Disqualifikation und Berufung! Riesenwirbel um DTM-Sieger Bortolotti
Mirko Bortolotti wird der Sieg im Sonntagsrennen in Oschersleben aberkannt - Grasser-Team will in Berufung gehen - Droht jetzt eine juristische Hängepartie?
Mirko Bortolotti wurde der DTM-Sieg in Oschersleben aberkannt, Grasser will in Berufung gehen
Foto: ADAC Motorsport
Böses Erwachen beim Grasser-Team fast drei Wochen nach dem großen Triumph: Lamborghini-Werksfahrer Mirko Bortolotti verliert seinen Sieg im Sonntagsrennen der DTM in Oschersleben wegen eines technischen Vergehens!
Bei der technischen Nachuntersuchung wurden Abweichungen von der DTM-Homologation beim Radlager entdeckt. Daher wurde der Lamborghini Temerario GT3 #63 aus der Wertung genommen, wodurch Bortolotti seinen ersten DTM-Sieg seit dem Red-Bull-Ring 2024 - noch vor seinem Titelgewinn im selben Jahr - verliert.
Das Team hat angekündigt, in Berufung zu gehen. Durch die Disqualifikation ist nun DTM-Leader Maro Engel neuer Rennsieger - das würde sich erst ändern, sollte die Grasser-Berufung erfolgreich sein. Das Ergebnis bleibt aber provisorisch, bis der Fall vom Sportgericht des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) in Frankfurt verhandelt wurde.
Wann das der Fall sein wird, ist aktuell noch unklar. Im schlimmsten Falle würde die DTM-Saison 2026 erst nach dem Finale auf dem Hockenheimring am 11. Oktober entschieden werden.
Wieso sich das Grasser-Team im Recht wähnt
Teamchef Gottfried Grasser sagt in einer ersten Stellungnahme gegenüber Motorsport-Total.com: "Der Artikel 5 der DTM, der für die Disqualifikation gesorgt hat, beruft sich darauf, dass Teile mit Originalteilen des Herstellers verglichen werden dürfen. Das ist die allgemeine Teileformulierung für die technische Kontrolle."
"Allerdings sind wir der Meinung, dass das beim Radlager nicht gilt. Ich berufe mich dabei auf Artikel Nummer 2. Darin steht, dass die Bulletins Gültigkeit haben, die aktuell im Downloadcenter herunterladbar sind. Dort gibt es die Clarification 04, in der ausdrücklich steht, dass das Radlager frei ist."
"Da diese Clarification niemals widerrufen wurde oder jemals vom Downloadcenter gelöscht wurde, sind wir der Meinung, dass in der DTM die Radlager freigestellt sind. Und aus dem Grund sind wir in die Berufung gegangen. Das Berufungsgericht wird entscheiden müssen, was richtig ist."
Wie sich die Disqualifikation auf den DTM-Titelkampf auswirkt
In der DTM werden gewisse Bereiche der FIA-Homologation über eine zusätzliche Homologation klargestellt. Teilweise gibt es auch Abweichungen. Die DTM-Homologation hat gegenüber der FIA-Homologation Vorrang.
Der Lamborghini Temerario GT3 hat nach einem enttäuschenden Saisonauftakt Ausnahmen erhalten, die unter anderem die Befestigung des Heckflügels betrafen.
Der Fall hat unmittelbare Auswirkungen auf die Situation in der Meisterschaft, deren Stand nun ebenfalls provisorisch ist. Sollte die Disqualifikation bestehen bleiben, würde Tabellenführer Maro Engel fünf zusätzliche Punkte erhalten, seine direkten Verfolger Nicki Thiim und Lucas Auer nur jeweils einen mehr. Es wäre netto ein Gewinn von vier Punkten für Engel.
Thomas Preining, aktuell Vierter der Gesamtwertung, würde vier Punkte zusätzlich gewinnen. Damit würde er drei Zähler auf Thiim und Auer gutmachen, aber einen weiteren auf Engel verlieren.
Engel und Bortolotti mit maximalem Erfolgsgewicht für Sieg
Die Angelegenheit hat auch Folgen für die Erfolgsgewichte beim Samstagsrennen: Der neue Rennsieger Engel muss mit 20 Kilogramm, der neue Zweite Preining mit zehn und der neue Dritte Wittmann mit fünf Kilogramm antreten. Aber auch Bortolotti erhält 20 Kilogramm Erfolgsgewicht für den Sieg.
Das ist im Reglement so verankert, denn sonst könnte ein Team in die Berufung gehen, sich das Erfolgsgewicht im Rennen sparen und diese Berufung drei Tage später zurückziehen - und sich so einen Vorteil herausholen.
Die Begründung der Technischen Kommissare im Wortlaut
"Die Untersuchung ergab, dass das Radlager des Fahrzeugs Nr. 63 nicht der DTM-Homologation 2026 des Lamborghini Temerario DTM GT3 entspricht: Homologation - DTM-GT3-059 / 6.3 Radlager - vorne. Dies stellt einen Verstoß gegen Artikel 5.1 des DTM-Sportreglements 2026 dar." (Originaldokument auf Englisch)
"Die Rennkommissare hörten den Teilnehmer und den Technischen Koordinator an und prüften das vorliegende Beweismaterial. Der Teilnehmer gab an, dass bei früheren und anderen Veranstaltungen eine Modifikation der Radlager zulässig sei und dass man vergessen habe, diese für die betreffende DTM-Veranstaltung auszutauschen."
"Der Teilnehmer führte ferner an, dass eine Klarstellung zu den DTM-Sportlichen Bestimmungen 2024 weiterhin im Download-Center unter dem Ordner "2024" zum Herunterladen verfügbar sei und dass diese seiner Meinung nach nach wie vor gültig sei."
"Dennoch entschieden die Rennkommissare, dass die Modifikation nicht zulässig ist, und beschlossen daher, diesen Verstoß mit einer Disqualifikation für Rennen 2 der DTM-Veranstaltung in Oschersleben zu ahnden."
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.