DTM Nürburgring
Differenzial-Wirbel um Glock: Wurden bei Ben Dörr die Rampenwinkel getauscht?
Nach Timo Glocks "A- und B-Auto"-Vorwurf wird die Differenzial-Frage brisant: Das Team ließ sich nach Gerüchten um einen illegalen Vorteil für Ben Dörr kontrollieren
Sven Haidinger
Bearbeitet: 26.08.2026, 13:17
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Vor dem Nürburgring ließ das Dörr-Team die Differenziale vom DMSB untersuchen
Foto: ADAC Motorsport
Eskaliert der Konflikt zwischen Timo Glock und dem McLaren-Team Dörr? Nachdem der Ex-Formel-1-Pilot nach dem
Sonntagsrennen auf dem Nürburgring
deutliche Worte fand und über ein "A- und ein B-Auto" bei Dörr sprach
, überraschte die McLaren-Truppe aus Frankfurt mit einer kuriosen Pressemitteilung.
Das Team reagiert darin auf Spekulationen, über die bisher gar nicht öffentlich berichtet wurde. "Zuletzt schwirrten Gerüchte durch das DTM-Fahrerlager, wonach an den Rennwagen von Ben Dörr und Timo Glock unterschiedliche Differenziale verwendet würden", heißt es darin.
Noch vor dem ersten Training auf dem Nürburgring habe das Dörr-Team den Technischen Kommissaren des DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) deshalb angeboten, die entsprechenden Komponenten an beiden McLaren 720S GT3 Evo "jederzeit zu überprüfen".
Dörr reagiert auf Glock-Vorwurf: "Haben ein B- und ein T-Auto"
Die Offiziellen nahmen laut dem Team das Angebot an und "öffneten die Getriebe beider Fahrzeuge. Nach einer genauen Begutachtung kamen sie zu dem Ergebnis, dass beide Differenziale identisch und regelkonform sind", verkündet Dörr. Die Bauteile seien daraufhin "wieder eingebaut und erneut versiegelt" worden, woraufhin beide Fahrer damit an den Start gingen.
"Ich bin dem DMSB dankbar, dass nun Klarheit herrscht - beide Fahrer haben das gleiche Material zur Verfügung", wird Teambesitzer Rainer Dörr zitiert - eine klare Reaktion auf Glocks Vorwurf, er bekomme nicht das gleiche Material. "Wir haben ein B- und ein T-Auto - für Ben und für Timo", reagiert er im Gespräch mit Motorsport-Total.com auch noch direkt auf Glocks Vorwurf.
Gerüchte um illegalen Rampenwinkel bei Ben Dörr
Aber wie kommt es dazu, dass Dörr Spekulationen dementiert, die gar nicht öffentlich bekannt sind? Konkret macht im DTM-Fahrerlager tatsächlich seit einiger Zeit das Gerücht die Runde, das Dörr-Team hätte am Differenzial von Ben Dörrs McLaren Veränderungen vorgenommen - und die Rampenwinkel getauscht. Allerdings nur beim Sohn des Teambesitzers.
Zur Erklärung: Wenn man beim Anbremsen und Einlenken eine geringere Sperrwirkung erreichen möchte, kann ein entsprechender Rampenwinkel dazu führen, dass das kurveninnere und kurvenäußere Hinterrad stärker unterschiedliche Drehzahlen annehmen können. Das wirkt sich positiv auf die Rotation des Boliden in der Kurve aus. "Da ist wirklich Performance drin", weiß ein Ingenieur aus dem DTM-Fahrerlager.
Der Rampenwinkel ist jedoch durch die DTM-GT3-Homologation genau vorgeschrieben - eine Änderung wäre ein klarer Regelverstoß.
Hat Timo Glock den DMSB zur Kontrolle angestiftet?
Am Norisring-Wochenende wurden fünf Autos - darunter Ben Dörrs McLaren - auf Unregelmäßigkeiten beim Differenzial kontrolliert. Das Dörr-Team hat daraufhin Glock darauf angesprochen, ob er den DMSB dazu angestiftet habe, dass Ben Dörrs Auto kontrolliert wurde.
"Es wurden mehrere Autos vom DMSB gecheckt", kann der 44-Jährige die Aufregung im Gespräch mit Motorsport-Total.com am Nürburgring nicht nachvollziehen. "Um das zu erwirken, hätte ich 30 Minuten nach Rennende schriftlich Protest einreichen müssen. Habe ich das getan oder gibt es ein entsprechendes Dokument von mir? Nein."

Die Rotation des Boliden spielt auf dem Norisring eine besonders wichtige Rolle
Foto: ADAC Motorsport
Auch vom DMSB hört man deutlich, dass eine Untersuchung der Differenziale am Norisring schon vor der Saison geplant war, da eine bessere Rotation der Boliden gerade auf dem Stadtkurs mit den zwei Kehren einen großen Vorteil darstellt. (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)
Basis für Norisring-Überprüfung offenbar Qualifying-Ergebnis
Als Basis für die Auswahl dürfte man das Ergebnis des ersten Norisring-Qualifyings genutzt haben: Am Samstag kontrollierte der DMSB nach dem Rennen den Aston Martin von Nicki Thiim, den Mercedes-AMG von Maro Engel und den Ford von Arjun Maini - also den Top 3 des Qualifyings.
Nach dem Sonntags-Qualifying wurden die Differenziale des McLaren von Ben Dörr und des Emil-Frey-Ferrari von Thierry Vermeulen versiegelt, um sie nach dem Rennen zu untersuchen, wie die offiziellen Dokumente belegen.
Am Sonntag wurden also jene zwei Fahrzeuge kontrolliert, die - wenn man nach dem Ergebnis des ersten Qualifyings geht - als nächste zwei Marken an die Reihe kommen. Denn Ben Dörr wäre in der Samstag-Startaufstellung Vierter gewesen, wäre er nicht wegen Untergewichts disqualifiziert worden. Und da der Lamborghini des neuntplatzierten Maximilian Paul ein Wrack war, kommt als nächster der neuntplatzierte Vermeulen-Ferrari an die Reihe.
Fakt ist: Bei keinem der fünf Autos gab es nach der Norisring-Untersuchung eine Disqualifikation.
Warum ließ sich Dörr am Nürburgring selbst überprüfen?
Was dann allerdings vor dem Nürburgring-Wochenende passierte, ist nicht ganz klar: Der technische Koordinator Robert Maas soll das Dörr-Team per E-Mail gefragt haben, warum die "Wheelspeeds" - also die Raddrehzahl - bei den Boliden von Ben Dörr und Glock so unterschiedlich sind. Ein Phänomen, das auch bei getauschten Rampenwinkeln vorkommt, aber kein eindeutiger Beleg ist.
Daraufhin gab es am Donnerstag vor dem Nürburgring-Wochenende eine technische Überprüfung der Differenziale beider McLaren-Boliden durch den DMSB. Dass dabei keine Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, ist nach der E-Mail-Anfrage im Vorfeld keine große Überraschung.
Vom DMSB hört man allerdings, dass das Team selbst um Überprüfung gebeten hatte, um die Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Je nachdem, mit wem man spricht, gibt es abweichende Schilderungen, ob die E-Mail-Anfrage oder der Dörr-Antrag, sich selbst untersuchen zu lassen, zuerst kam. Zumindest verbal dürften DMSB und Dörr jedoch bereits vor der E-Mail-Anfrage über das Thema im Austausch gewesen sein.
Interessenskonflikt bei Regelhüter DMSB?
Unter normalen Umständen sind Unterschiede zwischen zwei Fahrzeugen - solange sich alles im legalen Bereich bewegt - kein Fall für den DMSB. In diesem Fall haben die Regelhüter die Überprüfung aber laut eigenen Angaben durchgeführt, um dem Team die Möglichkeit zu geben, die Situation zu beruhigen.
Durch die Pressemitteilung hat das Dörr-Team die Angelegenheit nun jedoch selbst zum öffentlichen Thema gemacht. Auch wenn es bereits im Vorjahr Diskussionen gab: Denn beim Fahrzeugtausch zwischen Glock und Ben Dörr vor einem Jahr auf dem Nürburgring soll es eine Auffälligkeit bei Getriebe und Differenzial gegeben haben.
Nach Informationen von Motorsport-Total.com blieben die jeweiligen Komponenten beim Fahrerwechsel jeweils im Auto. Glocks vertraute Ingenieure Richard Selwin und Kevin Mirocha sollen das Thema intern angesprochen haben - und sind dieses Jahr in der DTM nicht mehr an Bord.
Für zusätzliche Fragen sorgt die personelle Konstellation: Robin Strycek, der Sohn von Dörrs GT3-Leiter Volker Strycek, ist seit Anfang 2026 DMSB-Vorstand für den Sportbereich.
Der DMSB sieht darin keinen Interessenkonflikt. "Ich lege Wert darauf, dass das vom technischen Bereich getrennt ist", sagt ein Sprecher des DMSB. "Robin Strycek ist Teil des dreiköpfigen hauptamtlichen Vorstands und in diese Themen nicht involviert. Der technische Koordinator für die DTM ist Robert Maas, der vom ADAC beauftragt wird."
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