Brünn, Spa, Italien, Ungarn? Wie die DTM 2027 den Kalender erweitern will
Die DTM würde 2027 gerne ein neuntes Event austragen und internationaler werden: Welche Strecken die Kandidaten sind und wieso die Suche nicht einfach ist
Kehrt die DTM nach 22 Jahren auf den tschechischen Kurs in Brünn zurück?
Foto: Markus Toppmöller
Die DTM liebäugelt mit einem neunten Rennwochenende: Nachdem der Kalender der Traditionsserie seit dem Wechsel auf das GT3-Reglement im Jahr 2021 stets aus acht Wochenenden und 16 Läufen bestand, will der ADAC die Serie mittelfristig auf über zehn Wochenenden erweitern. "Ohne zu viel verraten zu wollen, solltet ihr euch fürs nächste Jahr ein Wochenende mehr freinehmen", kündigt ADAC-Motorsportchef Thomas Voss an.
"Wir möchten gerne erweitern, wir möchten auch gerne weiter internationalisieren", stellt er klar. "Wenn es ein neuntes Rennen gibt, wird das wahrscheinlich im Ausland stattfinden." Allerdings nicht um jeden Preis, denn in der Vergangenheit sind Versuche der DTM fernab der Heimat schon zu oft gescheitert.
"Zu expandieren, macht nur Sinn, wenn man gewisse Konstellationen schafft, die die Zuschauer dazu veranlassen, an die Rennstrecke zu kommen. Das ist für mich das A und O", sagt er. "Nichts ist schlimmer als Fernsehbilder mit leeren Rängen."
"Wir haben zwei italienische Hersteller und italienische Fahrer"
Bei der Suche nach neuen Märkten möchte der DTM-Promoter ADAC auch die Partner und Hersteller einbinden. "Wir haben zwei italienische Hersteller, wir haben italienische Fahrer. Wir haben aber auch zwei englische Marken, aber keine portugiesische Marke", gibt Voss ein paar Hinweise, wo die Reise hingehen könnte.
Und wo sie voraussichtlich nicht hingeht, denn das Stadtrennen in Vila Real in Portugal ist nach dem TCR-Comeback im Vorjahr offenbar wieder vom Tisch. Der ADAC evaluiert laut Informationen von Motorsport-Total.com gerade, ob und - wenn ja - wo 2027 ein neuntes Wochenende durchgeführt werden könnte.
Das hängt auch von den Teams ab, die bislang wegen der Kosten Widerstand zeigten. Und vom Angebot der Rennstrecken, denn manche Streckenbetreiber sind direkt auf die DTM zugekommen, um den Weg in den Kalender zu finden. "Da gibt es Anfragen und Wünsche an uns", bestätigt Voss. (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)
Kehrt die DTM 2027 nach der Renovierung nach Brünn zurück?
Aber welche Rennstrecken sind mögliche Kandidaten? Wie man hört, hat der ADAC ein Anforderungsprofil erstellt, welche Kriterien erfüllt werden müssen. Die Strecke sollte in Europa liegen und vor allem in der Lage sein, Zuschauer anzuziehen. Und das Interesse ist groß, Rennen außerhalb des DACH-Raums auszutragen, um neue Märkte zu erschließen.
Ein heißer Kandidat ist die Strecke in Brünn in Tschechien. Der für das MotoGP-Comeback renovierte Kurs, bei dem neben einem neuen Belag auch das Fahrerlager modernisiert wurde, liegt rund 200 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die österreichische Hauptstadt Wien ist aber nur 130 Kilometer entfernt. Und die Strecke hat sogar DTM-Tradition, denn die Serie gastierte zwischen 1988 und 2005 fünfmal in Brünn.
Auch Ungarn wäre ein potenzieller neuer Markt: Der ebenfalls modernisierte Hungaroring, auf dem die Formel 1 seit vielen Jahren ein Fixstarter ist und die DTM von 1988 bis 2018 ebenfalls fünfmal gastierte, wäre die logische Wahl. Als Alternative gäbe es auch den neuen Balaton-MotoGP-Kurs, der allerdings wegen der wenig Platz bietenden Auslaufzonen nicht unumstritten ist.
Assen: Volle Ränge 2021 auch dank Endemol-Geschenksaktion?
Im Benelux-Raum hat die DTM mit Zandvoort bereits ein Rennen im Kalender. Es ist daher fraglich, ob es eine zweite Veranstaltung braucht. Spa in Belgien steht vor allem bei den Piloten hoch im Kurs, doch die Streckenmiete ist teuer - und Zuschauer hat die DTM bei den bisherigen Versuchen nicht wirklich angelockt. In Zolder fuhr die DTM zuletzt im Jahr 2021, doch die Strecke ist veraltet.
Assen in den Niederlanden galt stets als Topkandidat, denn die DTM lockte im Jahr 2021 unter der Führung von Gerhard Berger trotz Coronakrise 40.000 Zuschauern zum MotoGP-Kurs, wodurch man den Zuschauer-Saisonrekord aufstellte. Das war auch darauf zurückzuführen, dass Promoter Lee van Dam durch die Vertragsbedingungen selbst im Risiko war und über den Ticketverkauf Geld verdienen musste.
Dass aber 2021 so viele Zuschauer kamen, soll auch damit zu tun gehabt haben, dass angeblich die komplette Endemol-Gruppe kostenlos zum DTM-Wochenende in Assen eingeladen wurde - und zahlreiche Mitarbeiter davon Gebrauch machten, wodurch mehrere 1.000 Zuschauer zusätzlich kamen.
Italien attraktiv, aber schwieriges Pflaster
Italien wurde von Voss explizit genannt und ist ein attraktiver Markt, doch die DTM hat sich daran schon in Class-1-Zeiten die Zähne ausgebissen. Egal ob man in Misano, Mugello, Monza, Imola oder Vallelunga fuhr - das Zuschauerinteresse ließ stets zu wünschen übrig. Und das dürfte sich auch nicht ändern, solange man keinen Valentino Rossi im Feld hat.

Fährt die DTM nach 2021 wieder in Monza? Die Streckenmiete ist teuer
Foto: DTM
Abgesehen davon hat Italien - übrigens wie Großbritannien - eine eigene nationale GT-Meisterschaft, was die Ausgangslage nicht gerade vereinfacht. Dennoch hört man von Gesprächen mit italienischen Rennstrecken. Großbritannien wäre mit Brands Hatch und Silverstone auch eine Möglichkeit für ein Comeback, doch der Brexit hat die Angelegenheit mit Sicherheit nicht einfacher gemacht.
Im Vorjahr hätte man mit Jack Aitken auch einen Piloten gehabt, der um den Titel fährt, doch aktuell befindet sich kein britischer Pilot im Starterfeld. Das gleiche Problem gibt es in der Türkei: Laut Informationen von Motorsport-Total.com wollte man nach dem Titel von Ayhancan Güven zum Istanbul-Park zurückkehren, da in dessen Heimatland rund um das Saisonfinale ein DTM-Boom ausbrach.
Güven verhindert mögliches Türkei-Comeback
Doch durch den Abgang des Manthey-Piloten ist das Thema nun wieder vom Tisch. Frankreich gilt als attraktiver Markt, zudem hat die "Grande Nation" keine nationale GT-Meisterschaft, was Potenzial bergen würde. Es gibt aber kaum attraktive Strecken: Magny-Cours befindet sich im Niemandsland, Dijon ist in die Jahre gekommen. Am Ende blieben nur Le Mans und Le Castellet als Optionen.
Spanien ist ähnlich wie Portugal bereits sehr weit vom DTM-Kerngebiet entfernt - und war für die Serie auch stets ein schwieriger Boden. "Es gibt ganz viele Kandidaten", will sich Voss nicht auf ein paar Kandidaten festlegen. Aktuell prüfe man die Angebote - "und dann werden wir - so Gott will - wie in den letzten Jahren spätestens im August einen Rennkalender für 2027 haben", kündigt er an.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.