Die Stiefkinder der DTM: Wer beim Lausitzring-Test seine Saison retten muss

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Die Stiefkinder der DTM: Wer beim Lausitzring-Test seine Saison retten muss
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14.04.2019, 20:07

Von Montag bis Donnerstag steigt in der Lausitz der letzte Test vor dem DTM-Auftakt: Welche Fahrer erst jetzt ins Geschehen eingreifen und wie groß ihr Nachteil ist

Von Montag bis Donnerstag steigt auf dem Lausitzring der offizielle ITR-Test und damit die letzte Testgelegenheit für Audi, BMW und Aston Martin, um sich für die Anfang Mai beginnende DTM-Saison mit den neuen Turbo-Autos vorzubereiten. Doch beim Test fällt auch in der Meisterschaft bereits eine erste Vorentscheidung.

Während sich Piloten wie Rene Rast, Mike Rockenfeller und Nico Müller bei Audi oder Timo Glock, Marco Wittmann und Bruno Spengler bei BMW sich die neun Testtage mit den neuen Autos aufgeteilt haben und so auf je drei Einsätze kommen, gibt es sechs Fahrer, die überhaupt noch nicht zum Zug kamen. Und da sie sich auf dem Lausitzring mit ihren Teamkollegen abwechseln müssen, haben sie nur zwei Tage Zeit, um sich auf die neue Saison einzuschießen. Keine einfache Angelegenheit, denn die um 100 PS stärkeren Turbo-Motoren fahren sich anders als die Sauger, zudem ist die Leistungsentfaltung nicht linear. Das verlangt einen etwas anderen Fahrstil.

"Es hilft definitiv nicht, dass ich bisher nicht zum Einsatz gekommen bin", weiß Audi-Pilot Jamie Green, der im Vorjahr nach einigen Jahren im Titelkampf Letzter in der Gesamtwertung wurde. Auch seine Markenkollegen Loic Duval und Robin Frijns sowie die Piloten des Privatteams WRT beginnen erst auf dem Lausitzring mit den Saisonvorbereitungen. Bei BMW ereilt dieses Schicksal Philipp Eng, Joel Eriksson und Sheldon van der Linde, während Neuling Aston Martin bereits allen Piloten eine Testchance geboten hat.

Rast gibt zu: Turbo-Entwicklungsarbeit ist ein Vorteil

"Ich kann nichts an meiner Situation ändern und muss das Maximum aus dem Test herausholen", bleibt Green im Gespräch mit 'Motorsport.com' realistisch. Denn vor dem ersten Qualifying in Hockenheim bleiben auch nur eine Stunde und 15 Minuten Trainingszeit. Greens Teamkollege Rast bestätigt: Die drei zusätzlichen Testtage "sind ein kleiner Vorteil gegenüber denen, die nicht gefahren sind, auch wenn man nicht ewig davon zehren kann. Man kriegt durch die Kilometer mit dem neuen Motor und mit dem neuen Teilepaket ein Gefühl für das Auto."

Audi AG

Jamie Green durfte erst beim Shakedown auf dem Lausitzring den neuen RS 5 fahren

Foto: Jamie Green

Das fehlt den anderen Piloten. Und ob sie es nach dem Lausitzring-Test haben werden, ist ungewiss, denn die Wettervorhersage deutete in den vergangenen Tagen auf Regen und niedrige Temperaturen zwischen vier und 13 Grad hin. Die Gewitterwolken scheinen sich nun doch von der Rennstrecke fernzuhalten, auszuschließen sind Schauer allerdings nicht.

Doch wer entscheidet eigentlich, welche Piloten in die Entwicklungsarbeit eingebunden sind und welche nicht? "Am Ende bestimmt Audi, wer testen geht", stellt Rosberg-Teamchef Arno Zensen im Gespräch mit 'Motorsport.com' klar. "Es ist klar, dass da Rene überall dabei ist, weil er in den letzten Jahren Meister und Vizemeister wurde. Da ist er eine sichere Bank."

Neuer Renningenieur: Duval hat kaum Zeit zur Eingewöhnung

Besonders hart trifft es dieses Jahr Ex-Le-Mans-Sieger Duval, der in seine dritte DTM-Saison geht. Er muss sich nicht nur an ein neues Auto gewöhnen, sondern auch an einen neuen Renn- und einen neuen Dateningenieur. "Mein neuer Renningenieur ist Deutscher und hat einen Akzent, wenn er Englisch spricht. Ich habe als Franzose auch einen Akzent. Wir müssen uns aneinander gewöhnen und einander am Funk verstehen", erklärt Duval die Herausforderung. "Das klingt banal, ist aber sehr wichtig. Und wir haben nicht mehr als die zwei Testtage."

Audi AG

Duval fehlen nicht nur Kilometer, er muss sich auch an neue Ingenieure gewöhnen

Foto: Loic Duval

Um die Gewöhnungszeit trotz mangelnder Testtage zu beschleunigen, verbringen der Phoenix-Pilot und seine zwei neuen Ingenieure viel Zeit im Audi-Simulator in Neuburg. "Wenn ich dort einen Tag verbringe, sind sie immer dabei", bestätigt Duval.

"Wir versuchen dann, alles zu simulieren. Es ist nicht die Realität, aber wir versuchen, der Realität so nahe wie möglich zu kommen. Denn auch die Rennen sind in der DTM relativ kurz, und wir müssen wissen, welcher Weg bei den Einstellungen und beim Set-up der richtige ist. Wir werden uns sicher steigern, aber schon am Anfang muss es passen."

DTM: Saisonauftakt entscheidet über Schicksal

Duval weiß, wovon er spricht, denn schon nach seinem ersten DTM-Jahr musste er sich an einen neuen Renningenieur gewöhnen. Und gerade in den ersten Rennen darf man sich in der DTM keine Blöße geben, denn sonst ist man intern rasch als Wasserträger abgestempelt.

"Der Saisonauftakt ist in der DTM extrem wichtig", stellt Duval klar. "Gerade am Anfang zählt jeder Punkt. Wenn man viele Punkte sammelt, dann erhält man mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von den Leuten bei Audi. Dann passt auch das Momentum. Das ist auch der Grund, warum es am Anfang manchmal Spannungen und heftige Kämpfe auf der Strecke gibt."

So läuft der Test auf dem Lausitzring

Audi AG

Audi und BMW absolvierten bereits neun Testtage mit den neuen Autos

Foto: Audi

Der Franzose wird auf dem Lausitzring übrigens noch nicht in seinem eigenen Auto sitzen, das gerade in Neuburg aufgebaut wird, sondern im Testträger von Audi und im Boliden von Teamkollege Mike Rockenfeller. Immerhin erhalten die Piloten aber auf dem Lausitzring viel Testzeit: Nach dem Shakedown am Sonntag darf die DTM am Montag und am Dienstag jeweils rund sechs Stunden testen, am Mittwoch und Donnerstag sind es sogar je neun Stunden.

Das ist auch der Grund, warum fast alle Teams an den letzten beiden Testtagen zu Mittag einen Fahrerwechsel machen. Zum Abschluss sollen auch die Bedingungen besser werden: Am Donnerstag werden Temperaturen an die 17 Grad erwartet. Glaubt eigentlich Duval, dass er durch sein schwieriges Schicksal schlechte Karten hat?

"Es ist, wie es ist", hat er sich mit seiner Situation abgefunden. "Ich glaube, dass es am wichtigsten ist, dass ich ein gutes Auto habe und die Entwicklung funktioniert. Wenn mein Paket passt, dann wird es keine Rolle spielen, was ich im Winter gemacht habe. Und wenn das Paket nicht gut ist, dann ist der Winter auch egal, weil dann wird es sowieso nicht funktionieren", gibt er sich philosophisch. Das ist vielleicht der beste Weg, um nicht auch noch mental mit einem Nachteil in die Saison zu gehen.

Zeitplan für den offiziellen ITR-Test auf dem Lausitzring

Montag (15.4.)

8:00 - 10:10 Uhr

13:00 - 16:50 Uhr

Dienstag (16.4.)

9:40 - 12:00 Uhr

14:00 - 17:20 Uhr

Mittwoch (17.4.)

8:00 - 13:00 Uhr

14:00 - 19:00 Uhr

Donnerstag (18.4.)

8:00 - 13:00 Uhr

14:00 - 19:00 Uhr

Mit Bildmaterial von BMW.

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