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Doch kein "Problemkind"? Wie die DTM-Sonderregelung dem "Lambo" half

Nach dem Debakel beim DTM-Auftakt war der neue Lamborghini in Zandvoort plötzlich schnell: Wie die umstrittene Änderung beim Heckflügel genau aussieht

Doch kein "Problemkind"? Wie die DTM-Sonderregelung dem "Lambo" half

Mit Hilfe der DTM-Homologation wurde die Heckflügel-Aufhängung geändert

Foto: ADAC ADAC

War die Kritik am Lamborghini Temerario GT3 verfrüht? Nach dem katastrophalen Auftakt in Spielberg, als die Lamborghini-Piloten am Ende des Feldes lagen, gelang Abt-Pilot Luca Engstler in Zandvoort ein achter und ein sechster Platz. "So ein Problemkind kann es nicht sein, wenn wir in der zweiten Reihe stehen", verteidigte Lamborghini-Werksfahrer Engstler am Sonntag bei ran.de nach dem starken dritten Startplatz seinen Boliden.

Aber welche Rolle spielte die DTM-Zusatzhomologation für den Aufwärtstrend, die es den Lamborghini-Teams erstmals erlaubte, mit einer von der FIA nicht homologierten Heckflügelkonfiguration zu fahren? "Es ist eine Summe an Dingen, aber natürlich hilft uns auch der Heckflügel", stellt Teamchef Gottfried Grasser klar.

"Der Abtrieb durch den Heckflügel hilft hauptsächlich bei der Fahrbarkeit, weil du am Kurveneingang mehr pushen kannst und das Auto in diesem Bereich besser zu fahren ist. Das macht es auch ein bisschen leichter, das Auto abzustimmen", erklärt er.

Wie die Lamborghini-Sonderregelung genau aussieht

Was hat sich durch die Zusatzhomologation beim Temerario GT3 geändert? Kurz vor dem DTM-Wochenende in Zandvoort entschied das GT-Komitee der DTM, dass die Lamborghini-Teams Grasser und Abt trotz des Widerstands anderer Hersteller mit einer Heckflügel-Einstellung fahren dürfen, die mehr Abtrieb generiert und nicht von der FIA-Homologation des Fahrzeugs abgedeckt wird.

In der geänderten Balance of Performance (BoP) hieß es, dass der Heckflügel um drei Grad steiler gestellt werden darf. Der minimal erlaubte Anstellwinkel betrug damit nicht mehr fünf, sondern acht Grad.

Das wäre ohne Änderung des Fahrzeugs gar nicht möglich gewesen: Mit Hilfe der DTM-Zusatzhomologation wurde der maximal erreichbare Anstellwinkel von sieben auf zwölf Grad erhöht, was ein sogenanntes neues "Bracket" ermöglichte. Dabei handelt es sich um das Verbindungsstück zwischen der L-Halterung, die am Chassis fixiert ist, und dem Heckflügelblatt.

Sogar in Monza steilerer Heckflügel als bisher möglich

Von außen ist der Unterschied kaum zu sehen, denn nur die Halterung wurde leicht angepasst und der Heckflügel ist nun steiler angestellt als in der Vergangenheit. Wie dringend der Temerario die Änderung benötigte, zeigt das GT-World-Challenge-Europe-Wochenende in Monza, wo der Bolide dank der SRO-Zusatzhomologation die Änderung ebenfalls nutzen durfte.

Denn selbst auf der Highspeed-Strecke rückte der Temerario mit einem Anstellwinkel von acht Grad aus, was mit der FIA-Homologation gar nicht möglich gewesen wäre.

Abt testete bereits vor Zandvoort mit Sonderlösung

Während das Grasser-Team mit der geänderten Konfiguration erstmals beim Freien Training der DTM in Zandvoort fuhr, hatte das Abt-Team einen kleinen Startvorteil: Denn laut Informationen von Motorsport-Total.com probierte das Lamborghini-Team die Änderung bereits zwei Wochen vor dem Zandvoort-Wochenende beim einzigen privaten Testtag pro Saison aus, den Abt am 8. Mai in Zandvoort einlöste.

Die Änderung wirkt sich vor allem in schnellen Kurven positiv aus, da das Auto dadurch aerodynamisch stabiler ist. Zudem hilft es der Balance, denn der Temerario GT3 generierte bisher an der Hinterachse viel zu wenig Abtrieb, wodurch das Auto speziell in schnellen Kurven instabil war.

Da das Auto nun um einige Kilogramm mehr Abtrieb an der Hinterachse generiert, sinkt auch der Topspeed des Fahrzeugs. Um das auszugleichen, erhielt der Temerario in Zandvoort im hohen Drehzahlbereich um bis zu 0,1 bar mehr Ladedruck, womit sich DTM und SRO ebenfalls außerhalb des Homologationsfensters der FIA bewegen.

Grasser über Änderung: "Musst mit Auto komplett anders arbeiten"

Für das Grasser-Team bedeutete die Änderung in Zandvoort eine große Umstellung. "Wir haben am Anfang ein bisschen herumgesucht", erklärt Grasser. "Was die Philosophie angeht, musst du mit dem Auto jetzt komplett anders arbeiten. Und das musst du sozusagen erfahren. Dafür sind die zwei Trainings fast zu wenig. Daher war der erste Teil des Wochenendes wie ein Test."

Ob es sich so angefühlt habe wie ein neues Auto? "Jein, das wäre übertrieben", antwortet er. "Aber es ist ein großer Impact, wo du jetzt Schritt für Schritt lernen musst." Daher habe man von Samstag auf Sonntag einen großen Sprung gemacht, was sich auch durch Mirko Bortolottis vierten Platz in der Startaufstellung zeigte.

Ob Grasser glaubt, dass die Fortschritte in Zandvoort auch mit dem rauen Asphalt in Zandvoort und den hohen Temperaturen zu tun hatten? "Nein, ich glaube, dass es allgemein besser gehen wird", sagt er. "Die hohe Energie durch die Strecke und die höheren Temperaturen haben uns sicher geholfen, aber das gilt auch für andere Strecken, wenn es warm ist."

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