber."

Michael Baltes

Hankook-Ingenieur Thomas Baltes weiß, wie komplex das Thema Reifen ist

Foto: Hankook

Er selbst ist nicht der Ansicht, dass ein härterer Reifen den Fahrer mehr fordert. Zumal es sich um eine komplexe Angelegenheit handle. "Eine generelle Reifenwahl ist mit so vielen Faktoren gekoppelt, dass man nie sagen kann: Unter diesen Bedingungen ist ein härterer Reifen besser und unter jenen der weichere. Das hängt von den äußeren Bedingungen und von der Strecke ab", erklärt Baltes.

Hankook: Harter Reifen kein Garant für weniger Verschleiß

"Generell ist ein härterer Reifen kein Garant dafür, dass ich weniger Verschleiß oder eine geringere Laufflächentemperatur habe. Das kann auch genau ins Gegenteil ausarten. Wenn ich eine härtere Mischung habe, kann das dazu führen, dass ich mehr rutsche und mehr Temperatur sowie einen höheren Verschleiß generiere. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle."

Der einfachste Weg, um eine Antwort zu erhalten, sei ein Test auf einer Rennstrecke. Generell richte man sich aber nach den Anforderungen der DTM-Dachgesellschaft ITR. "Wir bekommen ein Lastenheft von der ITR, in dem genau vorgegeben wird, was der Reifen können muss. Nach diesen Kriterien wird der Reifen entwickelt. Dann kommt das Produkt heraus, das gefordert wurde. Wir haben nicht die Freiheit, zu sagen, morgen fahren wir einen harten und übermorgen einen Medium-Reifen."

Mit Bildmaterial von Hankook.

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Rennserie DTM
Tags bmw , hankook , Reifen , Rudolf Dittrich
Urheber Sven Haidinger